64 gefährliche Zebrastreifen beanstandet

Oberland

64 Meldungen über unsichere Fussgängerstreifen gingen bei der Verkehrsopferstiftung Roadcross ein. Diese nimmt die Gemeinden und den Kanton in die Verantwortung und stösst auf offene Ohren.

Problematische Situation in Spiez: Dieser Fussgängerstreifen wurde als gefährlich gemeldet. Das Problem ist bei den Behörden bekannt.

Problematische Situation in Spiez: Dieser Fussgängerstreifen wurde als gefährlich gemeldet. Das Problem ist bei den Behörden bekannt.

(Bild: Markus Hubacher)

Samuel Günter@samuel_guenter

Zebrastreifen sollen Fussgängern ein sicheres Überqueren von Strassen ermöglichen. Nicht immer treffe das zu, ist die Strassenopferstiftung Roadcross Schweiz überzeugt. Oft wiegten sich die Fussgänger auf den Zebrastreifen in falscher Sicherheit. Roadcross sagt diesem Umstand den Kampf an und ruft die Öffentlichkeit zur Mithilfe auf. Dabei greift die Stiftung auf die moderne Technik zurück. Mittels der Handy-App Cross Check können Passanten aus ihrer Sicht gefährliche Fussgängerstreifen melden. Und diese Möglichkeit wird rege gebraucht. Schweizweit wurden fast 3800 Meldungen gemacht. «Bei den rund 45000 Fussgängerstreifen in der Schweiz ist das eine hohe Zahl», meint Silvan Granig von Roadcross Schweiz. Im Kanton Bern wurden 595 Zebrastreifen bemängelt und im Berner Oberland 64. Am meisten in den Zentren Thun (24 Meldungen), Spiez (6) und Interlaken (6).

Welche Fussgängerstreifen bemängelt wurden, teilt Roadcross nicht mit. «Wir wollen so Missverständnisse verhindern», erklärt Granig. «Schliesslich prüfen wir die Meldungen nicht auf ihre Qualität. Die Gemeinden sind die Experten.» Die Resultate werden deshalb den betroffenen Gemeinden und dem Kanton weitergeleitet, welche die Situation prüfen und allenfalls Massnahmen einleiten können. «Wir sind mit den Rückmeldungen der Behörden sehr zufrieden», sagt Granig. «Sie nehmen unsere Meldungen sehr ernst.»

Problem in Spiez erkannt

In der Gemeinde Spiez gingen sechs Meldungen ein. «Wir sind schon seit Februar in Kontakt mit Roadcross», bestätigt Polizeiinspektor Renato Heiniger. «Fünf der Meldungen betreffen allerdings Kantonsstrassen.» Man habe unabhängig die rund 45 gemeindeeigenen Fussgängerstreifen überprüft. «10 haben wir aufgehoben, das ist manchmal die bessere Variante.» Bei den anderen habe man verschiedene Massnahmen getroffen, wie etwa mit glitzernden Swarovski-Perlen die Sichtbarkeit verbessert. «Für unsere Massnahmen wurden wir von Roadcross auch gelobt.» In Spiez bleibe vor allem ein Problemfall auf Gemeindegebiet. Ein viel frequentierter Fussgängerstreifen beim Bahnhof, den man nicht aufheben könne. «Wir haben nun Experten zugezogen, um die unbefriedigende Situation zu entschärfen.» Für Heiniger ist aber klar, dass auch die besten Massnahmen, keine 100-prozentige Sicherheit gewähren können.

Interlaken ebenfalls betroffen

Für die Gemeinde Interlaken sind sechs Meldungen über bemängelte Fussgängerstreifen eingegangen, wie Roland Grossmann vom Polizeiinspektorat bestätigt. «Wir überprüfen gemeinsam mit den kantonalen Behörden unsere Fussgängerstreifen, dabei fliessen auch die Meldungen von Roadcross ein.» Um welche Fussgängerstreifen es konkret geht, kann Grossmann allerdings nicht sagen.

Hauptproblem: Eingeschränkte Sicht

Mit der App können die Mängel sehr detailliert gemeldet werden. Unsicher werden Fussgängerstreifen, wenn ein oder mehrere Verkehrsteilnehmer in der Sicht eingeschränkt werden. «Dies kann etwa sein, wenn unmittelbar davor eine Kurve liegt, eine Mauer oder ein Baum ungünstig steht oder die Markierung verblasst ist», erklärt Granig. Die Sicherheit eines Zebrastreifen könne auch mit der Tageszeit zusammenhangen. «Etwa wenn die Beleuchtung ungenügend ist oder in der Nacht eine Ampel abgeschaltet wird.»

«Wenn es um die Sicherheit auf Fussgängerstreifen geht, ist automatisch auch die Anzahl ein Thema», erklärt Granig und spricht von einem Glaubenskrieg, ob mehr oder weniger Zebrastreifen sinnvoll seien. Roadcross rate zu einer differenzierteren Betrachtung. «Uns ist in erster Linie wichtig, dass die bestehenden Fussgängerstreifen sicher sind.» Es sei kontraproduktiv, wenn auf einer kurzen Strecke viele Fussgängerstreifen seien. «Dann verliert der Autofahrer die Konzentration.» Daraus dürfe man aber nicht folgern, dass weniger Zebrastreifen besser seien. So sieht die Roadcross-App auch die Möglichkeit vor, dass Passanten Orte melden können, wo ihrer Meinung nach ein neuer Fussgängerstreifen sinnvoll sei.

Keine garantierte Sicherheit

«Man muss klar sehen: Ein Fussgängerstreifen regelt in erster Linie den Vortritt. Er kann nicht die Sicherheit garantieren», erklärt Granig. «Deshalb ist die gegenseitige Rücksichtnahme so wichtig.» Speziell gefordert sei der Fussgänger als der schwächere Verkehrsteilnehmer. «Immer den Blickkontakt suchen», betont Granig. «Aber auch die Autofahrer sind gefordert.» So sei in der Schweiz die Disziplin beim Anhalten an Fussgängerstreifen im Vergleich zum benachbarten Ausland schlecht.

Auch beim Kanton Bern ist das Thema Sicherheit auf den Fussgängerstreifen aktuell. Momentan überprüft das Tiefbauamt sämtliche Zebrastreifen auf Kantonsstrassen. «Das geschieht unabhängig von unseren Bemühungen», erklärt Granig, der die Initiative des Kantons begrüsst. «Ich hoffe natürlich, dass unsere Erkenntnisse einfliessen.» Noch wollen die kantonalen Behörden keine Resultate kommunizieren, wie eine Anfrage beim Tiefbauamt zeigte. Die kantonalen Massnahmen sollen am 15.Mai vorgestellt werden.

Berner Oberländer

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