Zum Hauptinhalt springen

Theater-Crew probt den «Schiffbruch»

Mit der Groteske «Schiffbruch» von Heinz Stalder gelangt im Langenthaler Stadttheater am Samstag die zweite Eigenproduktion des Theaters Überland zur Uraufführung. Noch laufen die letzten Proben. Ein Augenschein.

«Szene 12, Q 28», ruft Regisseur Reto Lang in den leeren Theatersaal. Die Schauspieler machen sich für ihren Auftritt bereit. Am Beleuchtungspult wird die Beleuchtungssequenz Q 28 eingestellt. Drei Engländer schreiten parlierend durch den Mittelgang des Zuschauerraumes. Sie stellen sich vor das – vorerst noch imaginäre – Publikum und realisieren, dass keiner sie versteht. Nun wechseln sie ins Deutsche, «die Sprache Schillers – und Jeremy Gotthelfs». Ein Stück nach Gotthelf Das Theaterstück «Schiffbruch», die zweite Eigenproduktion des Theaters Überland, basiert denn auch auf der Erzählung von Jeremias Gotthelf «Wassernot im Emmental». Ein Engländer strandet während eines verheerenden Unwetters in einem Emmentaler Dorf. In diesem werden nicht nur Häuser, Menschen und Tiere vom Hochwasser weggeschwemmt, sondern auch menschliche Abgründe aufgedeckt. «Wir sind grundsätzlich ein Autorentheater», erklärt Reto Lang, Leiter des Theaters Überland und zugleich Leiter des Stadttheaters Langenthal. Die Überland-Produktionen entstünden stets in enger Zusammenarbeit mit dem Autor. «Wir spielen heute die fünfte Fassung des Stücks von Heinz Stalder und die dritte Regiefassung», so Reto Lang. Der Stoff sei immer stärker stilisiert worden und gleiche nun einem Scherenschnitt. Das Publikum vor Augen Für die Uraufführung vom kommenden Samstag aber muss alles passen. Uraufführungen seien etwas Spezielles – für das Ensemble wie für den Autor, erklärt Lang. «Wir fragen uns deshalb immer wieder, ob das Stück so funktioniert und wie es beim Publikum ankommt.» Ähnlich erst nach und nach entstanden ist denn auch das Bühnenbild von Heinz Egger: «Am Anfang war die Szenerie mit Schwemmholz und Dreck angefüllt», erzählt der Bühnenbildner. Dann aber habe er das Ganze auf eine schräge Ebene und angedeutete Häuserruinen reduziert. Knacknuss Beleuchtung Zusätzliche Atmosphäre schafft ein komplexes Beleuchtungskonzept. Es bildet an diesem Probenabend allerdings die Knacknuss: Bald liegen die Gesichter der Hut tragenden Schauspieler im Schatten, dann wieder ist das Licht zu intensiv, zu warm oder zu kalt. Auch die Gewitterszene mit Blitz und Donner verlangt den Leuten am Beleuchtungs- und Tonpult höchste Konzentration ab: Eine Frau stürzt auf die Bühne, schreit nach ihrem Mann, den sie im Unwetter verloren hat. Der Donner grollt, Blitze zucken auf. Wie eine Schattenfigur hebt sich die Hände ringende Frau nun vom Hintergrund ab. Mit Fischer und Demenga Zum Ensemble gehört – wie schon bei der Uraufführung des ersten Überland-Stücks 2009 – die Berner Schauspielerin Marlise Fischer. Sie spielt die resolute Bäuerin Scherler. Aus Basel kommt Charlotte Heinimann, die sich als Louise Herren in der Gewitternacht verirrt. Die männlichen Rollen sind mit Daniel Ludwig, Frank Demenga, Alexander Muheim und Kaspar Weiss besetzt, die bald in die Rolle der Engländer, dann wieder in jene der Dorfbewohner schlüpfen. «Zehn Minuten Pause», ruft Reto Lang auf die Bühne. Die einen holen sich im Probensaal einen Kaffee, die anderen suchen ein stilles Örtchen auf. Denn eines ist gewiss: Die Probe wird noch lange in die Nacht hinein dauern. Prisca Rotzler Köhli Premiere «Schiffbruch»: Samstag, 16.Oktober, 20 Uhr, Stadttheater Langenthal. Tickets: Tel. 062 9222666. Weitere Vorstellungen in der Umgebung: 11.November, Stadttheater Solothurn; 3.Dezember, Stadttheater Langenthal; 22.Januar, Casino-Theater Burgdorf. •www.theater-ueberland.ch >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch