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Sind Religionen wirklich so?

Hermann küster

«Wir haben gerade genug Religion, um einander zu hassen, doch nicht genug, um einander zu lieben», hat der irische Schriftsteller Jonathan Swift einmal geschrieben. Ich denke, das war und ist leider häufig so. Allzu häufig! Im Verhältnis zwischen den Religionen und leider auch innerhalb derselben. «Religion kann den Menschen helfen, über sich selbst hinauszuwachsen» (Jean Ziegler in «reformiert.» 9/2009). Also auch über seinen destruktiven Hasstrieb! Ich denke: Auch das trifft zu! Aber Religion kann das nur leisten, wenn sie nicht – etwa auf Grund von Verlustängsten, die den wertschätzenden Umgang mit anderen Religionen oder theologischen Ansätzen verhindern, von Fixiertheit auf religiös verbrämten gesellschaftlichen Traditionalismus, von Rechthabenwollen, von Besserwisserei und von Dominanz- und Machtgelüsten ihrer Glieder – zu blutleerer Theorie, starrer Dogmatik und sturer Ideologie verdünnt wird. Nur die unverdünnte Religion kann Religion sein: «genug, um einander zu lieben»! Da ist noch viel Arbeit zu tun. Lohnende Arbeit Nun zum Thema «Mission». Ein paar Überlegungen nur: Viele Zeitgenoss/-innen setzen Mission mit Intoleranz und geistlicher Überheblichkeit gleich. Ist das so? Nun: Ich bin überzeugt, dass Gott uns Menschen in niemandem näher gekommen ist und uns durch niemanden mehr und authentischer von sich zu wissen gegeben hat als durch Christus. Ich habe erkannt, dass ich in einem Liebes- und Vertrauensverhältnis zu Gott stehe und dass dieses Wissen mein Leben bereichert und mich mit einem «Grundstrom» der (Lebens-)Freude erfüllt, der sich sogar dann – oft unmerklich! – als Lebens-kraft auswirkt, wenn es mir überhaupt nicht gut geht. Da wäre es doch gedanken- und furchtbar lieblos von mir, wenn ich davon nicht anderen Menschen als von einer Möglichkeit auch für Sie erzählen und in diesem Sinne in Wort und Tat für Christus und seine Botschaft einstehen, also, wenn Sie so wollen, missionieren und im Übrigen auch christliche Mission unterstützen würde. Es ist mir allerdings wichtig, wie das geschieht. Nicht bulldozerhaft soll es geschehen, sondern einfühlsam. Nicht rechthaberisch, sondern liebevoll. Nicht als hässiger, sie abwertender Konkurrenzkampf mit anderen Religionen. Nicht aufdringlich, sondern bescheiden und zurückhaltend. Mit Petrus und Johannes vor dem Hohen Rat (Apostelgeschichte 4,20) gesagt: «Wir können’s nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.» Und immer muss klar sein, dass ich genug Religion habe, um auch an jenen Menschen den Tatbestand verantworteter, realistischer Liebe zu erfüllen, die meine Religion nicht annehmen. Die Toleranz ist da aber gleichwohl «am kleinen Ort», wird vielleicht Dieser oder Jene nun denken. Aber ob sie damit nicht «Toleranz mit Beliebigkeit» (nach Susanne Ziesche) und Indifferenz verwechseln? Nicht wenige Menschen, die sich etwas auf ihre Toleranz zugutehalten und mit einem manchmal geradezu intoleranten, von ihnen doch sonst so verpönten «missionarischen» Eifer Toleranz von ihren Mitmenschen einfordern, unterliegen dieser Verwechslung! Und verstehen damit nichts von Toleranz! Wie kann ich denn tolerant sein, wenn mir eh alles gleichgültig und beliebig ist? Tolerant ist nur, wer einerseits Überzeugungen hat und dazu steht, andererseits aber offen ist zu vorurteilsfreiem Hören auf andere Überzeugungen, dem Erkennen des auch in diesen enthaltenen Wahren, Schönen, Wertvollen, um «alles zu prüfen und das Gute zu behalten» (Apostel Paulus), und zu vorurteilsfreien Umgang mit der Person, die diese Überzeugung vertritt – hoffentlich ebenso wertschätzend (tolerant). >

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