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«Bereit fürs Impfen im Fliessband-Betrieb»

Gestern eröffneten die Oberländer Spitäler ihre temporären Impfstellen – ausser in Zweisimmen und Saanen. Schweinegrippe-Impfstoff sei genug vorhanden, wird allseits versichert. Im Spital Frutigen wars gestern noch ruhig.

Ein Stich – und die 0,5 ml Pandemrix sind verabreicht. Hier in der Impfstelle im Spital Frutigen wurden gestern von 11 bis 12 Uhr die ersten Impfwilligen empfangen. Der Andrang war noch nicht sehr gross, fünf Personen wurde die Prophylaxe gegen das H1N1-Virus verabreicht.
Ein Stich – und die 0,5 ml Pandemrix sind verabreicht. Hier in der Impfstelle im Spital Frutigen wurden gestern von 11 bis 12 Uhr die ersten Impfwilligen empfangen. Der Andrang war noch nicht sehr gross, fünf Personen wurde die Prophylaxe gegen das H1N1-Virus verabreicht.
zvg

Es ist ein Prozedere von wenigen Sekunden. Pflegefachfrau Clemy Cooijmans hat die Hautstelle desinfiziert. Ein Stich, ein leichter Druck – und die 0,5 Milliliter des Impfstoffs Pandemrix sind in den Oberarmmuskel des Impfwilligen injiziert. Die Stationsleiterin Chirurgie am FMI-Spital Frutigen stach gestern in einer Stunde fünfmal zu. «Es waren vier externe Personen und ein Spitalmitarbeiter, die sich impfen liessen», sagt die gebürtige Holländerin, die seit fast 20 Jahren im Kandertal zuhause ist. «Heute gibts noch keinen Run», sagt Spitaldirektor Urs Gehrig. Und weiss auch warum. Viele Leute hätten gar noch nicht mitbekommen, dass man sich nun auch in den Impfstellen der Spitäler gegen das H1N1-Virus impfen lassen könne. Den Auftakt im Berner Oberland machte gestern das Spital Frutigen, wo die temporäre Impfstelle von 11 bis 12 Uhr in Betrieb war.

Hilfe – oder Bärendienst?

Wie wir in der gestrigen Ausgabe berichteten, soll sich laut dem bernischen Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud jede Bernerin und jeder Berner bis Ende Jahr gegen die Schweinegrippe impfen lassen können. Die Impfstellen in den Spitälern sollen während geplanten zehn Arbeitstagen die laufende Kampagne beschleunigen – und die Hausärzte entlasten. Letzteres hatte der Grindelwalder Arzt Marc Müller, Präsident der Hausärzte Schweiz, kritisiert. Denn die meisten Hausärzte hätten am Dienstag Impfstoff für all ihre Patienten erhalten und seien daran, diese aufzubieten. Wenn ab sofort die Patienten ohne Umstände in den Spitälern geimpft werden können, unterstreiche dies den Eindruck von Planung nach dem Chaosprinzip.

In Thun bis 3000 Leute

«Wir wurden vom Kanton gebeten, die Impfstelle einzurichten», sagt Direktor Urs Gehrig aus Frutigen. Das sei ohne grösseren Aufwand möglich gewesen. Ähnlich tönt es am Spital Thun. «Es war eine Bitte des Kantons, doch es war auch klar, dass wir da mitmachen», sagt Dr. Daniel Weiss, Leitender Arzt der medizinischen Klinik. Sowohl die Spital STS AG (Thun) wie die Spitäler FMI AG (Frutigen, Meiringen, Interlaken) würden über genügend Impfstoff des Typs Pandemrix verfügen, wurde gestern versichert. Am Spital Frutigen hat es aktuell 100 Dosen.«Wir können im Spital Thun 100 Leute pro Stunde impfen. Wir sind bereit für den Fliessband-Betrieb», erklärt Dr. Weiss. Bei drei Stunden wären das 300 Personen täglich – oder deren 3000 während der zehntägigen Kampagne. Zudem sei in Thun auch ausreichend Focetria-Impstoff für schwangere Frauen vorhanden, so Weiss. Mit diesem müsse man in Frutigen derzeit etwas «haushälterisch» umgehen, sagt Urs Gehrig.

Flexibel in den Talschaften

Wird die Bevölkerung des Obersimmentals und Saanenlandes nachteilig behandelt? Das kann man sich fragen, wenn man einen Blick auf die Impfstellen-Liste des Kantons wirft. Die beiden Spitäler Zweisimmen und Saanen der STS-Gruppe fehlen auf dieser. «Impfstellen sind dort im Moment nicht vorgesehen», so Daniel Weiss. Sein Zweisimmer Kollege, Dr. Manfred Essig, erklärt, warum das so ist: «Wir handhaben das relativ unkompliziert. Wir impfen wie jeder Hausarzt, wofür Impfsprechstunden eingerichtet werden.» Das sei zwei bis drei Mal wöchentlich und bei Bedarf an beiden Spitälern der Fall. «Bisher war das nicht nötig, wir machten die Sprechstunde dort, wo sich mehr Leute gemeldet hatten.» Die nächste Impfung gibt es am Freitag in Zweisimmen.

Lässt sich auch das Spital-Personal pieksen? Urs Gehrig und Daniel Weiss sagen, dass sich mehr Mitarbeitende freiwillig gegen die Schweinegrippe impfen lassen, als das jeweils bei der saisonalen Grippe der Fall sei. Tat das auch der Direktor in Frutigen? «Selbstverständlich. Ich habe diesbezüglich eine Vorbildfunktion.»

Die Impfzeiten im Spital Thun (Spital STS AG), Krankenhausstrasse 12, Thun: Montag bis Freitag von 17 bis 20 Uhr (Haupteingang).

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