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Baubranche trotzt der Krise

Kein Bauboom, aber eine gute Auftragslage: Die Baubranche in der Region Thun/Oberland spürt wenig von der Wirtschaftskrise. Man sei bisher mit einem blauen Auge davongekommen. Doch die Perspektiven sind unsicher.

Vorsicht Baustelle: Die Baubranche wurde bis jetzt von der Wirtschaftskrise weitgehend verschont. Das Bild wurde im Thuner Selve-Areal aufgenommen, wo das Verwaltungsgebäude entsteht.
Vorsicht Baustelle: Die Baubranche wurde bis jetzt von der Wirtschaftskrise weitgehend verschont. Das Bild wurde im Thuner Selve-Areal aufgenommen, wo das Verwaltungsgebäude entsteht.
Patric Spahni

Das Wort «Krise» ist ein Dauerbrenner im Jahr 2009. Doch nicht alle trifft die schwierige Wirtschaftssituation gleichermassen. Im Bausektor ist das Wundenlecken in der Region Thun/Oberland deutlich weniger ausgeprägt als in anderen Branchen. «Ich denke, wir sind bis heute mit einem blauen Auge davongekommen», sagt etwa Erich Lauener, Geschäftsführer der Genossenschaft für leistungsorientiertes Bauen GLB Thun-Oberland. Zwar komme die GLB bei den Aufträgen nicht auf das Niveau des – sehr guten – Vorjahres. «Aber die Auftragslage ist bis im Herbst gut.» Für Lauener ist klar, dass die Energie-Effizienz-Programme der Behörden einen positiven Effekt auf die Branche haben. Eine Stunde vor dem Telefongespräch mit dieser Zeitung hat Erich Lauener ein Inserat mit dem Titel «Wir suchen vier Mitarbeiter» aufgegeben. Allerdings könne die Stellensituation schon im Herbst wieder anders aussehen. Viele Aufträge würden zurzeit sehr kurzfristig vergeben. Bei der GLB machen Projekte im Landwirtschaftsbereich rund 30 bis 40 Prozent aus. «Dort spürt man die Unsicherheit aufgrund des tiefen Milchpreises – das bremst die Investitionen», sagt Erich Lauener, der sich mit Zukunftsprognosen für die Baubranche zurückhält: «Niemand kann sagen, ob es uns noch trifft.»

Preise tiefer als 2008

«Wir spüren die Krise nicht in der Auslastung, sondern eher im Marktpreis», sagt derweil Luc Frutiger, Co-Vorsitzender der Geschäftsleitung der Frutiger AG in Thun. Weil die Krise in aller Munde sei, mache sich in der Branche eine grössere Nervosität breit als üblich – und als Folge seien die Preise im Konkurrenzkampf tiefer als 2008. Die Auslastung sei aber auf dem Niveau des Vorjahres: «Wir sind gut unterwegs», sagt Frutiger. Entlassungen aufgrund der Krise habe es keine gegeben – allerdings würden zurzeit auch keine neuen Leute eingestellt. Für Luc Frutiger ist klar: «Konjunktureinbrüche hatten immer Auswirkungen auf die Baubranche. Das wird auch diesmal so sein, die Frage ist nur: Wann?» Brechen die Steuereinnahmen ein, würde auch die öffentliche Hand sparen. «Wir erwarten dies ab 2010.» Entsprechend sei er für die Zukunft zwar nicht pessimistisch, aber vorsichtig. «Das ist auch abhängig von den Projekten. In Thun steht einiges vor der Auslösung: Die Selve, das Stadion. Das ist wichtig für die ganze Branche.»

Zurückhaltende Chefs

«Vom besten Jahr in der Firmengeschichte», spricht Marco Penta, der Inhaber der Isoteam Dämmtechnik GmbH mit Sitz in Thun und Matten. Das Unternehmen führt Arbeiten im Bereich technische Isolierungen, Lüftung und Brandschutz aus. Er habe Anfang Jahr nicht genau gewusst, wie sich die Auftragslage entwickeln würde, sagt Penta. «Vieles lag in der Schwebe.» Seine anfängliche Skepsis hat sich aber rasch in Euphorie gewandelt. «Von Krise keine Spur: Unsere Auftragsbücher sind voll.» Trotzdem hat Penta auch kritische Entwicklungen beobachtet. «Das Preisniveau in der Baubranche ist sehr tief. Die Bauherren versuchen den Preis zu drücken und bringen die Firmen dadurch arg in Zugzwang.» Trotz der guten Situation will Penta auch festgestellt haben, dass viele Firmen vorläufig davon absehen, ihren Personalbestand zu erweitern. «Die Angst, dass es doch noch abwärts geht, ist nach wie vor da.»

