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Reich beschenkter Diener der Kunst

alte oele thunAn der KGT-Vortragsreihe «Die Kunst und ihre Diener» sprach Peter Killer über seine Erkenntnisse aus

Als Schäfer, Heilsarmeesoldat oder Abenteurer sah sich der Kunstkritiker und ehemalige Leiter des Kunstmuesums Olten, Peter Killer, in seinem Rückblick auf 40 Jahre Kunstvermittlung. Eine Bild-Präsentation unterstrich seine Ausführungen vor der Kunstgesellschaft Thun (KGT) im Thuner Kleintheater Alte Oele unterhaltsam und leicht ironisch. Kunst für alle Seine Liebe zur Kunst gehe auf einen «Kopforgasmus» beim Anblick einer van Gogh-Ausstellung in Holland zurück, berichtete der gebürtige Zürcher. Die Revolten von 1968 brachten auch ihn zur Überzeugung, dass Kunst nicht einer Elite vorbehalten sein dürfe. In den 70er-Jahren wurden die ersten Kunstpädagogen ausgebildet, es entwickelte sich ein neues Kunstverständnis: Was nicht subversiv und gefährlich war, erschien wie Falschgeld. Neue Richtungen wie Strassenbilder, Fotografie und Video-Installationen kamen auf. Kaum weg von der Elite-Kunst biss sich die Schlange in den Schwanz: Immer gewagtere Projekte wurden gestiftet, um Prestige zu erlangen. Ihr Wert wuchs mit der Anzahl der Ausstellungsbesucher, die somit gleichzeitig Konsumenten und Mitarbeiter wurden – ein Phänomen, das unter dem Begriff des «IKEA-Prinzips» bekannt ist. Die Preise der Werke stiegen dabei ins Unerschwingliche. Peter Killer vergleicht sich heute, nach 40 Jahren als Kunstkritiker, mit einem Feldmauser – beides seien ausgestorbene Berufe. Infotainment statt Diskurs: Kunst ist kein Thema mehr, das interessierte Lesersegment der Tageszeitungen zu klein, bei mehr als 200 Künstlern in der Schweiz ist kein kompetenter Überblick mehr möglich. Ist Kunst vermittelbar? Die vorwiegend älteren Zuhörer im vollen Theatersaal der Alten Oele stellten Fragen wie: «Moderne Kunst, was soll das?», «Was soll man sammeln, was entsorgen?», oder ganz aktuell: «Wer entscheidet, ob eine Fälschung nicht nur falsch, sondern vielleicht dennoch gut ist?» «Ist Kunst vermittelbar», lautete eine zentrale Frage. Nein, sagt der ehemalige Lehrer und Museumsleiter, sie sei bestenfalls ansteckend: «Kunst ist eine Zweierbeziehung.» Man müsse sich einlassen können. «Ohne AHV-Empfänger hätten wir das Oltener Museum schliessen müssen. Es wird konsumiert wie wahnsinnig.» Kultur scheitere an intoleranter Haltung, mangelnder Offenheit, fehlender Musse sowie «Energiedefiziten in einer Zeit ohne Zeit». Doris BussmannWeitere Veranstaltungen unter: www.kunstgesellschaftthun.ch>

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