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«Schon verrückt, dass man im Juli Eis macht»

Draussen war es 30 Grad, als Daniel Gerber im Langnauer Ilfisstadion die Eisanlage in Betrieb nahm. Seither wird Nacht für Nacht Wasser gespritzt, damit die SCL Tigers ab Montag wieder auf Eis

Zufälligerweise kommt Laszlo Kadar vorbei. «Schon verrückt», sagt der pensionierte Eismeister, «dass man schon im Juli Eis macht.» – «Ja», antwortet sein Nachfolger Daniel Gerber, «aber man hat keine andere Wahl, gäu.» Schliesslich beginne am 10. September die Hockeymeisterschaft, und vorher brauche jedes NLA-Team fünf, sechs Wochen Vorbereitungszeit auf Eis. Kadar nickt. «Hoffentlich», fügt er schmunzelnd an, «wird das Training auch nützen.» Viel Nachtarbeit Es ist kühl im Langnauer Ilfisstadion. Die Plexiglasscheiben sind beschlagen, neben den Banden sind Schläuche ausgelegt. Nächsten Montag absolvieren die SCL Tigers – und zwar nicht nur die Profis, sondern auch die Nachwuchsteams – hier ihr erstes Eistraining. Also schaltete Betriebsleiter Daniel Gerber vor ein paar Tagen bei hochsommerlichen 30 Grad die Kältemaschinen ein. «Süferli» wurde der Boden heruntergekühlt; «würde man zu stark kühlen, könnte es die Betonplatten sprengen». Später begann er, mit dem Schlauch Wasser zu spritzen. Auf die erste dünne Eisschicht wurden 300 Kilo Kreidemehl aufgetragen – damit das Spielfeld richtig weiss wird. «Seither heisst es: spritzen, spritzen, spritzen», sagt Gerber. Alle paar Stunden rückt er mit dem an der Eismaschine montierten Wasserwerfer aus. Heute, wenn die Schicht genau zwei Zentimeter dick ist, legen Gerber und seine Leute farbige Papierbahnen – Spielfeldlinien, Bullykreise und Werbeaufschriften – aus. Auf diese wird bis am Sonntag ein weiterer Zentimeter Eis aufgetragen. Dabei ist vor allem Nachtarbeit gefragt. «Würden wir tagsüber bei der grössten Hitze spritzen, würde viel zu viel Wasser verdunsten.» Eis machen – und sonst? Seit über 22 Jahren arbeitet Daniel Gerber im Ilfisstadion. Zu seinem Team zählen ein weiterer hauptamtlicher Angestellter sowie drei Teilzeit-Eismeister. Was haben sie eigentlich im Sommer zu tun? Gerber erinnert an die verschiedenen anderen Anlässe hier, an die Pubfestivals zum Beispiel und an die OGA. Zudem gilt es, den Unterhalt an den Maschinen zu machen, mit dem Hochdruckreiniger die Tribünen zu waschen, Garderoben zu schrubben und zu streichen, Böden abzuschleifen und, und, und. «Sie sehen: Handwerkliches Geschick ist in unserem Beruf eine Grundvoraussetzung.» Die Glücksbringerin Das Ilfisstadion und seine Eisaufbereitungsmaschinen sind 51-jährig. Zwar seien noch alle Ersatzteile erhältlich, sagt Daniel Gerber, «aber auch mir ist klar: Eine Erneuerung ist unumgänglich.» Ein Ritual würde er im sanierten Stadion wohl beibehalten: Jeden Sommer legt er einen Einfränkler – «eine Helvetia», wie er sagt – auf das Spielfeld. Sie wird danach vom Eis überdeckt und soll Profi- wie auch Hobbysportler vor Unfällen beschützen. Markus Zahno>

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