Einblick ins Spiezer «ABC» für Sicherheit

Spiez

Das Labor Spiez übernimmt Messungen und Analysen für Auftraggeber aus der ganzen Welt. Am Tag der offenen Tür können die Besucher ganz genau hinschauen, wie der ABC-Schutz funktioniert.

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Nathalie Günter@nathalieguenter

Vor fünf Jahren öffnete das Labor Spiez zum letzten Mal seine Tore für die Öffentlichkeit. Das ist viel zu lange her, wie es den Anschein macht: Viele Besucher strömten am Freitag bereits vor dem offiziellen Start um 13 Uhr Richtung ABC-Zentrum in Spiez.

27 verschiedene Posten können besucht werden. Gleich hinter dem Hauptgebäude steht Posten 18 – die Beratungsstelle Radioaktivität. Radiochemikerin Beatrice Balsiger erklärt, wie Menschen, die sich in der Nähe eines Kernkraftwerks befinden, im Ernstfall auf Radioaktivität gemessen werden.

«Wir arbeiten in solchen Fällen mit dem Zivilschutz, Notfallärzten und einem Careteam zusammen», sagt Balsiger. Zuerst muss jeder – ähnlich wie am Flughafen – einen Detektor durchlaufen. Gibt dieser an, muss sich die betroffene Person duschen – gründlich, aber ohne zu bürsten. «Wenn sich die Radioaktivität nur auf der Hautoberfläche befindet, reicht dies schon», sagt Balsiger.

Befindet sich die Radioaktivität schon im Körper, muss eine Schilddrüsen- oder Ganzkörpermessung durchgeführt werden. Labormitarbeiter François Byrde überprüft gerade die Schilddrüsen von Besucher Joseph Zbinden aus Brünisried. Zbinden hat Glück, die Messung zeigt Werte im grünen Bereich. Sonst hätte er weitermüssen zur Diagnose und Medikamentenverteilung.

«Am anfälligsten sind alle jüngere Personen bis 18 Jahre und Schwangere», sagt Beatrice Balsiger. Das ist auch der Grund, warum diese Gruppen mit speziellem Augenmerk überprüft werden. Im Schnitt kann eine solche Beratungsstelle vor Ort 1000 Personen pro Tag durchchecken. Circa 200 davon müssen dann zu einem der Notfallärzte für die Behandlung.

Weiter zu Posten 10: Das Feldlaborgehört zum Bereich Biologie. Hier gehen die Forscher Viren oder Giften auf die Spur. Biologielaborantin Jasmine Portmann kann von der Front berichten: «Ich war im Mai und Juni 2014 Teil eines europäischen Teams, dass nach Westafrika reiste.» Dort half sie mit, die Menschen auf das Ebolavirus zu überprüfen. Vor Ort gibt es nicht immer das nötige Material und die passende Ausrüstung. Deshalb hat das Team das «European Mobile Lab» – ein mobiles Labor, dass in zehn Kisten transportiert werden kann – mitgenommen.

Ein paar Schritte weiter, bei Posten 13, hat Fachbereichsleiter Stephan Leib ein praktisches Beispiel parat: «Wir überprüfen zum Beispiel Rückstände im Dünger, die schon vielen Hunden zum Verhängnis wurden.» Die Rede ist von Gift, in diesem Fall Ricin. Auf Basis der Pflanze wird Rizinusöl hergestellt. Das ist nicht gefährlich, die Rückstände aber schon. Und gleich nebenan wird geforscht, welche Krankheiten Zecken übertragen können. «Sehr häufig kommt die Frühsommer-Hirnhautentzündung vor», sagt Stephan Leib.

Weiter zum Verifikationslabor für chemische Kampfstoffe:Bei Posten 4 im ersten Stock erklärt Leiter Peter Siegenthaler, was das Labor Spiez mit dem Bürgerkrieg in Syrien zu tun hat. Innert kürzester Zeit musste sein Team Umweltproben auf das Nervengift Sarin untersuchen – und durfte sich dabei keine Fehler leisten.

Eine Fehlanalyse hätte weitreichende Folgen. Er und seine Mitarbeiter wurden schnell fündig. Siegenthaler erzählt packend, das Verifikationslabor ist voll mit Zuhörern. Auf die Frage einer Besucherin, was denn die grossen Maschinen im Labor kosten, meint er lapidar: «Da sprechen wir vom Bereich Einfamilienhaus.»

Das Labor Spiez ist auch am Samstag von 10 bis 17 Uhr offen.

Thuner Tagblatt

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