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So kam die Klinik Münsingen auf den Elektroschock

Ein Buch über die Geschichte des Elektroschocks in der Psychiatrie Münsingen zeigt: Seit der Einführung 1939 erlebte die Therapie ein Auf und Ab – und so war es auch für viele Patienten.

Elektroschockbehandlung in den 1940er-Jahren, vermutlich in der Heil- und Pflegeanstalt Waldau in Bern.

Elektroschockbehandlung in den 1940er-Jahren, vermutlich in der Heil- und Pflegeanstalt Waldau in Bern.

(Bild: Paul Senn/FFV, Kunstmuseum Bern, Dep. GKS. © GKS.)

Johannes Reichen

Im Buch heisst sie Emma Herzog. Am 6. Juni 1963 tritt sie in die Heil- und Pflegeanstalt in Münsingen ein. Sie ist 57 Jahre alt und vermutlich schizophren. Auf das Personal wirkt sie «gespannt, bedrückt, wenig intelligent, etwas stupurös gehemmt». Vier Tage später wird sie zum ersten Mal mit einem Elektroschock behandelt. Danach «ist Pat. etwas entspannter». Anderthalb Monate und eine Reihe von Elektroschocks später wird von einer «guten Wirkung» berichtet: Sie sei viel ruhiger, beschäftige sich mit dem Rüsten von Gemüse, habe Kontakt. Auffallend sei noch eine gewisse Ängstlichkeit, wenn es um das Decken des Tisches gehe.

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