Zum Hauptinhalt springen

Im Bootsdrama wird es endlich zur Anklage kommen

Läuft alles nach Fahrplan der Staatsanwaltschaft, kommt es im Zusammenhang mit dem tragischen Bootsunfall vom Sommer 2010 Ende September zur Anklage. Das Drama auf dem Bielersee jährt sich am 11. Juli zum zweiten Mal.

Am Montag startete der Prozess gegen den 77-jährigen Bootsführer, der im Juli 2010 eine Frau zu Tode gefahren haben soll.
Am Montag startete der Prozess gegen den 77-jährigen Bootsführer, der im Juli 2010 eine Frau zu Tode gefahren haben soll.
Keystone
Der Prozess findet vor dem Regionalgericht Berner Jura-Seeland in Biel statt.
Der Prozess findet vor dem Regionalgericht Berner Jura-Seeland in Biel statt.
Keystone
Der Prozess startete mit Geplänkel: Der Angeklagte verweigerte die Aussage.
Der Prozess startete mit Geplänkel: Der Angeklagte verweigerte die Aussage.
Keystone
1 / 6

Während der letzten Wochen gingen mehrere Anfragen bei dieser Zeitung ein. Ob man den schuldigen Bootsführer nun gefasst habe; Wie es in dem Verfahren weitergehe. Interessierte über die Seeländer Grenze hinaus sind immer noch beschäftigt mit dem tragischen Bootsunfall, bei dem am 11. Juli 2010 eine 24-jährige Aargauerin ums Leben kam. Die Frau wurde im Bielersee von einem Motorboot überfahren und verblutete an der Unfallstelle. Gut kalkuliert meldet sich die Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland nur wenige Tage bevor sich das Drama zum zweiten Mal jährt, mit einer Medienmitteilung zu Wort.

Die auf Herbst 2011 angekündigte Anklage wurde mehrmals verschoben, weil ein letztes wichtiges Gutachten fehlte. Nun ist diese Analyse eingetroffen und der weitere Fahrplan klar: Ende Juli soll mit dem mutmasslichen Unfallverursacher die Schlusseinvernahme stattfinden. «Bestenfalls» Ende September kommt es dann zur Anklage, wie die Staatsanwaltschaft gestern mitteilte. Unter dringendem Tatverdacht steht nach wie vor ein 75-jähriger Unternehmer aus der Region. Bis heute streitet der Mann jede Schuld ab.

Schwieriges Gutachten

Auf das letzte Puzzleteilchen haben die Untersuchungsbehörden lange gewartet. Nun ist sie endlich da, die DNA-Analyse der Spuren, die in der Schiffsschraube hängen geblieben sind. «Hoch spezialisierte Experten und Profigeräte sind nötig, um ein solch komplexes Gutachten zu erstellen», erklärt Christof Scheurer, Informationsbeauftragter der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern. «Spuren an einem Boot werden im Wasser schnell vernichtet. Da handelt es sich um Analysen im Mikrobereich.» Diesen komplexen Job haben Profis aus dem Nachbarland erledigt: Das Gutachten wurde im Bundeskriminalamt Wiesbaden in Deutschland erstellt.

Doch auch mit dem letzten Puzzleteil ist die formelle Untersuchung noch nicht abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft wird sich nun nochmals vertieft mit dem Gesamtbild auseinandersetzen, wie Scheurer erläutert. Der Beschuldigte kann an der Schlusseinvernahme zu den Vorwürfen und zum Verfahren nochmals Stellung nehmen.

Zwei Stolpersteine

Ab diesem Zeitpunkt sind noch zwei Möglichkeiten denkbar, die zu weiteren Verzögerungen führen könnten. Scheurer erklärt: Wenn der Termin zur Schlusseinvernahme aus Gründen, die in der Person des Beschuldigten liegen, nicht wahrgenommen werden kann – zum Beispiel wegen Krankheit oder Unfall. Ferner könnte der Beschuldigte weitere Beweismassnahmen beantragen. Hierfür wird ihm eine bestimmte Frist eingeräumt. «Wir hoffen nicht, dass er das Verfahren weiter verzögert», sagt Scheurer.

Laufen die einzelnen Schritte jedoch so, wie sich das die Staatsanwaltschaft vorstellt, erfolgt die Anklage Ende September.

Boot noch beschlagnahmt

Es ist wieder Sommer, und wenn Schwimmer im Bielersee ihre Runden drehen, erinnern sie sich an das tragische Ereignis. Dabei taucht auch die Frage auf, wie es sich mit Führerausweisentzügen in solchen Fällen verhält. Scheurer kann sie nicht beantworten, zumal die Staatsanwaltschaft nicht dafür zuständig ist. Und Beat Keller, stellvertretender Vorsteher des kantonalen Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamtes, sagt dazu: «Grundsätzlich müssen rechtsverbindliche Facts vorliegen, damit wir jemandem den Ausweis entziehen können.» Es müsse also entweder die Schuldfrage geklärt sein oder beispielsweise ein entsprechendes medizinisches Gutachten vorliegen – ansonsten kann das Amt während eines hängigen Verfahrens nicht handeln. Doch auch falls der mutmassliche Unfallverursacher seinen Permiss noch hat – sein Boot ist nach wie vor beschlagnahmt.

SDA/js

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch