Aus der Temporeduktion wird nichts

Hinterkappelen

Die sanierte Kappelenbrücke ist eine Ausserortsstrecke. Das Höchsttempo darf deshalb nicht auf 60 Kilometer pro Stunde reduziert werden.

Mit 50 km/h über die Kappelenbrücke – das gab es nur vor der Sanierung.

Mit 50 km/h über die Kappelenbrücke – das gab es nur vor der Sanierung.

(Bild: Archiv/Andreas Blatter)

Hans Ulrich Schaad

Im letzten Jahr hat der Kanton Bern die Kappelenbrücke instand gestellt. Während der mehrmonatigen Bauarbeiten galt auf der Brücke Höchsttempo 50 statt 80. Das freute die Anwohner auf der Seite Hinterkappelen. Denn die Fahrzeuge beschleunigten nicht mehr unmittelbar am Dorfrand, der Verkehrslärm nahm merklich ab.

Nach dem Ende der Bauarbeiten wurde das alte Temporegime wieder eingeführt. Aufgrund der positiven Erfahrungen fragten die Anwohner beim Gemeinderat Wohlen nach, ob es nicht möglich sei, die Höchstgeschwindigkeit dauerhaft auf 50 zu reduzieren.

Der Gemeinderat machte darauf beim Kanton eine Eingabe, weil dieser für den Strassenabschnitt zuständig ist. In einer ersten Reaktion habe der Kanton geschrieben, dass Tempo 50 nicht möglich sei, erklärte die zuständige Gemeinderätin Anita Herrmann (BDP) an der Gemeindeversammlung vom Dienstagabend. Aber er prüfe Tempo 60 bis auf die Höhe des Campings Eymatt. «Immerhin, besser als nichts», dachte sich der Gemeinderat Wohlen und war damit einverstanden.

Übersichtliche Strecke

Die definitive Antwort des Kantons war aber negativ. Ein tieferes Tempolimit sei auf diesem 500 Meter langen Streckenabschnitt gesetzlich nicht umsetzbar, zitierte Herrmann aus dem Schreiben des Kantons. Dieser gab dafür mehrere Gründe an. Das Gebiet sei unbebaut, die Fahrbahn sei gut sieben bis knapp zwölf Meter breit und verfüge über Trottoirs und Radweg. In der Eymatt habe es zudem einen Mehrzweckstreifen zum Abbiegen. Und Kontrollen hätten ergeben, dass die Tempolimiten gut eingehalten würden.

Ein tieferes Tempolimit ist auf diesem 500 Meter langen Streckenabschnitt gesetzlich nicht umsetzbar.Stellungnahme Kanton

In der Gemeinde dürfte in den nächsten Monaten ein nächstes Tempolimit auf einer Kantonsstrasse auf die Agenda kommen: die Ortsdurchfahrt im Dorf Wohlen. Eine kleine Gruppe Bewohner hatte beim Gemeinderat angeregt, ob es nicht möglich sei, im Zentrum die Geschwindigkeit aus Sicherheitsgründen auf 30 zu senken. Und zwar auf den paar Hundert Metern zwischen der Haltestelle Gemeindehaus und dem Restaurant Kreuz. Viele Schulkinder müssten diese Strasse queren. Es habe viel Verkehr, und die Lenker würden sich nicht immer an die Tempolimite halten, begründet die Gruppe ihr Anliegen.

Der Gemeinderat vertröstet die Gruppe in seiner Antwort aufs nächste Jahr. In einer Klausur im April werde sich die Exekutive unter anderem mit der Weiterentwicklung des Dorfes Wohlen befassen. Die Ortsdurchfahrt sei dabei ein Teil dieser Diskussion. Danach werde das weitere Vorgehen mit dem Kanton, der dafür zuständig ist, besprochen, schreibt der Gemeinderat weiter. Er verweist darauf, dass eine Geschwindigkeitsreduktion zwingend bauliche Massnahmen zur Folge habe. Es brauche auch ein Gutachten, das den Sinn, die Zweck- und Verhältnismässigkeit abkläre.

Allenfalls eine Petition

Thomas Bornhauser, Mitglied der kleinen Gruppe, ist von der Antwort des Gemeinderats etwas enttäuscht. Er hätte sich etwas mehr Support gewünscht. Falls sich gar nichts ändere, behalte sich die Gruppe vor, allenfalls eine Petition zu starten. Bornhauser ist überzeugt, dass relativ schnell viele Unterschriften beisammen wären.

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