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Statthalter zu Igor L.: «Ein Freiheitsentzug ist nicht so einfach»

Dass der Schläger aus Schüpfen frei herumläuft, sorgt für Angst und rote Köpfe. Regierungsstatthalter Gerhard Burri könnte für Igor L.* einen fürsorgerischen Freiheitsentzug verordnen. Das sei nicht so einfach, sagt Burri.

Da verstehen Schüpfener nur Bahnhof: Der Schläger Igor L. ist nach wie vor auf freiem Fuss.
Da verstehen Schüpfener nur Bahnhof: Der Schläger Igor L. ist nach wie vor auf freiem Fuss.
Christian Pfander

Herr Burri, wieso hat man den Schläger aus Schüpfen noch nicht aus dem Verkehr gezogen?

Gerhard Burri: Das müssen Sie den Untersuchungsrichter fragen, er ist zurzeit der primär Verantwortliche in diesem Fall. Nicht als Regierungsstatthalter, aber als Jurist kann ich sagen, dass die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Untersuchungshaft sehr streng sind. Ich habe aber weder das Recht noch einen Grund, die Arbeit des Untersuchungsrichters zu kritisieren.

Für einen sogenannten fürsorgerischen Freiheitsentzug (FFE) ist der Regierungsstatthalter zuständig.

Das ist so. Und ich bin auch offen, diesen zu verordnen. Das ist aber nicht so einfach: Für einen FFE braucht es ein Arztzeugnis, das Geisteskrankheit attestiert. Im vorliegenden Fall dürfte das schwierig werden.

Sie kennen also den Fall Igor. Haben Sie gegen ihn schon einmal einen FFE verhängt?

Dazu möchte ich aus rechtlichen Gründen keine Stellung nehmen. Aber damit das klar ist: Ich kenne den Fall und sitze nicht däumchendrehend rum. Ein solch schlimmes Ereignis handeln wir nicht einfach bürokratisch ab. Als ich aus der Zeitung vom Vorfall im Restaurant Löwen erfahren habe, habe ich mich sofort mit den Verantwortlichen von Polizei und Justiz in Verbindung gesetzt. (Anmerkung der Redaktion: Aus gut unterrichteten Quellen weiss die Berner Zeitung, dass über Igor L. bereits ein FFE verhängt worden ist. Nach sechs Wochen wurde der Schläger jedoch wieder aus der Institution entlassen, da er nicht therapierbar sei.)

Hat die Polizei Angst vor Igor?

Ich habe auch schon gehört, dass es mehrere Polizisten braucht, um mit Igor zurechtzukommen. Dennoch würde ich nicht von Angst sprechen. Eher ist die Polizei besorgt, dass die Bevölkerung das Vertrauen in Polizei und Justiz verliert. Doch ruft man die Polizei, kommt sie ja immer. Egal, mit wem sie es dann zu tun hat.

In ihren Reaktionen werfen Bürger der Polizei, der Justiz und auch den Politikern fahrlässiges Handeln und Kuscheljustiz vor.

Es ist der Richter, der ein Urteil spricht. Vorher kann man nicht von Kuscheljustiz sprechen. Mit den strafrechtlichen Fragen habe ich als Regierungsstatthalter nichts zu tun.

Zwanzig Anzeigen sind gegen den 22-Jährigen bereits eingegangen. Wie geht es weiter?

Diesen Freitag findet eine Sitzung mit dem Untersuchungsrichter, den Verantwortlichen bei der Polizei, dem Gemeindepräsidenten von Schüpfen und mir statt. Da werden wir jede Möglichkeit prüfen, um im Fall Igor L. in bestmöglicher Weise zu handeln.

Was erhoffen Sie sich von diesem Treffen am Freitag?

Ich hoffe natürlich, dass der Untersuchungsrichter zum Schluss kommt, dass die Voraussetzungen für eine Untersuchungshaft gegeben sind. Zudem wünsche ich mir Aufschluss über alle Vorkommnisse der letzten Monate in Schüpfen.

Sind Sie dem jungen Schläger schon einmal begegnet?

Ja. Im Gespräch mit mir hatte er sich damals recht anständig verhalten. Und wie er einmal bekundete, weiss er, dass er Hilfe braucht, und wünscht sich eine Bezugsperson. Auf entsprechende Angebote hin hat er sich aber nicht mehr gemeldet.

*Name der Redaktion bekannt

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