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Trainingsplätze in Thun: Es gibt nur Verlierer

ThunKunstrasenfelder sind in der Region Mangelware. Auch in der Stadt Thun. Während in den Wintermonaten bis zu fünf Fussballteams gleichzeitig auf einem Platz trainieren, herrscht in der Stockhorn-Arena gähnende Leere.

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Ende März wird im Thuner Breitenfussball wieder alles in bester Ordnung sein. Auf diesen Termin hin gibt die Stadt voraussichtlich die Naturrasenfelder frei. Doch bis dahin sind die Platzverhältnisse äusserst beschränkt: Während der Wintermonate teilen sich sämtliche Thuner Fussballvereine die zwei Kunstrasenfelder im Lachen und im Lerchenfeld.

«Die Situation ist eigentlich untragbar», sagt Roger Schüpbach. Der Vizepräsident des FC Dürrenast stört sich vor allem daran, dass der «beste Thuner Kunstrasenplatz» in der Stockhorn-Arena am Abend oft ungenutzt bleibt, während im Lachen manchmal bis zu fünf Mannschaften gleichzeitig trainieren.

Auch im Lerchenfeld, beim dritten Kunstrasenplatz auf Thuner Gemeindegebiet, geben sich die Mannschaften im Januar und Februar die Klinke in die Hand. Erschwerend hinzu kommt, dass der Platz im Winter nur bis 20 Uhr genutzt werden kann. Anwohner hatten bei Einspracheverhandlungen durchgesetzt, dass das Flutlicht nicht länger eingeschaltet bleiben darf.

«Wir sind handicapiert»

Die erwähnten Umstände haben zur Folge, dass etliche Mannschaften, allen voran viele Junioren, während rund fünf Monaten nicht draussen trainieren können. Davon betroffen ist unter anderen auch der FC Allmendingen, für den das Ganze «ein Riesenproblem» darstellt, wie es Sportchef Stefan Brönnimann ausdrückt: «Wir haben zwei schöne neue Rasenspielfelder, die uns leider gar nicht viel bringen», sagt Brönnimann, der auch für den Spiel- und Trainingsbetrieb verantwortlich ist. Zum einen liege das daran, dass die Rasenfelder bei schlechtem Wetter und im Winter grundsätzlich nicht genutzt werden könnten, zum anderen an der Tatsache, dass auf dem Zelgli kein Flutlicht vorhanden sei. «Wir sind dadurch massiv handicapiert», sagt Stefan Brönnimann. «Im letzten Winter konnte nur unsere 1.Mannschaft auf einem Kunstrasenfeld trainieren, in diesem Jahr haben wir dank dem Entgegenkommen des FC Dürrenast noch eine weitere Trainingsmöglichkeit im Lachen erhalten: Zwei 5.-Liga-Mannschaften und die A-Junioren teilen sich während zweier Stunden pro Woche den Platz.» Den anderen elf Juniorenteams bliebe aber im Winter nur die Halle, wo ein eigentliches Fussballtraining kaum möglich sei. «Das führt nicht selten zu einem Frust bei Trainern und Spielern», bringt es Brönnimann auf den Punkt. Nicht einfacher sei die Situation dadurch, dass der Kunstrasen im Lerchenfeld seit Anfang März nur noch dem FC Lerchenfeld zur Verfügung stehe, aber die Naturrasenflächen noch gesperrt seien: «Wenn wir erst ein bis zwei Wochen vor Saisonstart auf den Rasen können, ist eine seriöse Vorbereitung nicht mehr möglich», fasst Stefan Brönnimann die Situation zusammen.

