Bergbahn schliesst mit Verlust ab

Adelboden

Die Rechnung des Geschäftsjahres 2013/2014 der Bergbahnen Adelboden AG (Baag) weist einen Verlust von 280'000 Franken aus. Der warme Winter hat gezeigt, wie wichtig die künstliche Pistenbeschneiung ist. Auch die möglichen Folgen der Zweitwohnungsinitiative machen der Bahn Sorgen.

Die neue Kombibahn von Geils aufs Hahnenmoos ist ein wichtiger Baustein im Konzept der Bergbahnen Adelboden AG.

Die neue Kombibahn von Geils aufs Hahnenmoos ist ein wichtiger Baustein im Konzept der Bergbahnen Adelboden AG.

(Bild: Corina Kobi)

Sowohl der Sommer 2013 als auch der Winter 2013/2014 haben ihre Spuren in der Rechnung der Baag hinterlassen. Im Sommer brachten die Bauarbeiten für die neue Kombibahn Geils–Hahnenmoos Einschränkungen, und wetterbedingt wurden allein in den Monaten Juni und Oktober Einbussen bei den Gästen von über 15 Prozent registriert. Ende Sommersaison resultierte ein gesamthafter Frequenzrückgang von 14,43 Prozent (siehe Tabelle).

Zusammenarbeit kostet Gäste

Dieses Minus wird auch auf die Zusammenarbeit mit Frutigen und Kandersteg zurückgeführt. Rund 9000 Adelbodner Gäste hätten die Möglichkeit zur Fahrt in die benachbarten Gebiete genutzt. «Wir erachten dies aber als Investition in die Zukunft», heisst es im Geschäftsbericht, und Direktor Markus Hostettler erklärt, man arbeite darauf hin, dass der Gästefluss künftig auch umgekehrt funktionieren soll. «Dann ist es natürlich ein starkes Sommerangebot.» Der Verkehrsertrag Sommer der Baag steht schliesslich mit –10,9 Prozent bei netto 860'000 Franken in der Rechnung. Der aktuelle Sommer sehe gefühlsmässig wieder gut aus, sagt der Direktor.

Ein absoluter Rekordtag

Der letzte Winter zeichnete sich durch einen grossen Wasserverbrauch der künstlichen Beschneiungsanlagen aus; diese brachten jedoch Vorteile gegenüber anderen Anbietern. Neben der Kombibahn-Eröffnung mit technischen Schwierigkeiten (Motorendefekt am 31.Dezember) wurde am 30.Dezember mit über 14'500 Gästen im Baag-Gebiet ein Rekordtag im Fünfjahresvergleich verzeichnet. Die totalen Frequenzen bewegten sich bei +3 Prozent.

In den letzten zwei Betriebswochen wurde jeweils morgens eine Stunde früher begonnen und abends der Betrieb früher beendet. Dieses Experiment soll auch im kommenden Winter weitergeführt werden. Der Verkehrsertrag war mit netto 10,69 Millionen Franken auf Vorjahresniveau. Die noch fehlende Beschneiung Vordersilleren habe rund um Silleren rund eine Viertelmillion Franken Mindereinnahmen beschert. Dieses Stück der Beschneiung ist jetzt aber im Bau und wird auf die neue Saison hin fertig sein. Im Gastrobereich zeigte sich einmal mehr die starke Abhängigkeit vom Wetter (und von den Aussenterrassen).

Im Verhältnis zum erwirtschafteten Ertrag sei der Personalaufwand zu hoch, es würden Sparmöglichkeiten gesucht. All diese Faktoren gipfeln in der Erfolgsrechnung mit einem Verlust von 280'000 Franken, bei einem Gewinn vor Abschreibungen und Steuern von 4,9 Millionen Franken. Erstmals seit der Gründung der Baag vor einem Jahrzehnt wird ein Verlust ausgewiesen. Das sei ein Paradigmenwechsel im Verwaltungsrat: «Durch die neue Bahn haben wir höhere Abschreibungen, und statt stille Reserven aufzulösen, um eine schwarze Null zu erzielen, legen wir den Verlust offen. Das ist ehrlicher», sagt Hostettler.

Auswirkungen der Initiative

Er erwähnt Befürchtungen in Bezug auf die Rekrutierung von neuen und gut ausgebildeten Saison-Mitarbeitenden. «Dabei ist es nicht primär eine Lohn-, sondern viel mehr eine Standortfrage», heisst es im Geschäftsbericht. «Die Auswirkungen der Zweitwohnungsinitiative werden diese Situation noch verschärfen, rechnen wir doch damit, dass das Stellenangebot beim Gewerbe von Adelboden generell abnehmen wird.» Als Beispiel sei die Baubranche erwähnt, die mangels Arbeit eher abwandert, mit ihr die Angestellten. «Plötzlich können bei uns nicht mehr alle Saisonstellen durch Einheimische besetzt werden. Dadurch geht wieder ein Stück Authentizität verloren, auf die wir im Oberland so stolz sind.»

Berner Oberländer

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt