Zum Hauptinhalt springen

Seit 150 Jahren auf dem Acker

Überflüssig oder dringend nötig? Vor 150 Jahren war man sich im Kanton Bern nicht einig, ob Bauern eine Ausbildung brauchen. Der Start war harzig. Heute ist am Inforama Rütti in Zollikofen die Ausbildung eine Selbstverständlichkeit.

Seit 150 Jahren gibt es sie, die Ausbildung für Bauern. Es war ein Aristokrat, der im Kanton Bern die Notwendigkeit eines solchen Angebots als Erster sah. Philipp Emanuel von Fellenberg und später sein Sohn Wilhelm trieben die Idee voran. 1860 sassen erste Bauern auf der Rütti in Zollikofen in den Schulbänken. Doch die Schule kam beim Bauernstand nicht wirklich gut an. Der Start verlief harzig. Vom Bauer zum Landwirt Jetzt feiert das Inforama sein 150-jähriges Bestehen. Die Bildungsstätte ist aus dem Kanton Bern nicht mehr wegzudenken. Lebenslanges Lernen ist auch für viele Leute aus dem Landwirtschaftssektor eine Realität geworden. Der Bauer – heute wird er Landwirt genannt – agiert in einem Umfeld, das sich rasant verändert. Wenn er weiterkommen will, braucht er entsprechendes Fachwissen. «Der Dümmste wird Bauer, das ist ein Spruch, der sicher nicht mehr zutrifft», sagt Robert Lehmann. Der Bildungsleiter und stellvertretende Direktor des Inforamas ist überzeugt, dass das Image dieses Berufes wieder gestiegen ist. Gerade auch, weil in diesem Sektor viel möglich sei. «Wer das ‹Rüstzeug› mit sich bringt und sich weiterbildet, hat im Landwirtschaftsbereich gute Chancen. Es gibt einen grossen Bedarf an Fachkräften», sagt Lehmann. Lehrplan stark verändert Ein Blick auf das Angebot des Inforamas zeigt die Bandbreite der Ausbildungsmöglichkeiten auf. Sie reicht von der Attestausbildung für schulisch Schwächere bis zur Berufsmaturitätsschule und der höheren Fachschule für Agro-Techniker. Auch Bildungsmodule zum Rebbau oder ein Bildungsgang zum Natur-Wellness-Begleiter können belegt werden. Den Bauern, wie man ihn noch vor 50 Jahren sah, gibt es nicht mehr. Davon ist Robert Lehmann überzeugt. Entsprechend ist der Lehrplan der Grundausbildung angepasst worden. Nebst den Fächern zur Produktion von Nahrungsmitteln und der Tierhaltung setzen die Verantwortlichen einen Schwerpunkt bei der Entwicklung der Persönlichkeit der jungen Leute. Sie sollen sich unter anderem bewusst sein, dass ihr Handeln Auswirkungen auf die Natur und auf Partner in vielen Bereichen hat, steht in den Lernzielen. Dies erfordere ein «verantwortungsbewusstes, ganzheitliches Denken». Zudem wird die Bereitschaft, «unterschiedliche Meinungen anzuhören und diese in die Überlegungen einzubeziehen», als Lernziel festgelegt. Alle 14 Tage ein Bad 1916 riefen die Verantwortlichen auf der Rütti auch zu gegenseitigem Respekt und Toleranz auf. So stand unter anderem in der Schulordnung, dass sich die Schüler «höflich und anständig zu betragen» hätten und «echte Kameradschaft» pflegen sollten. Ansonsten prägten der Gedanke von einheitlichem Handeln sowie Zucht und Ordnung die Schule. Zur Tradition des Schul- und Internatsbetriebs gehörte auch, dass die Lehrlinge alle 14 Tage ein Bad nehmen mussten und auf ihre Hygiene achten sollten. «Solche Vorschriften ergeben heute natürlich keinen Sinn mehr», sagt Lehmann und zitiert den irischen Dramatiker und Politiker George Bernard Shaw: «Tradition ist wie eine Laterne, der Dumme hält sich an ihr fest, dem Klugen leuchtet sie den Weg.» Nach diesem Kredo richte sich auch das Inforama. «Als Bildungsstätte haben wir die Rolle von Vordenkern», erklärt Lehmann. Heute müsse sich die Schule mit der Frage auseinandersetzen, wie mit den klimatischen Veränderungen umgegangen werden könne. So wird zum Beispiel die Wasserknappheit zunehmend ein Thema sein. Ursula Grütter >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch