Magische und musikalische Leckerbissen

Thun

Nahezu 400 Personen besuchten die vierte Kulturnacht am rechten Thunersee. Jung und Alt genoss das magisch-musikalische Spezialprogramm.

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Kultur am laufenden Band: Für die Besucherinnen und Besucher der vierten Kulturnacht am See wurde das vielfältige Spezialprogramm, das die Schlösser Hünegg und Oberhofen sowie das Museum für Uhren und mechanische Musikinstrumente ihnen am Samstagabend boten, zur Qual der Wahl. Auch für die Besucherin Andrea Agten: «Es war mir nicht möglich, alle Programmpunkte zu besuchen», sagte sie mit Bedauern. Doch was sie sah, gefiel ihr ausnehmend. Ihre Begleiterin fand das Transportangebot enorm attraktiv, wie zahlreiche andere Kulturflaneure auch. Sie pendelten an Bord der MS Oberhofen und im offenen Oldtimerbus der STI zwischen den Austragungsorten hin und her.

Seit mehr als 120 Jahren im Park

Zum Auftakt des kulturellen «Sommernachtstraums» folgten die beiden Frauen am späten Nachmittag Luisa Marretta-Schär auf einen poetischen Spaziergang durch die neu eröffnete Baumgalerie im Schlosspark Oberhofen. «Mit dem Projekt möchten wir die Parkbesucher auf 17 ausgewählte Bäume aufmerksam machen, die schon über 120 Jahre im Park stehen», erklärte die Psychosoziologin und Buchautorin. «Gleichzeitig wollen wir sie mit der Symbolik und Heilkraft dieser lebenden Zeitzeugen vertraut machen.» So verriet Luisa Marretta-Schär beispielsweise, dass die Eibe in allen Kulturen als heiliger Baum verehrt werde, der Ahornbaum als Dämonen- und Geistervertreiber gelte und der Gingkobaum der älteste Baum der Welt sei.

Auch im Schloss selbst war einiges los. So sorgte nicht nur Zauberkünstler Peter Mürner alias Siderato mit seinen Kunststücken für grosse Kinderaugen, auch die jungen Ensembles der Musikschule Thun hinterliessen mit ihren Darbietungen einen nachhaltigen Eindruck. Ebenfalls auf Interesse stiess Urs Schaub mit seiner Geschichte «Maruf der Schuhflicker» aus «Tausendundeiner Nacht». Der Regisseur las und erzählte hoch oben im orientalischen Rauchsalon des Schlosses, während der Tessiner Tiziano Ronchetti die Handlungen auf seiner ägyptischen Tabla und der Hang-Trommel rhythmisch begleitete. Gar an einem Wettbewerb teilnehmen konnte, wer den Geschichten von Alfred Brügger lauschte.

Rettung der historischen

Grotte steht bevor Musikliebhaber kamen auch im Schloss Hünegg auf ihre Rechnung. Mit Ohrwürmern wie «Wenn der weisse Flieder wieder blüht» oder «Sag beim Abschied leise Servus» wusste das Salonensemble Lundi Soir zu bezaubern. Rege besucht wurde zwischendurch sowohl die Sonderausstellung «Delightful Horror», die sich dem frühen Fremdenverkehr im Berner Oberland widmete, als auch der Rundturm des Schlosses, den die Verantwortlichen für diesen Anlass exklusiv öffneten.

Bevor die Turmbesucher jedoch mit einem faszinierenden Rundblick über den See belohnt wurden, mussten sie rund 130 Treppenstufen überwinden. Im Dachstock angekommen, erklärte Arnold Flückiger ihnen die ausgeklügelte Mechanik der Turmuhr, die in den 1850er-Jahren in Paris gebaut wurde. Herbert Guntelach führte die Besucher derweil durch den Schlosspark und zur Grotte, die aus der Bauzeit des Schlosses stammt und unlängst freigelegt wurde. «Der Hang oberhalb der Grotte muss saniert werden, damit er nicht austrocknet und instabil wird», so der Schlossparkverantwortliche. Geplant sei eine Sanierung in mehreren Etappen, damit der Erhalt der historischen Grotte gesichert werde.

Dubach spielte den Stähli-Klassiker

Gut besucht war ebenso die Ausstellung zu 300 Jahre Uhrmacherkunst im Museum für Uhren und mechanische Musikinstrumente in Oberhofen sowie die Sonderausstellung, die den Interessierten aufzeigte, wie in den 30er-Jahren die erste Omega-Unterwasseruhr entstand. Höhepunkt des langen Kulturabends, der auch mit seinem gastronomischen Angebot überzeugte, war schliesslich der Auftritt des Starviolinisten Alexandre Dubach. Der Thuner begeisterte gleich zu Beginn mit einer Eigeninterpretation des bekannten Adolf-Stähli-Liedes «E gschänkte Tag». Es folgten klassische Melodien, die er zum Repetitionsklavier (Feurich-Welte-Mignon) spielte, während vier Schülerinnen der Ballettschule Thun vor imposanter Abendkulisse ihre selbst einstudierte Tanzchoreografie vortrugen.

Völlig unerwartet gabs zum Schluss eine Zugabe der bekannten Berner Jodlerin Barbara Klossner, die zu Alexandre Dubachs Violinbegleitung das Stück «Am Thunersee» interpretierte.

Thuner Tagblatt

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