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Der Dorfkern von Gstaad soll Charakter beibehalten

Der Run auf Liegenschaften – ganz besonders auf Chalets im Gstaader Dorfkern – droht den Dorfcharakter gänzlich zu verändern. Der Saaner Gemeinderat gibt Gegensteuer: Er verhängt ab sofort eine Planungszone.

Die Profile am «Bosshaus» (auf dem Dach und rechts des Gebäudes) an prominenter Stelle an der Gstaader Promenade in Ober-Gstaad zeigen: Der Neubau wurde grösser und höher geplant als das bestehende Chalet. Jetzt ist das Projekt sicher.
Die Profile am «Bosshaus» (auf dem Dach und rechts des Gebäudes) an prominenter Stelle an der Gstaader Promenade in Ober-Gstaad zeigen: Der Neubau wurde grösser und höher geplant als das bestehende Chalet. Jetzt ist das Projekt sicher.
Ruth Oerli

«Der Gemeinderat erlässt als Sofortmassnahme eine Planungszone über Teilgebiete des Dorfes Gstaad. Betroffen davon sind die gesamte Kernzone sowie Randbereiche, die von der Promenade aus einsehbar sind.» So heisst es in einer Medienmitteilung der Gemeinde Saanen. Was heisst dies im Klartext und was steckt dahinter? «Ziel des schnellen Handelns ist der Erhalt des Dorfbildes von Gstaad. In groben Zügen soll die bestehende Qualität gesichert werden.» Dies erklärt Bauverwalter Claudio Schmidt. Die Neubauten sollen nicht generell verhindert werden. Verhindert werden sollen die in den letzten Jahren oft und öffentlich angeprangerten «Mammutchalets». Sie veränderten das Ortsbild massiv.

Grösser und grösser

Die in den letzten Jahren immer grösser gebauten Gebäude wurden innerhalb der bestehenden Gesetze und Reglemente erstellt. Nun sind im Gstaader Dorfzentrum an die zehn Liegenschafts-Erneuerungen geplant, alle grösser als die bestehenden. Auch deshalb sah sich der Saaner Gemeinderat zum raschen Handeln gezwungen. Zudem hatte die Gemeindeversammlung die Behörde im Juni beauftragt, sich mit der Ausnützung (siehe Infothek) der Gebäude in der Gstaader Dorfkernzone zu befassen. «Bei einer allfälligen Reduktion der Ausnützung stellen sich viele heikle Fragen, ganz besonders auch in rechtlicher Hinsicht», weiss Claudio Schmidt. Schnelle Entscheide seien unmöglich. «Wir würden viele Probleme und wohl auch Rechtsstreitereien auslösen», glaubt er. Ein Beispiel: Ein Liegenschaftskauf erfolgte, um mit einem grösseren Neubau eine bestimmte Rendite zu erzielen.

So gross wie bestehend

Mit der eben vom Saaner Gemeinderat verhängten Planungszone ist dies nicht mehr machbar. «Im Baubewilligungsverfahren steckende Projekte können nach der neuen Regelung höchstens so gross wie die bestehenden Liegenschaften gebaut werden», führt Schmidt aus. An und in der Umgebung der Gstaader Promenade seien etwa sechs Objekte betroffen. «Da können Entschädigungsfragen für hängige Baugesuche oder entgangene Rendite auftauchen.» Deshalb seien minutiöse und zeitaufwendige Abklärungen unabdingbar. Von den neuen Vorgaben nicht betroffen sind alle bewilligten und sich im Bau befindenden Projekte.

Für zwei Jahre

Die erlassene Planungszone (und damit die Beibehaltung der bisherigen Gebäudevolumen bei Neubauten) gilt vorerst für zwei Jahre. Sie könnte verlängert werden, falls sich die Abstimmung über das neue Baureglement verzögern sollte. «Sobald das revidierte Baureglement in Kraft tritt, wird die Planungszone aufgehoben», heisst es in der Mitteilung.

(K)eine Reaktion

Marcel Bach, einer der grössten Gstaader Immobilienhändler, ist von der Planungszone speziell betroffen. Er wollte einige alte Häuser an der Gstaader Promenade durch grössere Neubauten ersetzen. Wegen des Vorstosses an der Gemeindeversammlung sistierte er das Projekt kürzlich. «Dies ist noch immer der Stand der Dinge. Die Profile an der Gstaader Promenade sind ungültig», bestätigte gestern ein Angestellter von Marcel Bach. Zur Planungszone könne sich Marcel Bach momentan nicht äussern. Er kenne den Inhalt des Erlasses noch nicht, liess der Immobilienmakler ausrichten.

Ruth Oehrli Die Unterlagen zum Erlass der Planungszone liegen bei der Gemeindeverwaltung Saanen, Abteilung Baupolizei, Raumplanung und Infrastrukturen, bis zum 4.Dezember öffentlich auf. Innerhalb von 30 Tagen kann Einsprache erhoben werden.

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