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SVP Uetendorf: Die Bäuerin folgt auf den Bauern

wahlenChristian Reusser (SVP), der überraschend in den Gemeinderat gewählt worden ist, will seine Wahl nun doch nicht annehmen.

«Ich nehme die Wahl an.» Das sagte Landwirt Christian Reusser am 28. November gegenüber dieser Zeitung, nachdem die Stimmbürger ihn überraschend in den Uetendorfer Gemeinderat gewählt hatten. Doch weniger als zwei Wochen später sieht es anders aus. «Es war ein Fehler, in der ersten Euphorie Ja zu sagen», räumte Reusser gestern gegenüber dieser Zeitung ein. Er habe inzwischen erkannt, dass ein Gemeinderatsmandat und die Arbeit auf seinem Hof zeitlich unvereinbar seien. «Es ist besser, jetzt auf das Amt zu verzichten, als es anzunehmen und nach kurzer Zeit schon wieder zurückzutreten.» Auf der B-Liste der SVP hatte Reusser 524 Stimmen erzielt. Erster Ersatz ist René Ryser mit 429 Stimmen, seines Zeichens Präsident der Uetendorfer SVP-Sektion. Doch auch er hat erkannt, dass ihm die Zeit für ein Engagement in der Exekutive fehlt. Auch hier gab der Beruf den Ausschlag: «Als ich erfuhr, dass ich eine neue Stelle werde antreten können, war es zu spät, um für mich noch einen Ersatz auf der Liste zu finden», sagte Ryser gestern. Schwarz wills durchziehen Womit der Kelch an Bäuerin Hannelore Schwarz geht, die bei der Wahl als zweiter Ersatz 316 Stimmen erhalten hat. Und sie nimmt die Wahl tatsächlich an. «Ich habe eine gute Familie im Rücken – für mich liegt die zeitliche Belastung drin», erklärte sie und fügte an: «Ich bin fest entschlossen, das Amt nicht nur vorübergehend, sondern während der ganzen neuen Legislaturperiode von vier Jahren wahrzunehmen.» Wenn auch Hannelore Schwarz im Verlauf der nächsten vier Jahre plötzlich merken sollte, dass sie nicht mehr Gemeinderätin sein möchte, kommt rein theoretisch der dritte Ersatz zum Zug: der 19-jährige Patrick Zwahlen, der von Beruf Holzbauarbeiter ist. Nach ihm steht nur ein weiterer Name auf der B-Liste, jener von Brigitte Stäheli. Was dieses Hin und Her bei der SVP noch brisanter macht, ist die Tatsache, dass ihr amtierender Gemeinderat Daniel Lehmann die Wiederwahl verpasst hat. Und das ging so: Die Partei trat mit zwei Listen zu den Wahlen an. Auf der A-Liste kandidierten die beiden Gemeinderäte Rolf Mösching (Finanzen) und Daniel Lehmann (Tiefbau). Ganz oben auf der B-Liste stand Albert Rösti, der als erster Uetendorfer in den Nationalrat gewählt worden ist, vor Christian Reusser, René Ryser und Hannelore Schwarz. Weil Rösti aber ein unerwartet starkes Zugpferd war, erhielt die B-Liste viel mehr Stimmen als die A-Liste. Wegen der Regeln des Proporzes führte das dazu, dass Daniel Lehmann mit 656 Stimmen die Wiederwahl verpasste, während Christian Reusser mit 524 Stimmen gewählt wurde. Daniel Lehmann ist erst seit Anfang Jahr Gemeinderat von Uetendorf. Er rutschte für Elisabeth Binggeli nach, die ein Jahr vor Ablauf der aktuellen Legislaturperiode zurücktrat. In der vergangenen zwölf Monate arbeitete sich Lehmann in die Tiefbau-Dossiers ein. Hannelore Schwarz kann sich gut vorstellen, von ihm den Tiefbau zu übernehmen. Da sie an der Gemeindeversammlung vom 29.November in die Sozialhilfekommission wiedergewählt worden ist, braucht es in diesem Gremium nun ein neues Mitglied. Jetzt ist Kontinuität gefragt Der SVP Uetendorf ist klar, dass sie einen Imageschaden erlitten hat – zumal eines ihrer Wahlversprechen «Wir machen, was wir sagen» lautete. «Nun ziehen wir einen Strich unter diese Sache und werden uns künftig durch die Kontinuität unserer politischen Arbeit zu profilieren versuchen», sagte Parteipräsident René Ryser. Er ist sich bewusst, dass sich die SVP Uetendorf einen weiteren Rücktritt aus dem Gemeinderat in den kommenden vier Jahren nicht erlauben kann. Marc Imboden>

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