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Der Widerstand gegen Natelantenne formiert sich

Orange will am Grenzweg im Gwatt eine neue Mobilfunkanlage bauen. Mit 37 Einsprachen verhinderten Anwohner 2008 ein fast identisches Projekt unweit des jetzt geplanten Standorts. Nun formiert sich erneut Widerstand.

Das Profil steht schon: Auf dieser Liegenschaft am Grenzweg im Gwatt plant Orange den Bau einer neuen Mobilfunkanlage.
Das Profil steht schon: Auf dieser Liegenschaft am Grenzweg im Gwatt plant Orange den Bau einer neuen Mobilfunkanlage.
Patric Spahni

Anfang November 2008, also vor nicht einmal anderthalb Jahren, lehnte die Stadt Thun ein Baugesuch des Mobilfunkanbieters Orange ab. Dieser wollte am Rainweg am Gwattstutz eine zusätzliche Mobilfunkantenne errichten – und dies inmitten von schützens- und erhaltenswerten Immobilien. Es war jedoch nicht nur die kantonale Denkmalpflege, die sich gegen das Projekt wehrte. Zwei Rechtsverwahrungen und nicht weniger als 37 Einsprachen gingen gegen das Gesuch ein.

Nun hat Orange die Zeit offenbar für reif empfunden, einen neuen Versuch zu starten: Am Grenzweg 4 plant die Firma gemäss Baugesuch eine «neue Mobilfunkanlage mit drei UMTS-Antennen sowie entsprechender technischer Einrichtung». Das Vorhaben unterscheidet sich kaum von demjenigen aus dem Jahr 2008, als je zwei UMTS- und GSM1800-Antennen vorgesehen waren. Auch der Standort hat nicht gross gewechselt: Die beiden betroffenen Häuser am Grenzweg (jetzt) und am Rainweg (2008) liegen lediglich 150 Meter Luftlinie voneinander entfernt.

Hohe Strahlenbelastung

Kurt Rizzi, der Präsident des Gwatt-Schoren-Buchholz-Leistes, hatte keine Freude, als er vom neuerlichen Baugesuch erfuhr. «Ich finde das Vorgehen von Orange äusserst mühsam», erklärt Rizzi und fügt an: «Im Grunde wissen die doch jetzt schon, dass es wieder Einsprachen geben wird.» Einer, der bereits Widerstand angekündigt hat, ist Anwohner Werner Roth. Das Bauprofil auf dem Dach des Nachbarhauses hatte ihn auf die geplanten Natel-Antennen aufmerksam gemacht. «Die Strahlenbelastung auf dem Balkon meiner Mutter, die der zukünftigen Anlage noch näher zugewandt wäre als ich, beliefe sich auf 5,95 Volt pro Meter», sagt Roth, der hierfür eigene Nachforschungen angestellt hat. Zum Vergleich: Der Anlagegrenzwert liegt bei 6,0 V/m. Fakt ist zudem, dass sich unweit des geplanten Standorts bereits jetzt zwei weitere Mobilfunkanlagen befinden, nämlich beim Bahnhof Gwatt sowie auf dem Dach der Lagerhalle der Transportfirma Gafner AG im nahe gelegenen Industriegebiet Moos.

Besonders gestört hat Werner Roth auch, wie Orange bei den Hausbesitzern im Quartier für die Vermietung ihrer Dächer geworben hat. Er selbst habe im Januar einen fixfertigen Vertrag im Briefkasten gefunden. «Das Vorgehen war äusserst aggressiv. Ich hätte nur noch unterschreiben müssen. Als Gegenleistung hätte mir Orange 800 Franken Miete pro Monat bezahlt.» Kurt Rizzi bestätigt Roths Aussagen: «Ich persönlich habe zwar keine Anfrage erhalten, aber auf Grund von Aussagen etlicher Leist-Mitglieder gehe ich davon aus, dass etwa die Hälfte aller Anwohner einen solchen Vertrag zugeschickt bekam.» Schon 2008 versuchte Rizzi, Orange davon zu überzeugen, die Handyantenne im Industriegebiet zu installieren – ohne Erfolg. Neuerliche Gespräche hätten ebenso wenig gefruchtet.

Orange ist siegesgewiss

«Wir wollen unseren Kunden die bestmögliche Netzabdeckung gewährleisten. Dazu eignet sich der Standort am Grenzweg besser als derjenige im Industriegebiet», erklärt Marie-Claude Debons, Mediensprecherin von Orange, auf Anfrage. Zum Vorwurf des aggressiven Vorgehens wollte Debons indes keine Stellung nehmen. Auch zur Frage, ob mit dem Baugesuch nicht eine neue Welle von Einsprachen provoziert werde, gibt der Mobilfunkanbieter laut Debons «keinen Kommentar» ab. Die Mediensprecherin gibt sich dagegen vorsichtig optimistisch: «Das letzte Mal handelte es sich um ein geschütztes Haus, deshalb haben wir nach Alternativen gesucht. Mit dem neuen Haus stehen unsere Chancen jetzt besser.»

Selbst der Hausbesitzer am Grenzweg 4, Roland Bruderer, gibt zu, vom fixfertigen Orange-Vertrag etwas überrumpelt worden zu sein. «Es kann sein, dass ich etwas vorschnell unterschrieben habe», so Bruderer. Er habe ansonsten aber «keinen bestimmten Grund» gehabt, sein Dach dem Mobilfunkanbieter zu vermieten.

Für Rizzi und Roth ist derweilklar, dass sie sich gegen die UMTS-Antennen zur Wehr setzen werden. Beide planen, sowohl Einzel- als auch Sammeleinsprachen beim Thuner Bauinspektorat einzureichen. Die Frist für Einsprachen läuft noch bis am 29. März, dazu berechtigt sind Anwohner in einem Radius von 670 Metern.

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