Das Rotlicht stört die Anwohner

Aarberg

Die Hawaii-Bar in Aarberg sorgt für Aufregung: Wegen der Beleuchtung wird die Umgebung zum Rotlichtquartier.

Eine Kontaktbar in Aarberg erhitzt die Gemüter der Anwohner (Symbolbild).

Eine Kontaktbar in Aarberg erhitzt die Gemüter der Anwohner (Symbolbild).

(Bild: Keystone)

Anka Peternel lebt seit zwanzig Jahren am Aarberger Leimernweg. «Wenn ich Bekannten meine Wohnadresse nenne, heisst es häufig: ‹Aha, du wohnst beim Puff.›» Das ist der eine Grund, warum sie sich an der Hawaii-Bar stört. Diese bietet seit Oktober im Gewerbequartier Dienstleistungen von Prostituierten an. Der zweite Grund ist die Nähe der Bar zum Wohnquartier. «Hier leben viele Kinder. Dass man hier eine Kontaktbar betreibt, ist für mich nicht in Ordnung.»

Nun läuft für die Hawaii-Bar erneut ein Baugesuch. Ein Wohnzimmer soll als zusätzliches Gästezimmer und ein Büro als Massagezimmer umgenutzt werden. Die Einsprachefrist läuft bis 23.März. Schon als die Kontaktbar im Oktober eröffnet wurde, gingen die Wogen in Aarberg hoch. Es gab über siebzig Einsprachen – doch diese fruchteten nicht: Die Kontaktbar in der Gewerbezone war zonenkonform und wurde bewilligt.

Drink am Feierabend

Angefangen hat die Geschichte der Hawaii-Bar vor sieben Jahren mit einer Imbissbude auf einer Terrasse unter freiem Himmel. Der alte Imbisswagen steht immer noch, nur ist er jetzt in die Hawaii-Bar integriert. Der Name der Bar geht auf den ehemaligen Betreiber und jetzigen Vermieter zurück. «Ich bin Hawaii-Fan», sagt Urs Moser, Besitzer der ABC-Garage, die gleich neben der Bar liegt.

2013 kam es in der alten Garage zu einer Explosion, bei der ein Mitarbeiter starb. Moser musste überlegen, wie es mit der Bar weitergehen sollte. Auf die Idee einer Kontaktbar sei er gekommen, weil diese weniger Lärm mache als ein Pub. Denn die Kunden von Prostituierten seien an Diskretion interessiert.

Geschäftsführerin der neu konzipierten Hawaii-Bar ist Monika Isch-Boosen. Sie betont, sie betreibe nicht nur eine Kontakt-, sondern auch eine Feierabendbar mit einem Fumoir. «Hier kann man sich auch als Frau einen Feierabenddrink genehmigen.» Dennoch: Momentan arbeiten drei Frauen aus Rumänien als selbstständig erwerbende Prostituierte in der Hawaii-Bar.

«Neider»

In Sichtweite der Kontaktbar wohnt Gemeinderat Peter Ryser (SVP). Zwar unterstützt er die Kritik: «Vor allem bei Nebel beleuchtet das rote Licht das ganze Quartier, sodass wir dann wirklich in einem Rotlichtmilieu leben», sagt Ryser. Er erwähnt aber auch, dass sich die Lärmsituation eher beruhigt habe. «Die Besucher der Hawaii-Bar sind dezent, sie wollen weder gesehen noch gehört werden.»

Auf die Kritik von Anwohnern angesprochen, sagt Vermieter Urs Moser lapidar: «Ich bin es gewohnt, Neider zu haben. Das ist die ehrlichste Art von Anerkennung.»

Berner Zeitung

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