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Reitschüler feiern mit Freibier

68 Minuten Freibier für

Noch bevor die Korken knallen, macht sich Freude breit auf dem Vorplatz der Berner Reitschule. Als kurz nach 15 Uhr die ersten Gerüchte übers Abstimmungsresultat die Runde machen, gehen die Arme derer in die Luft, die sich in den letzten Wochen stark gemacht haben für die oft geschmähte Kulturstätte. Alle sind sie gekommen, um den Triumph zu feiern. Da ist der singende Komiker Müslüm und grinst, da ist die junge Rapperin Steff la Cheffe und lächelt, und da sind Hunderte von glücklichen Bernerinnen und Bernern, die sich vom Champagner und der guten Nachricht berieseln lassen. Mit klaren 68,4 Prozent hat das Stimmvolk die Initiative zur Schliessung der Reitschule abgelehnt. Singen für den Schandfleck Zwei Stunden zuvor schwankte die Stimmung rund um den Stein des Anstosses zwischen Anspannung und Heiterkeit. Während die Rapper von Churchill auf der provisorischen Bühne voller Ironie den «Schandfleck Reitschule» besingen, wird drinnen bei Kaffee und Brötchen über die Abstimmung diskutiert. Was auffällt, ist der grenzenlose Optimismus: Nicht, ob die Initiative abgelehnt wird, beschäftigt die Leute, sondern, wie klar dies geschieht. Vor dem Gebäude kann auf den Ausgang der Abstimmung gewettet werden: Angenommen werden allerdings nur Angaben zwischen 50 und 100 Prozent Nein-Stimmen. Positives Denken in seiner Vollendung. Mit 66,6 liegt Tom Locher von der Mediengruppe der Reitschule im Mittelfeld der Prognosen. «Wir sind alle mehr müde als nervös», sagt er. Bei all dem Herzblut, das in die Reitschule gesteckt worden sei, könne das Resultat nur positiv sein. Locher ist seit 22 Jahren dabei und hat die bisherigen vier Initiativen gegen «seine» Reitschule hautnah miterlebt. «Die Argumente der Gegner wurden über die Jahre immer realitätsfremder. Heute geht es nur noch um politische Karrieren und Stimmungsmache.» Müslüm für einmal ernst Der Stimmungsmacher Nummer eins an diesem Sonntagnachmittag kommt in Form einer kurzen Ansage: «Wir haben das Ergebnis», tönt es aus den Lautsprechern. Der Jubel ist heftig, aber kurz: Die Reitschul-Initiative wurde abgelehnt.Man hat es gehofft, man hat es erwartet. Kurz darauf die nächste gute Nachricht: 68 Minuten Freibier für alle, das Fest ist eröffnet. «Wir haben zusammen ein Zeichen gesetzt», sagt ein glücklicher Semih Yavsaner. Der Erschaffer der Kultfigur Müslüm hat mit viel Witz das Seinige zum Erfolg beigetragen. Heute jedoch bleibt er ernst: «Das Stimmvolk habe sich von seiner besten Seite gezeigt. Bern ist offensichtlich eine kulturliebende Stadt.» Christian Zeier >

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