Das Tor zum Lerchenfeld soll weichen

Thun

Für den Entwicklungsschwerpunkt Thun Nord müsse eine S-Bahn-Station vorgesehen werden. Dies ist eine der Forderungen, die im Rahmen der Mitwirkung zur geplanten Zonenplanänderung deponiert wurden.

Heute versperrt ein Tor den freien Durchgang von der Kleinen Allmend zum Lerchenfeld: Der neue Zonenplan für den Entwicklungsschwerpunkt Thun Nord sieht die Öffnung der Uttigenstrasse für die Allgemeinheit vor.

Heute versperrt ein Tor den freien Durchgang von der Kleinen Allmend zum Lerchenfeld: Der neue Zonenplan für den Entwicklungsschwerpunkt Thun Nord sieht die Öffnung der Uttigenstrasse für die Allgemeinheit vor.

(Bild: Patric Spahni)

Zur geplanten Zonenplanänderung für den Entwicklungsschwerpunkt (ESP) Thun Nord sind während der Mitwirkungsfrist fünf Eingaben gemacht worden, wie Stadtplaner Hansueli Graf auf Anfrage erklärt. «Es sind nicht grundsätzliche Einwände, sondern spezifische Fragen und Anliegen», sagt Graf. Eingaben gemacht haben die STI, die BLS Netz AG, das Architekturforum Thun, der Lerchenfeld-Leist und der VCS. Ein Teil davon sei bereits in die Überbauungsordnung eingeflossen. Diese werde Ende Jahr öffentlich aufgelegt.

S-Bahn-Station gefordert

Ein Anliegen, das mehrfach eingebracht wird, ist eine S-Bahn-Station für den ESP Thun Nord. Diese Idee wurde vor rund anderthalb Jahren auch von der Regionalen Verkehrskonferenz Oberland-West aufgebracht. «Eine solche Bahnstation wäre sehr wichtig, deshalb müsste der nötige Platz schon heute in der Planung berücksichtigt werden», betont Andrea de Meuron, Geschäftsführerin des VCS Thun-Oberland. Durch die verdichtete Überbauung würden künftig deutlich mehr Leute auf der Kleinen Allmend arbeiten. Eine S-Bahn-Station würde die Anbindung an Bern deutlich verkürzen.

Auch der Lerchenfeld-Leist fordert einen Pendlerbahnhof für den ESP. «Der Platz dafür ist in der Planung zwar ausgespart, explizit erwähnt wird ein solcher Bahnhof aber nicht», erläutert Andreas Lüscher, Präsident des Lerchenfeld-Leistes. Dieser müsse in der Überbauungsordnung noch genauer definiert werden. Für Lüscher und de Meuron wäre eine solche S-Bahn-Station auch ein Ersatz für die 2006 geschlossene S-Bahn-Haltestelle Lerchenfeld.

Grundsätzlich begrüsst der Lerchenfeld-Leist die Öffnung der Kleinen Allmend für private Nutzungen. Sehr positiv seien auch der geplante Uferweg entlang des linken Aareufers und die Öffnung der Uttigenstrasse. «Damit wird ein jahrelanges Anliegen unseres Quartiers erfüllt», sagt Lüscher. Das Lerchenfeld würde so näher zur Stadt rücken. Allerdings würde sich der Leist wünschen, dass die Strasse schon früher und nicht wie geplant erst 2020 geöffnet würde.

Kritik an hohen Bauten...

Keine Freude hat der Lerchenfeld-Leist hingegen an den geplanten Hochhäusern, die entlang der Allmendstrasse entstehen sollen. Unter anderem plant die Ruag ein neues Bürohochhaus. «Im Richtplan ist nicht definiert, wie hoch künftig gebaut werden darf», sagt Lüscher. Im Rahmen der Überbauungsordnung müsse dies genauer umschrieben werden. «Sonst wissen wir nicht, was dereinst auf dem Areal passiert», meint Andreas Lüscher.

Als positiv erachtet der Lerchenfeld-Leist auch die geplante Ringstrasse. Skeptisch beurteile man die Auswirkungen des Bypasses Thun-Nord, der ab 2018 durch den ESP führen wird. «Das wird sicher mehr Verkehr auf der Allmendstrasse bringen», sagt Lüscher. Die Ampel auf der Waldeck-Kreuzung würde diesen nicht bewältigen können. «Auf dieser Kreuzung braucht es dringend einen Kreisel», fordert Lüscher. Die Allmendstrasse liegt jedoch bereits ausserhalb des Perimeters des ESP. Und bei der Stadt gibt es diesbezüglich keine Pläne. «Ein Kreisel auf der Waldeck-Kreuzung ist bei uns bisher kein Thema», sagt Stadtplaner Graf. Ob ein Kreisel wirklich eine Verbesserung bringen würde, müsste zuerst noch geprüft werden.

...und an den Parkplätzen

Der VCS lehnt die Handhabung des im Erläuterungsbericht beschriebenen Regimes für Parkplätze ab. «Die Parkplätze sollten im Bereich der beiden Arealeingänge, möglichst zentral und nicht pro Baufeld, angesiedelt werden», erläutert de Meuron. Damit der öffentliche Verkehr und der Langsamverkehr gefördert werden können, dränge sich eine gezielte Parkplatzbewirtschaftung auf. «Wir stellen fest, dass ein Mobilitätsmanagement leider gänzlich fehlt», ergänzt de Meuron. Für ein Areal in dieser Grösse und Wichtigkeit seien Angaben zu Angeboten wie zum Beispiel Car- und Bikesharing oder Lieferdiensten absolut notwendig.

STI möchte einen Werkhof

An der Mitwirkung zum ESP Thun Nord beteiligte sich auch die STI. Die Thuner Verkehrsbetriebe möchten auf der Kleinen Allmend einen Werkhof erstellen, da der jetzige Standort im Schwäbis aus allen Nähten platzt (vgl. Ausgabe vom 7.März). Es sei keine zweckdienliche Planung, wenn auf dem rund 60 Hektaren grossen Gelände des ESP keine Baufelder für Unternehmen mit grossen Flächenansprüchen angeboten würden. Die STI benötigt für ihren neuen Werkhof eine Fläche von 16000 Quadratmetern. In diesem Zusammenhang fragt sich die STI, ob es sinnvoll ist, «die grossflächige Parzelle im Bereich des Allmendstrasse-Bypasses durch eine mehrreihige Allee einzuengen».

Thuner Tagblatt

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