Einbrecher kommt mit Geldstrafe davon

Thun

Ein alter Fall konnte am Mittwoch am Regional­gericht in Thun abgeschlossen werden. Nach einem Einbruch im Jahr 2014 wurde gegen einen 30-jährigen Mann eine Geldstrafe ausgesprochen.

Der Einbruch ereignete sich bei Nacht. (Symbolbild)

(Bild: Marc Dahinden)

Der Prozess gegen einen heute 30-jährigen Mann begann eher merkwürdig und liess die Frage offen, ob es so wohl zu einem Urteil kommen können würde. Bereits die Auskunftsperson, ein Jugendlicher, erklärte: «Nein, ich werde nichts sagen», was sein ­gutes Recht ist, denn man muss keine Fragen der Richter be­antworten, wenn man nicht will. Auf noch so hartnäckiges Nachfragen der Gerichtspräsidentin folgte immer die gleiche Antwort: «Ich beantworte keine Fragen.» Anschliessend stand die Be­fragung des Angeschuldigten bevor. Aber auch dieser erklärte: «Ich sage nichts dazu.» Dabei blieb es, ausser die Fragen be­trafen seine persönliche oder berufliche Situation.

Mehrere Täter

Es ging bei dieser Gerichtsverhandlung um einen Einbruch in ein Wohnhaus mit Laden und Lager in Thun, der 2014 begangen worden war. Mitten in der Nacht drangen mehrere Täter ins Gebäude ein, schalteten die Überwachungskamera aus und trugen einen Tresor fort. Die Diebe erbeuteten Bargeld im Wert von 17 000 Franken, dazu Schmuck, Uhren und Münzen im Wert von rund 43 000 Franken. In der Anklageschrift werden vier Täter genannt. Mit dabei waren aber auch zwei Jugendliche. Zwei der Männer und einer der Jugendlichen wurden bereits verurteilt.

War er auch dabei?

Im Plädoyer des Verteidigers entstand der Eindruck, es sei nicht zu beweisen, dass sein Klient am Einbruch beteiligt war. Die Aussagen der Mittäter seien widersprüchlich oder unglaubwürdig, sagte der Verteidiger. Er forderte deshalb einen Freispruch «in dubio pro reo», im Zweifel für den Angeklagten. An die Adresse der Richterin sagte er: «Nur weil er keine Aussagen macht, darf man nicht darauf schliessen, dass er schuldig ist.»

Ausführliche Begründung

Die Gerichtspräsidentin be­gründete das Urteil sehr gründlich. Zunächst ging sie auf die beim Beschuldigten gefundene kleine Menge Marihuana ein. Dieser Anklagepunkt fällt wegen Verjährung weg. In der Wohnung des Beschuldigten wurde eine Schrotflinte gefunden. Die Waffe ist nicht funktionstüchtig. Darum glaubte er, diese falle nicht unter das Waffengesetz. Hier erfolgte ein Freispruch. Dann begründete die Richterin, warum sie davon ausgeht, dass er nicht nur beim Einbruchdiebstahl dabei war, sondern auch der An­stifter dazu war. Dazu zitierte sie viele Beispiele aus den Aussageprotokollen der bereits verur­teilten Mittäter. Alle Personen hatten sich gekannt. Zwei von ihnen, der Bruder und der Jugendliche, wollten den Angeklagten nicht belasten. Der Mann wurde schliesslich zu einer bedingten Geldstrafe von 160 Tagessätzen à 30 Franken verurteilt. Die Verbindungsbusse beträgt 40 mal 30 Franken. Eine bedingte Strafe von 2012 wird nicht widerrufen, die Probezeit wäre nächste Woche abgelaufen. Der verurteilte hat die Kosten des Verfahrens zu tragen.

Berner Zeitung

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