Auf dem Ballenberg wird Ueli sogar schwingen

Hofstetten

Zwei Sommer lang wird das Landschaftstheater Ballenberg Gotthelf spielen: 2015 «Ueli der Knecht», 2016 «Ueli der Pächter». Im Spielhotel Sternen wurden die Theater-Spielwilligen informiert.

Renate Adam (v.l.) und Regina Wurster werden  im Ballenberg-Stück «Ueli der Knecht» nach dem Vieraugenprinzip Regie führen.

Renate Adam (v.l.) und Regina Wurster werden im Ballenberg-Stück «Ueli der Knecht» nach dem Vieraugenprinzip Regie führen.

(Bild: Anne-Marie Günter)

«He nu so de, wed son e Fromme bist, wie de e Brave bist, so wirds scho guet cho, ich ha kei Kummer.» So begrüsst die Bäuerin in Jeremias Gotthelfs Roman den künftigen Meisterknecht Uli auf dem stattlichen Bauernhof Glungge. Das Haus von Madiswil im Freilichtmuseum wird in den kommenden zwei Sommern die Glungge sein. Aus den Bildungsromanen des wortgewaltigen Pfarrers von Lützelflüh macht der Schriftsteller Tim Krohn die Theaterstücke «Ueli der Knecht» und «Ueli der Pächter.»

Der Sternen-Saal in Brienz füllte sich am 14.November mit Menschen. Viele umarmten sich. Man ist eine Theaterfamilie. Regisseurin Renate Adam spricht beim Landschaftstheater Ballenberg lieber von Amateuren als von Laien. Sie wird zusammen mit Regina Wurster Regie für die beiden «Ueli»-Produktionen führen. «Nach dem Vieraugenprinzip. Wir haben Gemeinsamkeiten; wir beide lieben temporeiche Inszenierungen mit Zeitsprüngen», sagte sie.

Mit Laienschauspielern

Das Landschaftstheater Ballenberg spielt seit 1991 Stücke, die zum bäuerlich geprägten Hintergrund im Museum passen. «Was wäre dafür geeigneter als Gotthelfs «Ueli der Knecht?», findet Renate Adam. Sie hat in der 2013er-Produktion «Vehsturz» Regie geführt und ist überzeugt, aus dem «Uli»-Stoff etwas Eigenständiges erarbeiten zu können. Eine gewisse Gefahr, in die Nähe der Evergreen-Filme mit Liselotte Pulver zu geraten, sieht sie schon. «Ihr dürft sehr gern das Buch lesen, solltet aber die Filme nicht anschauen», riet sie den künftigen Mitspielenden.

Das Konzept des Landschaftstheaters sieht ursprünglich eine Zusammenarbeit mit Berufsschauspielern und Laien vor. Für «Ueli der Knecht» wird bewusst auf Profis verzichtet. Nicht nur, weil das vor mehreren Jahren angedachte Ueli-Vreneli-Schauspielerpaar zu teuer war, sondern weil der Wunsch aus der Theaterfamilie kam, allein zu zeigen, was man schaffen kann. «Regina und ich arbeiten sehr gern mit Amateuren», sagt Renate Adam.

Das Casting läuft noch

Es besteht laut dem künstlerischen Leiter Paul Eggenschwiler die Hoffnung, dass Gotthelf es richten wird, wenn Profis als Publikumsmagneten ausfallen. Ein Profi ist sicher dabei: Ben Jeger komponiert die Musik. Er mag viele Stilrichtungen.

Hauptsache: «Es ist gute Musik». Für «Ueli der Knecht» wirds eher volkstümlich sein. Jeger hat die Musik für Markus Imbodens «Der Verdingbub» geschrieben. Im Theaterstück haben Musik, Rauch und Kostümfarben wichtige Rollen: Was Ueli im ersten Teil des Romans beim Bodenbauer erlebt, wird nicht erzählt, sondern in erlebbaren Rückblenden gezeigt.

Ganz klar: Der Hauptdarsteller wird wichtig sein. Gotthelf erzählt, wie er krampft, gut meinende Meistersleute hat, auf falsche Freunde hereinfällt, zankt, den Mut verliert, rumjammert, zu viel festet und den Frauen gefällt. Auf dem neuen Theaterplakat – das in Sachen Farbe und Schrift schon ein bisschen an die 60er-Jahr-Filme erinnert – hat Ueli noch kein Gesicht. Zum Anforderungsprofil der Rolle gehören neben hoher Präsenz auch das Fahren mit Kutschen und das Schwingen. Die Theaterleitung hat für das Ueli-Vreneli-Paar zwei junge Leute im Auge, die sogar ihr Arbeitspensum reduzieren würden. Sie wollte sie am 14.November aber noch nicht offiziell vorstellen. Das Casting ist nämlich noch offen.

Berner Oberländer

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