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Der Markt verzaubert immer noch

Markttag ist ein besonderer Tag. Die Angebote sind zwar immer ähnlich, aber die Vorfreude auf das Unbekannte trotzdem gross. Es sind wenige Stunden im Jahr, in denen das «Tuftli» den Fussgängern gehört, die Autos bleiben aussen vor.

Handgemachte Feen und Gerüche aller Art wurden am Stand des «Duftschlosses» feilgeboten.
Handgemachte Feen und Gerüche aller Art wurden am Stand des «Duftschlosses» feilgeboten.
Fritz Lehmann

Genug Zeit muss man einplanen, Kaufen ist das eine, «Lavere» mit Bekannten und Freunden das andere. Oft braucht man für wenige Meter Stunden. Immer noch entdeckt der Schreibende Sachen, die ihm Jahre vorher nicht aufgefallen sind. Hat vielleicht auch etwas mit dem Altern zu tun, die Vorlieben ändern sich wie die Angebote. Wurden in den Neunziger Jahren die Stände mit Plastikware aus Asien überschwemmt, ist traditionelles oder zumindest wertiges gefragt. Kunststoffbagger aus Deutschland, Holzspielzeug aus der Schweiz, Gürtel aus echtem Leder, ebenfalls ein Schweizer Produkt, aber auch Selbstgestricktes mit mitunter modernen Schnitten von tüchtigen Frauen aus dem Tal. Und das ist gut so.

Freude am ungewöhnlichen Shopping haben auch Touristen, die entlang der Stände viele Fotomotive finden. Holzkühe, Alpkäse, aber auch bärtige Männer mit einer Pfeife im Mund. Im Vorfeld des Marktes machte an den Stammtischen das Gerücht die Runde, in diesem Jahr falle der Markt aus. Grund: Die Grabarbeiten zur Rohrverlegung für das Holzwärmewerk seien am Markttag noch nicht abgeschlossen. Es blieb beim Gerücht.

Einzige Station

Familie Waltz aus Aesch BL verkauft seit vier Jahren Gewürze: «Wir kommen eigentlich selten ins Berner Oberland, Grindelwald ist unsere einzige Station», sagt Mutter Heidi Waltz. Sie seien erstaunt, wie viele Leute aus Basel sie hier treffen würden. «Und die Einheimischen kennen uns, weil wir auch an der BEA vertreten sind.» Den Geschäftsverlauf am diesjährigen Markt konnte Heidi Waltz gestern noch nicht bilanzieren: «Das wissen wir erst, wenn am Abend das Geld gezählt ist», sagt sie und verkauft weiter fleissig Puder und Streumittel zum Verfeinern von Speisen.

Ganz andere Angebote verkauft Ernst Dick aus Olten. Diese sind aber überhaupt nicht fad, denn es sind gute, alte und vor allem originale Vinyl-Schallplatten. Darunter auch rare Stücke: «Another Side of Bob Dylan» von 1964 oder eine Scheibe von Grateful Dead, «Workingman’s Dead» von 1970. Für realistische 30 Franken pro Stück, praktisch ohne Gebrauchsspuren. Echte Schnäppchen, die lange Freude bereiten.

Gerüche gehören dazu

Gerüche gehören auch zum Markt: Neben frischem Magenbrot und Marroni duften auch die frittierten Fischfilets vom Fischerverein. Diese verdienen seit Jahren das Prädikat «sehr empfehlenswert». Ganz andere Gerüche bietet das «Duftschloss zum Wolkenstein» aus Wuppenau TG an: Exotisches wie etwa Himalaya-Zeder aus Nepal oder Zimtrinde aus Sri Lanka. Verkauft wurden auch Feen aller Art – Zauber zieht.

Abwechslungsreich ist auch das Publikum: neben Volk in Halbleinen und Edelweisshemd gesellen sich Geschäftsleute mit und ohne Krawatte dazu sowie Jugendliche, die ihre Kleidergrösse immer noch nicht kennen.

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