Stellt Uri die Weichen in Richtung einer zweiten Gotthardröhre?

Abstimmung Der Kanton Uri entscheidet am Wochenende, wie er sich die Sanierung des Gotthard-Strassentunnels vorstellt. Befürworter einer zweiten Röhre wie Nationalrat Ulrich

Giezendanner (SVP) hoffen auf ein positives Signal.

Beständig und unnachgiebig wie Granit präsentierte sich bisher der Bergkanton: Eine zweite Röhre sei des Teufels und somit mit allen Mitteln zu bekämpfen. Ein ausgelassener Tanz des Urner Landammanns Hansruedi Stadler Anfang der 90er-Jahre manifestierte nach Annahme der Alpeninitiative die Freude des knorrigen Bergvolkes. Der ständig wachsenden Lastwagenlawine durch das enge Reusstal schien endlich ein Riegel geschoben. Warnung vor einer List Inzwischen ist Stadler, der in Bern auch als CVP-Ständerat gegen eine Aufweichung der Verlagerungspolitik ankämpfte, die Freude vergangen. Denn ausgerechnet aus seinem Heimatkanton kommen seiner Ansicht nach höchst zweifelhafte Begehren. Hintergrund ist die 2020 anstehende Sanierung des Gotthard-strassentunnels. Am kommenden Wochenende wird in Uri über eine Initiative und einen Gegenvorschlag abgestimmt, die beide eine zweite Röhre vorsehen. «Beide Abstimmungsvorschläge haben nicht bauliche Massnahmen zur Überbrückung der Sanierungszeit des Strassentunnels zum Kern», enerviert sich der Anwalt, «sondern es geht um Vorarbeiten für zwei doppelspurig befahrbare Tunnels.» Und das widerspreche dem zentralen Inhalt der Alpeninitiative, nämlich einem Verbot, die Strassenkapazität am Gotthard auszubauen. Die Volksinitiative der Jungen SVP Uri verlangt, dass sich der Kanton in Bern oben für einen neuen Strassentunnel einsetzt. Damit soll während der Sanierung des alten Tunnels der Transitverkehr aufgenommen werden. Somit könne verhindert werden, dass für Uri durch die vom Bund geplante Schliessung (siehe Kasten) volkswirtschaftlicher Schaden entstehe. Nach der Sanierung sollen die beiden Tunnels richtungsgetrennt, aber nur einspurig weiterbetrieben werden, das erhöhe die Sicherheit. Der Urner Regierung ist dieser Vorschlag zu gefährlich: Sie befürchtet, dass damit Begehrlichkeiten in Richtung Vollbetrieb der beiden Röhren geweckt werden. Sie präsentiert deshalb dem Stimmvolk einen Gegenvorschlag. Es soll zwar eine zweite Röhre gebaut werden, aber die alte soll nicht mehr für den Verkehr genutzt werden, wenn diese ausgedient hat. Mit dieser Idee sympathisiert die CVP. Die FDP hingegen plädiert bei der ebenfalls zu beantwortenden Stichfrage für den Vorschlag der Jungen SVP. Uri guckt in die Röhre SP und Grüne bekämpfen beide Vorlagen vehement. Sie sind wie Stadler überzeugt, dass Uri damit in die Röhre guckt und dass am Schluss zwei vollbetriebene Tunnels für eine massive Zunahme des Strassenverkehrs sorgen. Ganz unberechtigt ist diese Befürchtung nicht, hört man dem Aargauer Fuhrhalter und SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner zu: «Die Vorgaben der Alpeninitiative muss man torpedieren.» Er hofft deshalb, dass sich die Urner am Wochenende für die Standesinitiative der Jungen SVP aussprechen: «Wir müssen die Kapazitäten am Gotthard auf der Strasse, aber auch auf der Schiene erhöhen.» Während Giezendanner keinen Hehl daraus macht, dass er für den Vollausbau der beiden Röhren einsteht, plädieren Nationalräte wie der Berner Norbert Hochreutener (CVP) oder die Zürcherin Doris Fiala (FDP) mittels Motionen für den Bau einer zweiten Röhre mit richtungsgetrenntem Betrieb – analog dem Vorschlag der Jungen SVP Uri. Auch die beiden Kantone Tessin und Graubünden sind für eine zweite Röhre. Giezendanner und Co. dürfen durchaus auf ein für sie positives Signal hoffen: Im Bergkanton lief ein höchst emotionaler Abstimmungskampf – Ausgang völlig offen. Gregor Poletti>

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