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Abschied vom Waffenlauf

Der 50. Thuner Waffenlauf am Samstag war gleichzeitig der letzte. Die Sportart stösst bei den Sportlern auf immer weniger Begeisterung.

Nun ist es endgültig vorbei. Ende, Schluss, aus. Die Tradition des Thuner Waffenlaufs geht mit der 50. und letzten Ausgabe in die hiesige Geschichte ein. Ein allerletztes Mal begeben sich die Läuferinnen und Läufer am Samstagmorgen am Start bei der Dufourkaserne auf dem Thuner Waffenplatz in Reih und Glied. Sie wissen: Bald ist es vorbei.

Die überall in der Luft liegende süsse Nostalgie greift um sich: Nach dem militärisch überpünktlichen Startschuss um 11 Uhr erklärt ein Ansager übers Mikrofon: «Iz ischs passiert, iz si si wäg.» Wenn in dieser Stimme nicht ein Hauch von Traurigkeit um ein Stück Thuner Eigenart mitschwingt?

Die 252 Männer und Frauen nehmen die 21,1 Kilometer lange Strecke im Thuner Westamt in Angriff. Sechs von ihnen werden – aus welchen Gründen immer – das Ziel nicht erreichen. Oder zumindest nicht für die Schlusswertung qualifiziert. Wer das sein wird, weiss beim Start noch niemand. Die Devise «Selber mitmachen anstatt ‹nur› delegieren» hat sich der Pressechef des Thuner Waffenlaufs, Gian Sandro Genna, auf die Fahne geschrieben. Er hat, wie alle anderen, das obligatorische «Päckli» am Rücken. Seins wiegt 6,5 Kilo. Obligatorisch wären 6,2. Der Mann zeigt Sportgeist.

Auf der Kreuzung in der Steghalten Richtung Allmendingen zeichnet sich eine Vorentscheidung ab: Drei Läufer setzen sich an der Spitze vom Rest der grünen Sportler mit Gewehr und Rucksack ab. Im vorderen Mittelfeld auch die erste Frau, die sich mehr als tapfer schlägt. «Hopp Fridu», ruft der Freund eines Läufers am Strassenrand. «Fridu» dazu verschmitzt, doch leicht gequält: «Kabutt!!!» Nicht nur ihn mahnen erste Anzeichen der Anstrengung an die bevorstehende Steigung. Eine Frau bringt ihrem Mann eine Flasche Isostar. Neben dem Schauplatz winken Mannen in Orange Automobile vorbei.

Allmendingen, Restaurant Kreuz: Es geht auf den Mittag zu, man glaubt die ersten Mägen knurren zu hören. Die Militärkapelle stellt sich auf dem Parkplatz auf und spielt Klassiker. «Haben wir das nicht schon einmal gesehen?», fragt ein Zuschauer. Da «secklet» eine Dreiergruppe zügigen Schrittes via Allmend Richtung Ziel. Doch, haben wir schon gesehen: Auf der Steghalten nämlich. Es sind noch dieselben drei: Konrad von Allmen aus Olten, Daniel Keller aus Bronschofen und der Sumiswalder Paul Gfeller liefern sich an der Spitze ein Kopf- an-Kopf-Rennen.

Der Medientross, untergebracht im Frachtraum zweier Puchs, holt die Leadergruppe gerade noch in letzter Sekunde vor der Zielgeraden Richtung Dufourkaserne ein, um den allerletzten Einlauf ins Ziel des 50. Thuner Waffenlaufes festzuhalten. Konfusion bei der Verkündigung der ersten Ränge: Der Sieger Paul Gfeller erhält wegen einem «Gestürm mit den Läufernummern» kurzerhand einen neuen Namen angedichtet. Halb so tragisch für ihn: «Es war ein schöner Waffenlauf. Ich werde ihn gut in Erinnerung behalten», sagt er kurz nach dem Zieleinlauf.

Wie zahlreiche Militärfans, Hobbysportler und Läufer schmerzt auch ihn das Aus für den «Thuner». Als endgültiges Schlusslicht fährt ein Puch mit einem aufgesteckten Besen über die Ziellinie. Er ist das tragikomische Moment und Symbolgestalt des Tages: Den Frontflügel des Geländefahrzeugs ziert ein schlichtes Plakat. Darauf steht: «Schluss».

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