Bekam die Frau vom Sex etwas mit?

Diemtigtal

Das Bettgeflüster zweier junger Menschen war am Dienstag ein weiteres Mal vor Gericht ein Thema. Der Mann war sich sicher, dass seine Sexpartnerin alles mitbekommen hat. Die Frau hingegen sieht dies anders.

Das Obergericht bestätigte das erstinstanzliche Urteil.

Das Obergericht bestätigte das erstinstanzliche Urteil.

(Bild: Keystone)

Die verhängnisvolle Nacht im Diemtigtal hatte eine Vorgeschichte. Einige Wochen davor waren sich der damals 19-jährige Baupraktiker und die 17-jährige Frau in seiner Bleibe nähergekommen. Die Frau wies ihn letztlich zurück, vertröstete den Mann aber mit der Aussicht, dass er irgendwann eine zweite Chance bekommen werde. Diesen Moment sah der junge Mann dann in jener Septembernacht 2012 gekommen. Gemeinsam mit zwei Freunden übernachteten die beiden in einem Ferienhaus. Es wurde getrunken und gekifft, der Mann rauchte aber nicht mit. Als sich die Frau schlafen legte, folgte ihr der Verehrer. Soweit waren die Geschehnisse unbestritten.

Zwei Versionen einer gemeinsamen Liebesnacht

Von diesem Punkt an unterschieden sich nun aber die Versionen. Der Mann sagte, die Frau habe ihn geküsst und ihm geholfen, als er sie auszog. Schliesslich sei es zum Geschlechtsverkehr gekommen – einvernehmlich. Die Frau ihrerseits wollte erst etwas mitbekommen haben, als der Mann in sie eindrang. Als sie ihm sagte, dass sie das nicht wolle, habe er aber unverzüglich von ihr abgelassen. Das Regionalgericht Oberland glaubte schliesslich der Frau. Es verurteilte den Mann vor etwas mehr als einem Jahr wegen Schändung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 13 Monaten. Der Mann akzeptierte das Urteil nicht und zog es ans Obergericht weiter.

Sein Verteidiger legte sich am Dienstag an der Berufungsverhandlung mächtig ins Zeug und forderte einen Freispruch. «Die Frau hat alles mitbekommen. Sie hatte keinen Filmriss, auch wenn sie das behauptet.» Als mögliches Motiv für ihre falschen Aussagen nannte der Verteidiger Selbstbetrug. «Sie hatte damals einen Freund und wollte ihr Fehlverhalten nicht wahrhaben.»

«Ich weiss, dass ich die Situation ausgenutzt habe»

Der Generalstaatsanwalt bewertete die Geschehnisse der Liebesnacht anders. «Die Frau hat gewisse Dinge entfernt wahrgenommen.» Sie sei aber nicht in der Lage gewesen, etwas zu unternehmen. Von grosser Bedeutung sei zudem die Aussage des Mannes bei der ersten Einvernahme sowie in einem sichergestellten Chatprotokoll auf dem Handy der Frau: «Ich weiss, dass ich die Situation ausgenutzt habe.» Der Generalstaatsanwalt verlangte eine Erhöhung der bedingten Freiheitsstrafe auf 18 Monate.

Das Obergericht unter dem Vorsitz von Fritz Aebi bestätigte schliesslich das erstinstanzliche Urteil. Damit bleibt es bei einer Freiheitsstrafe von 13 Monaten – bedingt auf zwei Jahre – für den Mann, der am Dienstag von der Verhandlung dispensiert worden war. «Die Aussagen, die der Mann zu Beginn des Verfahrens machte, hatten wir stärker zu gewichten als jene, die dann noch folgten», sagte Aebi. Sie seien einem Geständnis sehr nahe gekommen.

Thuner Tagblatt

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