«Das ist unbefriedigend»

Ähnlich ergeht es dem FC Rot-Schwarz. Dieser verfügt zwar im Gegensatz zum FC Allmendingen über Flutlicht, allerdings beleuchtet dieses einen Sandplatz, der im Winter oft nicht nutzbar ist. Jeweils zwei Frauen- und Herrenmannschaften können auf die bestehenden Kunstrasenfelder ausweichen, sämtliche anderen Teams, darunter alle Juniorenmannschaften, trainieren in der Halle. Für den Spielbetriebverantwortlichen Walter Loosli ist die Situation denn auch alles andere als befriedigend, wie er selber sagt: «Wir warten schon lange darauf, dass es in Thun mehr Kunstrasenfelder gibt», so Loosli. «Ursprünglich waren ja zwei ausserhalb der Arena geplant. Doch diese will und kann offenbar niemand mehr bezahlen.»

«Mietkosten sind zu hoch»

Das Geld ist auch der Grund, weshalb keiner der Vereine in der Stockhorn-Arena trainiert oder einen Match austrägt. Die Mietpreise sind derart hoch angesetzt, dass selbst der FC Thun mit seinen U-12- bis U-16-Mannschaften auf das Kunstrasenfeld im Lachen ausweicht. «Wir haben uns bereits vor zwei Jahren mit den Arenaverantwortlichen zusammengesetzt, aber keine Lösung gefunden», erzählt Roger Schüpbach. «Die Stadionmiete für einen einzigen Match kostet rund 3000 Franken», sagt er. «Das kann sich kein Verein in Thun leisten.» Er ist aber überzeugt, dass es Mittel und Wege für eine allseits verträgliche Lösung gäbe.

Sein Aufruf stösst denn auch bei den anderen Vereinsverantwortlichen auf offene Ohren: «Die Stadionmiete ist vor allem auch wegen der Energiekosten und der Sicherheitsvorschriften so hoch», sagt Walter Loosli vom FC Rot-Schwarz. «Aber man könnte sicher auch trainieren, wenn die Flutlichter weniger stark leuchten oder zum Teil abgestellt würden.» Ebenfalls beim FC Allmendingen wäre man bereit, Kompromisse einzugehen, um Kosten zu sparen: «Wir würden uns der Situation anpassen und kämen sicher auch ohne Garderoben zurecht», sagt Stefan Brönnimann. Allgemein wird sehr bedauert, dass die gute Infrastruktur in der Stockhorn-Arena nur ungenügend genutzt wird: «Erst kürzlich hatte ich eine Sitzung in der Stockhorn-Arena», sagt beispielsweise Charles Giger, der als Geschäftsführer des FC Lerchenfeld amtet: «Der Blick auf die leere Rasenfläche tat richtig weh. Beim Stadionbau ist wohl vergessen gegangen, dass es auch noch Breitenfussball gibt.»

Michael Kropf, Geschäftsführer der kritisierten Arena Thun AG, kennt die Ideen ebenso wie die Vorwürfe. «Der FC Thun als Hauptmieter nutzt das Stadion mit der 1.Mannschaft und den U-21- und U-18-Teams für 600 bis 700 Einheiten im Jahr», sagt er. «In diesem Winter war das Spielfeld unter der Woche jeden Abend von 17 bis 20.30 Uhr belegt.» Allein im Januar hätten der FC Thun sowie Gastteams zudem zusätzlich vierzehn Testspiele durchgeführt. Hinzu kämen Geschäftsanlässe.

«Eine komplexe Hütte»

«Wir haben Aufwand und Ertrag von zusätzlichen Vermietungen für Trainings sorgfältig und sehr sparsam durchgerechnet», versichert Kropf. «Aber unter 500 Franken pro Einheit können wir einfach nichts machen.» Den Hauptgrund sieht Michael Kropf bei den strengen Auflagen und komplizierten Systemen für die Nutzung und den Betrieb des Stadions, die er offen als «Fehlentwicklung in unserer Sport- und Eventbranche» bezeichnet. Denn jede Nutzung durch Drittparteien müsse personell von der Arena begleitet werden.

