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Rasender Sehnsuchts-Sound

Klassik Die Freitagsakademie, das renommierte Berner Ensemble für Alte Musik, spielte im Konsi selten zu hörende Kammermusik aus dem 18.Jahrhundert. Der erste Auftritt in der neuen «Heimat» liess einige Wünsche offen.

Wonach sucht die junge, emanzipierte Frau von heute? Paradoxerweise nach einem zuvorkommenden Mann, der sich in geschmeidigen Umgangsformen auszudrücken vermag. Als Soundtrack ihrer Sehnsucht nach Galanterie bietet sich bestens die Kammermusik der Mannheimer Schule an, die um 1750 aus Musikern und Komponisten der Hofkapelle von Kurfürst Karl Theodor entstand. Beim Erklingen der kantabel-fliessenden Kompositionen, welche die Freitagsakademie zusammengestellt hat, erscheint ein sich anmutig verneigender Casanova vor Augen, der nie um ein charmantes Sprüchlein verlegen ist. Delikate Dauerfröhlichkeit Der dem vergnüglichen Zeitvertreib verpflichtete galante Stil begleitet – vereinfacht gesagt – den Epochenübergang vom Barock zur Wiener Klassik. Aber das Divertissement hat seine Tücken: Die einzelnen Sätze der Duos, Trios, Quartette und Quintette von Carl Stamitz über Georg Czarth bis Christian Cannabich stehen vorwiegend in Dur und im «Allegro». Damit sich die Dauerfröhlichkeit nicht erschöpft, ist besondere interpretatorische Differenzierung gefragt. Das Ensemble begrenzt aber immer wieder seine eigenen musikalischen Gestaltungsmöglichkeiten, indem es viel zu schnelle Grundtempi wählt: Melodiebögen klingen zuweilen hastig, Verzierungen geraten kantig, auch das Zusammenspiel wirkt überkonzentriert. Das Federleichte, Umgarnende der Mannheimer Musik mag sich immerhin im Spiel des Cembalisten und neuen künstlerischen Co-Leiters der Freitagsakademie, Vital Julian Frey, entfalten, der mit stilvoller Fingerfertigkeit den Gesamtklang auflockert. Bei der Sonate in A des jungen Mozart legen Plamena Nikitassova (Violine) und Frey als Duopartner los: beweglich, rhythmisch prononciert und spielfreudig. Wachsendes Stammpublikum Ein weiteres Werk sticht hervor: Die «noch» barock tönende Sonate in G-Dur für Violine, Cembalo und Violoncello von Franz Xaver Richter. Sie enthält nicht nur ein schwelgendes «Larghetto», sie wird auch so gefühlvoll gespielt, dass man mehr davon hören möchte. Für das freitagsakademische Mehrhören ist nun auch der perfekte Rahmen gefunden: der atmosphärische, mit Nussbaumholz getäfelte Saal des Konsi löst die langjährige, akustisch schwierige Spielstätte im Kunstmuseum ab. Die Zusammenarbeit mit dem Museum hat sich zuletzt problematisch gestaltet. Auch die zunehmende Beliebtheit der Freitagsakademie spielte beim Wechsel eine Rolle. Damit sich das Stammpublikum weiter vergrössern und das Ensemble wirklich zu neuen Ufern aufbrechen kann, sollte die hervorragende Programmkonzeption und deren musikalische Ausführung in Zukunft allerdings zu einer besseren Einheit finden. Theresa Beyer >

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