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Die Linke fordert Streetworker gegen Vandalismus

Lyss soll Streetworker einsetzen, fordern SP und Grüne und wollen damit gegen Lärm, Dreck und Vandalismus vorgehen. Gassenarbeiter in Biel bezweifeln, dass Streetwork dazu das richtige Mittel ist.

Jugendliche am Bahnhof Lyss: SP und Grüne wollen ihnen einen Streetworker als «Papi» zur Seite stellen.
Jugendliche am Bahnhof Lyss: SP und Grüne wollen ihnen einen Streetworker als «Papi» zur Seite stellen.
Adrian Streun

Gegröle mitten in der Nacht, Abfall in Blumenrabatten und Pärken, abgefackelte Mülleimer und zertrümmerte Windschutzscheiben an Bushaltestellen. Welche Gemeinde im Seeland war nicht schon vom einen oder andern betroffen. Meist wird die Jugend dafür verantwortlich gemacht und mehr Polizeipräsenz gefordert. Nicht so SP und Grüne in Lyss. Sie fordern: «Streetwork für Lyss.» Am Bahnhof, dem Parkweg, neuerdings auch beim Monopoliplatz und um Schulhäuser bildeten sich «auffällige Gruppen». Damit einher gingen Lärm, Dreck und Vandalismus – vor allem in der Nacht. Die Polizei und private Sicherheitsdienste können aber nicht durchgehend präsent sein, um Einhalt zu gebieten.

Streetwork ist nicht Polizei

Bieler Gassenarbeiter bezweifeln, dass Streetwork die öffentliche Sicherheit gewährleistet. «Wir leisten Präventionsarbeit, die Polizei sorgt für Ruhe und Ordnung», sagt Eric Moser, Regionalleiter des Contact Netz, dem Streetwork angegliedert ist. Gassenarbeiter träten vor allem mit jungen Leuten in Kontakt, die in Schwierigkeiten kämen und der Gemeinde dadurch Probleme bereiten könnten, etwa durch Sucht oder anderes auffälliges Verhalten. Da suche man nach Lösungen, damit die Jungen nicht konsumieren oder etwas anderes anstellen, was Schaden anrichtet. Diese Arbeit dürfe nicht unterschätzt werden, sagt Moser: «Ein einziger Streetworker reicht für eine Stadt nicht aus.» In Biel sind die Gassenarbeiter immer zu zweit unterwegs in den Quartieren: jemand von Streetwork und jemand von Jugend und Freizeit der Stadt Biel. Einer soll bei Suchtproblemen helfen und der andere für einen gesunden Lebensstil werben. Als Paar können sie auch Gruppen ansprechen, was alleine riskant wäre.

Erfolgreich in Büren

Büren hat einen Streetworker, Rolf Marti. Er ist Mitglied der Fraktion SP/ Grüne im Lysser Gemeindeparlament. Das Postulat habe er nicht initiiert, sagt Marti, doch sein Job in Büren habe das Thema in der Fraktion präsent gehalten. Der Bürener Gemeinderat hat den 53-jährigen Sozialpädagogen vor drei Jahren geholt, damit er jugendliche Randalierer in die Schranken weist. Diese Ziele scheint Marti erreicht zu haben. Der Gemeinderat des Stedtlis zeigte sich 2009 von Martis Arbeit überzeugt. Nach Büren vermittelt hatte ihn die Jugendfachstelle Lyss. Diese zog sich jedoch nach einer sechsmonatigen Pilotphase zurück. In Lyss ist die Arbeitsweise des Streetworkers von Büren umstritten. Tatsächlich wirkt seine Auffassung von Gassenarbeit zuweilen handgestrickt. So sagt Marti auch: «Ein Streetworker braucht keine Konzepte.» Es genüge, wenn jemand Präsenz markiere. Marti sieht den Streetworker als «eine Art Papi». Indem er sich für die Jugendlichen interessiere, würden diese mit der Zeit auf ihn hören und auf «andere Ideen» kommen.

«Keinen Ordnungsauftrag»

«Natürlich ist der Begriff ‹Streetworker› nicht geschützt», sagt Moser. Doch was die Linke in Lyss in ihrer Interpellation anspreche, klinge eher nach einer Aufgabe für Polizei oder «Sicherheit, Intervention, Prävention» (SIP). Diese Fusstruppen der Stadt sollen gewaltlos zum Rechten sehen.

Moser ist nicht alleine mit dieser Einschätzung: «Streetworker haben keinen Ordnungsauftrag», sagt Anna Mele, die für Jugend und Freizeit von der Mühlestrasse in Mett aus operiert. Seit drei Jahren kennt sie die Jugendlichen im Quartier, seit sechs Monaten hat sie ihr Büro mittendrin. All die Jahre habe es gebraucht, damit Vertrauen habe entstehen können. Mele: «Erst jetzt kann ich Themen wie Vandalismus mit den Jugendlichen besprechen und werde auch gehört.»

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