«Ein Stadion ist, etwas salopp gesagt, eine extrem komplexe Hütte. Da können Sie nicht einfach jemandem den Schlüssel in die Hand drücken und ihm sagen, er soll dann auch gleich noch das Licht löschen.» Sowohl die Beleuchtung als auch die ganze Schliessanlage seien zentral und serverbasiert gesteuert. Zudem teilten sich Stadion und Einkaufszentrum gewisse Alarmsysteme sowie Park- und Entfluchtungsbereiche. «Wenn jemand aus Versehen eine falsche Tür öffnet und nicht weiss, wo der Alarm abzuschalten ist, stehen in kürzester Zeit Polizei und Feuerwehr auf der Matte», so Kropf.

Die Stockhorn-Arena sei nie unter dem Aspekt eines breit nutzbaren Stadions geplant und gebaut worden. Deshalb komme aus logistischen Gründen höchstens ein weiterer Dauermieter als zusätzlicher Stadionnutzer infrage. «Vereinzelte Nutzungen durch verschiedene Sportvereine für Trainings sind für uns einfach nicht kostengünstig zu bewältigen.»

Neue Plätze sind nötig

Als Lösung sieht der Stadion-CEO nur einen Ausweg: «Mit dem Bau der zwei zusätzlichen Felder zwischen der Stockhorn-Arena und der Allmendingen-Allee könnte sich die Situation für alle Beteiligten schlagartig verbessern.» Doch das Vorhaben ist seit Jahren in der Schwebe.

Auch Jürg Frey, Nachwuchschef des FC Thun, wünscht sich, dass die beiden Felder bald realisiert werden. «Es ist für uns ebenso wenig ideal wie für die anderen Klubs, dass wir mittlerweile im Lachenstadion ein eigentliches Nachwuchszentrum eingerichtet haben», sagt er. Alle Teams des FC Thun, die jünger sind als U-18, trainieren im Lachen. «Wenn wir diese Trainings nach Thun-Süd zügeln könnten, würde im Lachen viel Platz für andere Vereine frei», sagt Frey. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 10.03.2015, 07:40 Uhr

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Wer wann welchen Platz nutzt

Die Besitzverhältnisse bei den bestehenden zwei Kunstrasenfeldern in Thun sind unterschiedlich und zum Teil komplex: Der Platz im Lachen steht auf städtischem Boden, gehört der Stadt und wird hauptsächlich von den vier Vertragsvereinen FC Dürrenast, FC Thun AG, FC Thun Verein und FC Fortuna als Jahresmieter genutzt. Für die jährliche Miete zahlt beispielsweise der FC Dürrenast eine Pauschale von mehreren Zehntausend Franken. Neben den erwähnten Vereinen haben der FC Allmendingen und der FC Rot-Schwarz von Januar bis März je ein zweistündiges Gastrecht, wobei sich auch hier mehrere Mannschaften den Platz teilen müssen. Auf dem Rasen trainieren derzeit wöchentlich 34 Mannschaften.

Der Kunstrasen im Lerchenfeld steht hingegen auf Land des VBS, welches mit der Genossenschaft Sportanlagen Waldeck einen Baurechtsvertrag abgeschlossen hat. Diese wiederum tritt gegenüber dem FC Lerchenfeld als Vermieterin auf. Eigentümerin des Kunstrasens ist schliesslich die Stadt, welche den Platz auf eigene Kosten erstellt hat. Sie hat in dieser Rolle erwirkt, dass der Kunstrasen an drei Abenden im Januar und Februar zusätzlich vom FC Rot-Schwarz und dem FC Allmendingen genutzt werden darf. Hinzu kommen drei Stützpunktmannschaften sowie zwei Teams des Amercian-Football-Vereins AFC Thun Tigers. Insgesamt sind es 16 Teams, die hier trainieren.

Jeweils ab dem 1.März steht der Rasen nur noch dem FC Lerchenfeld zur Verfügung. Am Wochenende allerdings wird er bis zum Start der Meisterschaft im April auch von anderen Vereinen genutzt: So werden jeweils am Samstag fünf und am Sonntag vier Vorbereitungsspiele ausgetragen. Dabei kommen auch Mannschaften von ausserhalb der Region zum Zug.