Dass die Rezession die Baubranche noch treffen wird, davon geht auch Peter Soltermann, Inhaber und Geschäftsführer des Metallbauunternehmens Peter Soltermann AG in Thun, aus. «Ich erwarte die Baisse noch.» Neue Baugesuche seien «dünn gesät». Da seine Firma erst am Ende eines Neubaus zum Einsatz komme, sehe es aktuell aber noch gut aus. «Der Auftragsbestand ist gut und vergleichbar mit den Vorjahren», so Soltermann. Um für einen allfälligen Auftragseinbruch gerüstet zu sein, sieht er eine wärmetechnische Sanierung des Firmengebäudes vor. «Da können wir viele Arbeiten selber ausführen.» Auch soll der Verkauf gestärkt werden. «Wir wollen nicht warten und dann jammern», sagt Soltermann, «deshalb sorgen wir vor.»

Volle Auftragsbücher

«Grundsätzlich sind alle Betriebe des Baugewerbes im Saanenland voll ausgelastet, es gibt wohl kaum jemanden, der in den nächsten Monaten nicht genügend Arbeit hat», sagt Hanspeter Spychiger, Präsident des Gewerbevereins Saanenland. Für die gute Situation seien nicht zuletzt Architekten und Bauherren verantwortlich, weil sie die Arbeiten im Saanenland vergeben würden. Von Krise sprechen mag der Gewerbevereinspräsident denn auch nicht: «Bis jetzt arbeitete man im Saanenland 120 Prozent, jetzt sind wir auf einem normalen Stand angelangt», sagt der Unternehmer mit einem Plattenleger-Geschäft.

Im Simmental sieht es ähnlich aus. «Die meisten Unternehmen sind sehr gut ausgelastet», sagt Hans-Jörg Pfister. Der Präsident von Starke Wirtschaft Simmental führt selber eine Gartenbau-Firma in Zweisimmen, die Pfister Animaflor AG. «Wir haben dieses Jahr fünf zusätzliche Mitarbeiter sowie einen zweiten Lehrling angestellt.» Trotzdem habe man schon Aufträge absagen müssen. Die Simmentaler Gewerbebetriebe würden vor allem vom regen Wohnungsbau profitieren. Pfister wagt trotz gutem Umfeld keine Prognose für 2010. «Ich bin aber grundsätzlich zuversichtlich.»

Noch nicht viel gemerkt von der Finanzkrise hat die Ghelma AG Baubetriebe in Meiringen. «Die Auftragslage ist vergleichbar mit dem Vorjahr», sagt der stellvertretende Geschäftsleiter Dominik Ghelma. In den Bergregionen würden sowohl Rezessionen als auch Aufschwünge generell weniger stark ausschlagen. Trotzdem geht Ghelma davon aus, dass die Aufträge im nächsten Jahr zurückgehen werden. Indikator für seine Prognose ist die Publikation der Baugesuche, die in den letzten Monaten zurückgegangen ist. «Es wird einen härteren Preiskampf geben.» Die rückläufige Entwicklung sei für die Baubranche aber auch eine Chance, sagt Dominik Ghelma. So werde es zu einer Flurbereinigung kommen. In den Jahren der Hochkonjunktur waren neue Unternehmen wie Pilze aus dem Boden geschossen. «Auch wenn es weniger Aufträge gibt, befinden wir uns immer noch auf hohem Niveau», so Ghelma, «jammern ist nicht angebracht.»

Immobilien: «Keine Krise»

«Der Bau- und Immobilienmarkt ist im Moment nicht von der Krise betroffen», sagt Peter Hauenstein, CEO der W. Hauenstein Immobilien AG mit Sitz in Hünibach. Entsprechend schaue er «mit Gelassenheit» in die Zukunft. Er nennt ein Beispiel: Bei der Überbauung am Höheweg in Thun, wo seit Februar gebaut wird, seien 19 von 28 Wohneinheiten verkauft – ohne dass mit Inseraten geworben worden sei. Interessant seien diese Angebote für den soliden Mittelstand, dort seien keine Auswirkungen der Krise feststellbar. Was Peter Hauenstein aber betont: «Es gibt zurzeit zu viele Nachfrager für Landerwerb als Kapitalanlage – und darunter viele, die da nicht hingehören und blauäugig und ohne das nötige Wissen an solche Investitionen herangehen.» Eine Momentaufnahme reiche nicht: Wichtig sei die langfristige Optik.

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