«Ein solches Verbrechen macht sprachlos»

Erlenbach

Der Raubüberfall auf eine junge Einheimische durch eine unbekannte Täterschaft in der Kirche Erlenbach vom Mittwochnachmittag sorgt im Ort für Gesprächsstoff und Unverständnis.

Ein Ort des Friedens wurde zum Tatort: Hier in der Kirche Erlenbach wurde eine junge Einheimische bewusstlos geschlagen und ausgeraubt.

Ein Ort des Friedens wurde zum Tatort: Hier in der Kirche Erlenbach wurde eine junge Einheimische bewusstlos geschlagen und ausgeraubt.

(Bild: Bruno Petroni)

Bruno Petroni

«Dass so etwas überhaupt passieren kann, ist unbegreiflich»: Nicht nur Doris Wolf, Wirtin des Chlydorf-Beizli, fehlen die Worte. In ihrem Restaurant ist der brutale Raubüberfall auf eine jüngere Einheimische in der Kirche Erlenbach vom Mittwoch das Gesprächsthema Nummer eins.

«Dieser Vorfall ist ethisch sehr bedenklich und macht mich einfach nur traurig», erklärt Beat Struch. Der Bauernmöbelrestaurierer, der sein Atelier unterhalb der Kirche hat, fügt an: «Es zeigt sich einmal mehr, dass der Mensch zu allem fähig ist. Er ist das dümmste aller Tiere.»

Aufgebrachte Bevölkerung

Hermann Wiedmer sieht in der dreisten Tat «das Resultat unserer Kuscheljustiz. Solche Verbrecher wissen ganz genau, dass ihnen – falls sie denn überhaupt geschnappt werden – allenfalls ein vorübergehender Aufenthalt in einem unserer komfortablen Gefängnisse blüht.» Der aufgebrachte Oey-Diemtiger sagt weiter: «Man sollte solche Übeltäter ganz anders anpacken. Das Gesetz dazu hätten wir. Es wird nur falsch angewendet und in endlosen, teuren Verfahren ad absurdum geführt.»

Das Schlimmste befürchtet Wiedmer für das attackierte Opfer: «Die arme Frau wird ihr Leben lang schwer traumatisiert sein und vielleicht nie mehr eine Kirche betreten. Die Kirche, ein Ort des Schutzes, der Besinnlichkeit und Geborgenheit. Das ist eine furchtbare menschliche Tragödie.»

«Stimmung ist gedrückt»

Keine Auskunft zum Vorfall geben sowohl Daniel Schneider, Kirchgemeindepräsident in Erlenbach, als auch die örtliche Pfarrerin Helma Wever; sie seien von der Polizei angehalten worden, gegenüber den Medien nichts zu sagen, weil es sich um ein laufendes Verfahren handle.

Stellung bezieht Gemeindeschreiberin Sonja Wiedmer im Gemeindehaus: «Die Stimmung bei uns in der Verwaltung ist ziemlich gedrückt.» Das Gebäude der Einwohnergemeinde wurde nach einem Einbruch vor neun Jahren mit entsprechenden Massnahmen zwar sicherer gemacht. «Trotzdem fragte sich heute Morgen unsere Lehrtochter, ob sie sich wohl künftig noch gefahrlos und ohne Angst im Aussenbereich des unmittelbar unterhalb der Kirche gelegenen Gemeindehauses aufhalten dürfe», so Wiedmer.

«Das macht sprachlos»

Hans Martin Schaer, Sprecher der Reformierten Kirchen Bern – Jura – Solothurn, kann sich nicht an einen ähnlichen Vorfall in der Vergangenheit erinnern: «Wenn hie und da Opferstöcke aufgebrochen und geplündert oder Gräber geschändet werden, geschieht dies meist nicht gezielt gegen jemanden, sondern aus reiner Dummheit.

Doch ein solches Verbrechen an einem Menschen am Ort des Friedens und der Geborgenheit – das macht sprachlos.» Schaer appelliert aber, die Welt jetzt nicht gleich nur noch schwarz zu sehen: «Das war vermutlich ein Einzelfall eines Täters, der sich offenbar in einer Kirche unbeobachtet gefühlt hat.»

Wer hat etwas gesehen?

Es war um 13.20 Uhr am Mittwochmittag, als eine jüngere Frau während ihres Aufenthaltes in der Kirche von dreister, unbekannter Täterschaft von hinten und ohne Vorwarnung mit einem Stuhl niedergeschlagen worden ist. Das Opfer blieb bewusstlos liegen. Als sie wieder zu sich kam, war ihr Bargeld weg. Von Drittpersonen aufgefunden, wurde die verletzte Frau mit der Ambulanz in Spitalpflege überführt.

Ob sie aus dieser inzwischen wieder entlassen werden konnte, kann Andreas Hofmann, Sprecher der Kantonspolizei Bern, auf Anfrage nicht sagen; auch über den Tathergang und zum Stand der Ermittlungen nicht. Ein Augenschein in der Kirche zeigte, dass in einer Ecke zwei Dutzend Klappstühle und einige Holzböckli versorgt sind. Ausser den fixen Sitzbänken sind keine weiteren Stühle vorhanden.

Die Kantonspolizei sucht Augenzeugen. Personen, welche im genannten Zeitraum im Bereich der Kirche verdächtige Wahrnehmungen gemacht haben oder Angaben zur Täterschaft machen können, werden gebeten, sich über die Nummer 033 227 61 11 zu melden.

Berner Oberländer

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt