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Der Fulehung hat neue Hörner

Rechtzeitig zum Ausschiesset vom Sonntag ist die wichtigste Figur des Thuner Traditionsanlasses wieder komplett. Fast ebenso klammheimlich, wie das linke Horn der Fulehung-Statue abgesägt wurde, war es plötzlich wieder da.

Vergangenen Winter stand Thun vor einem Rätsel. Zwischen Dezember 2008 und Februar diesen Jahres wurden an mehreren Statuen immer wieder Teile abgesägt: Das Regiepferd bei der Schwäbis-Voliere verlor seinen Schwanz, das «Mädchen mit der Ziege» im Lachen stand plötzlich ohne Arm da, die Ziege ohne Horn. Und auch der Fulehung am Berntorkreisel hatte eines Morgens ein Horn weniger. Wer die Schandtaten verübt hatte, konnte nie herausgefunden werden. «Der Fall ist bis heute ungeklärt», sagt Rose-Marie Comte, Mediensprecherin der Kantonspolizei Bern.

Auch verschiedene, von Thuns Künstler Heinrich Gartentor lancierte Aktionen – darunter die Verhüllung aller Thuner Statuen – brachten keinen Erfolg. Die drei Statuen blieben seit vergangenem Winter entstellt. Die Stadt Thun hat die Reparatur, wie sie im April gegenüber dieser Zeitung erklärte, wegen den hohen Kosten von rund 23000 Franken auf 2010 verschoben.

Plötzlich mit zwei Hörnern

Doch gestern Morgen folgte die grosse Überraschung: Der Fulehung stand plötzlich wieder in seiner ganzen Pracht da. Ihr zweites Horn hat die berühmte Bronzestatue allerdings nicht der Stadt Thun, sondern einer Privatperson zu verdanken. Wer diese ist, liess sich gestern nur auf Umwegen herausfinden – der Urheber wollte sich zunächst nicht öffentlich zu erkennen geben.

Recherchen dieser Zeitung ergaben schliesslich: Hinter der Aktion steckt Markus Binggeli (nicht identisch mit dem Thuner FDP-Stadtrat). Der Thuner Gewerbeschullehrer hatte bereits seit längerem die Idee, den Fulehung in Eigenregie von seinem Makel zu befreien: «Ich war damals ob den Vandalenakten bestürzt», erklärt der 46-Jährige. Als ehemaliger passionierter Kadett und Vater zweier Töchter, die ebenfalls bei den Kadetten mitmachen, habe ihn das Schicksal der Fulehung-Statue besonders getroffen. «Als Ur-Thuner und Ausschiesset-Fan konnte ich es einfach nicht zulassen, dass die Figur auch während der drei schönsten Tage in Thun entstellt sein sollte.»

Symbolischer Akt

Binggeli schnappte sich deshalb am helllichten Tag kurzerhand Plastilin und nahm einen Abdruck vom verschont gebliebenen Horn. «Anschliessend habe ich ein Gipsmodell gefertigt und anhand dessen aus Zwetschgenholz ein zweites Horn geschnitzt», erklärt der Lehrer für Allgemeinbildung. Mit Sprühfarbe verpasste er dem Stück ein Bronze-ähnliches Aussehen und montierte es am Mittwochabend in aller Stille an die Statue. «Ein symbolischer Akt», erklärt Markus Binggeli, der nebenbei ein kunsthandwerkliches Atelier betreibt. Ihm sei wichtig, dass die Vandalen nicht «gewinnen» würden.

Binggeli hofft, dass die Stadt Thun die täuschend echt aussehende Holz-Prothese bald durch ein bronzenes Horn ersetzt. Von der Kulturabteilung war gestern niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Die Organisatoren des Ausschiessets freuen sich aber über die Aktion: «Schön, dass der Fulehung für diese Tage wieder ganz ist», sagt Korpsleiter Urs Balmer.

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