Lachen und Lerchenfeld

Die bestehenden Kunstrasenfelder in Thun sind bereits in die Jahre gekommen. Die damalige Generation Kunstrasen – derjenige im Lachen stammt aus dem Jahr 2007, jener im Lerchenfeld aus dem Jahr 2008 – hat eine Lebensdauer von acht bis neun Jahren. Weil beide Plätze intensiv genutzt werden, weisen sie auch deutliche Abnützungserscheinungen auf.

Gerade der jüngere Kunstrasenplatz im Lerchenfeld hat in den vergangenen Jahren besonders unter der grossen Beanspruchung gelitten: «Die Linien lösen sich», beschreibt Charles Giger, Geschäftsführer des FC Lerchenfeld, den Zustand des Platzes, «zudem hat sich das Ballrollverhalten verändert». So führten das zusammengedrückte Granulat und die liegenden Grashalme dazu, dass der Platz immer schneller werde und bei allfälligen Nachmessungen nicht mehr den Anforderungen des Fussballverbands für das bisher geltende Zertifikat Fifa-1-Star entsprechen könnte.

Aus diesem Grund sind seitens des FC Lerchenfeld, des FC Thun und des FC Dürrenast Anträge für einen Ersatz der beiden Plätze bei der Stadt eingereicht worden, wie Frank Heinzmann, Chef des Amtes für Bildung und Sport, auf Anfrage bestätigt: «Das Tiefbauamt wird demnächst den Zustand der Spielfelder analysieren und allfällige Massnahmen erarbeiten», so Frank Heinzmann. «Schliesslich muss die Politik das Projekt gutheissen und in den Finanzplan aufnehmen.» Grundsätzlich rechnet Heinzmann mit Kosten von mehreren Hunderttausend Franken, weil wohl nur der Rasen selber ersetzt werden müsse. Dies im Gegensatz zu den ursprünglichen Erstellungskosten, welche wegen des Unterbaus nochmals deutlich höher zu stehen kamen.

Andere Projekte

Im Zusammenhang mit dem Bau der heutigen Stockhorn-Arena war immer auch die Rede von zusätzlichen Spielfeldern, welche ausserhalb des Stadions gebaut werden. Doch diese Spielfelder waren nie Teil des privaten Projekts der HRS/Arco Real Estate AG, welche das Stadion nach dem Ja des Stimmvolks zur Umzonung im Dezember 2007 baute.

Seither zerschlugen sich die Pläne für den Bau zusätzlicher Spielfelder mangels finanzieller Mittel der Genossenschaft Arena Thun. Die Rede ist immerhin von 10 bis 12 Millionen Franken, welche die beiden Plätze samt Infrastruktur wie Garderobenausbau oder Flutlicht und Entwässerung kosten würden.

Ende 2012 unternahm die Genossenschaft deshalb einen weiteren Anlauf und stellte bei der Stadt ein Gesuch für einen finanziellen Beitrag.

Dieses Gesuch hat die Stadt mittlerweile beantwortet. «Das ist so», bestätigt Thomas Gruber, Präsident der Stadion-Genossenschaft. «Doch der angebotene Beitrag war derart tief, dass wir die Plätze unmöglich realisieren können.» Schliesslich handle es sich bei diesen Feldern um Anlagen für den Breitensport, und da stehe eindeutig die Stadt in der Pflicht. Aber offenbar fehle ihr nicht nur das Geld, sondern auch der politische Wille für eine Lösung.
Frank Heinzmann, Chef des Amtes für Bildung und Sport, sieht es etwas anders: «Der Ball ist bei der Genossenschaft», meint er. Und er ergänzt: «Im städtischen Finanzplan ist der Sport nur ein Punkt unter vielen. Und innerhalb dieses Bereichs gibt es noch andere Investitionen, die anstehen.» So hätten die Sanierung des Strandbads und der Kunsteisbahn derzeit hohe Priorität.

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