Stadtjubiläum der anderen Art

Lyss

Lyss wird 1000 Jahre alt und feiert dies mit unzähligen Darbietungen. «Made in Lyss» lautete das Motto des ersten Festwochenendes. Vielerorts wurde Hand angelegt: ob für die Legostadt, die Ziegelpresse oder bei der Guggenmusik.

Ziegel pressen nach alter Manier: Peter Hüsser, Christian Bannwart, Heinz Bodmer und Peter Arni haben Spass an der alten Maschine.

Ziegel pressen nach alter Manier: Peter Hüsser, Christian Bannwart, Heinz Bodmer und Peter Arni haben Spass an der alten Maschine.

(Bild: Enrique Muñoz García)

Christian Zeier@ch_zeier

Es ist Samstagmorgen, 10 Uhr. Während die Strassen von Lyss erst nach und nach zu neuem Leben erwachen, wird in der Turnhalle der Schulanlage Herrengasse bereits eifrig gebaut: Fast 40 Kinder konstruieren mit erwachsenen Helfern eine kleine Stadt – aus Lego wohlgemerkt. Die Freie Missionsgemeinde hat das Projekt «Legostadt» ins Leben gerufen. Es ist Teil des ersten Festwochenendes zum 1000-jährigen Bestehen von Lyss, das unter dem Motto «Made in Lyss» gefeiert wird. Mit rund 170 Kilo Legosteinen werden die Tische bebaut, am Abend folgt die Präsentation der Spielzeugstadt. «Ich bin selbst ein grosser Legofan», erzählt Markus Sommer, der das Projekt initiiert hat.

Während ein Grossteil der Legostadt fix nach Plan gebaut wird, hat es auch Platz für individuelle Wünsche. Mit Computer und Fotos hat Peter Sommer einen Bauplan für die reformierte Kirche Lyss erstellt. In Weiss und Schwarz thront sie in der Mitte der Stadt, zwischen Fussballfeld, Wohnhäusern und einer Menge froher Kinder.

Ziegel zur Erinnerung

Zweihundert Meter weiter mühen sich vier Herren an einer altertümlich anmutenden Maschine ab. Es wird gedreht, korrigiert und geschwitzt, bis endlich das Produkt ihrer Arbeit vorliegt: ein Dachziegel. Peter Hüsser, Präsident der Stiftung untere Mühle, erklärt: «Die Maschine wurde beim Abbruch der alten Ziegelei beim Bahnhof gefunden und dann in mühsamer Handarbeit restauriert.» Nun lassen die Mitglieder des Vereins Kulturmühle Lyss die Besucher ihre eigenen Ziegel pressen. Mit dem Schriftzug des Jubiläumsfestes versehen, gibt das ein ansehnliches Erinnerungsstück.

Unermüdlich bringt die Ziegelpresse den Ton in die richtige Form. Unvorstellbar langsam entsteht so Stück um Stück. 50 Ziegel sollen es bis am Abend sein – 50 Ziegel made in Lyss.Mitten im geschäftigen Treiben erschallt ein lauter, schriller Ton. Unweit von der Ziegelpresse steht der zehnjährige Nico und bläst mit aller Kraft in eine Posaune. Nicht untalentiert, aber doch etwas ungestüm. Er hat mit den zwei Brüdern Nils und Lars an einem der Stände der Lysser Guggenmusiken Halt gemacht.

Feuchte Augen

Mit fünf Posten und 40 freiwilligen Helfern stellen die vier Lysser Guggenmusiken eine der grössten Delegationen am Jubiläumsfest. «Wir haben uns bewusst entschieden, als grosse Guggenfamilie aufzutreten, und möchten der Gemeinde etwas zurückgeben», sagt OK-Chef Hans Sutter. Die Stadt habe die Kulturschocker, Lyssbachfäger, Muggetätscher sowie die Mini-Muggen immer unterstützt.

Während sich nur wenige an die Instrumente wagen, wird eifrig geschminkt, gebastelt und gerätselt. «Wir machen nicht einfach Krach, Guggenmusik ist extrem vielfältig und ansprechend», sagt Sutter. Um das zu belegen, haben sich die Guggen etwas Spezielles ausgedacht: Das eigens für das Jubiläum umgeschriebene Lied «Highland Cathedral» soll am Abend das Festzeltpublikum in Staunen versetzen. Laut Sutter hat es bereits bei den Proben Hühnerhaut und feuchte Augen gegeben – auch das selbstverständlich made in Lyss.

Berner Zeitung

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