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Gletscherschwund trifft Wasserkraftwerke

Kurzfristig profitieren die Wasserkraftwerke von schmelzenden Gletschern – langfristig bringt der Klimawandel Probleme.

Gleich fünf Gletscher liegen im Wassereinzugsgebiet der Kraftwerke Oberhasli AG (KWO). Darunter auch der Gauligletscher, dessen Zunge bis in den Stausee Mettenalp reicht. Aber die Zunge schmilzt rasant. In diesem Sommer brach sie wiederholt ab, Eisschollen schwammen auf dem See. 2008 ging der Gauligletscher um 75 Meter zurück, 2007 sogar um 100 Meter.

Ein kurzfristiger Gewinn

Rund 20 Millionen Kubikmeter Wasser gehen jährlich aus dem eisigen Reservoir des Gauligletschers verloren. Das entspricht dem eineinhalbfachen Volumen des Ghelmersees oder einem Fünftel des Grimselsees. Von diesem zusätzlichen Gletscherwasser profitieren die Kraftwerke, weil die Stauseen über mehr Wasser verfügen, sagt KWO-Mediensprecher Ernst Baumberger. Doch natürlich sei man sich bewusst, dass dieser Gewinn nur kurzfristig sei. Das Plus an Wasser durch die Gletscherschmelze halte nur so lange an, wie die eisigen Reserven überhaupt noch vorhanden seien, gibt Professor Martin Funk zu bedenken. Er ist Leiter der Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie der ETH Zürich. «Die Gletscher stehen nicht mehr in direktem Kontakt mit den Stauseen. Somit üben die Seen keinen Einfluss auf die Gletscher aus. Diese speisen aber die Stauseen mit Schmelzwasser», sagt Funk. Bereits heute würden 90 Prozent der Wasserzuflüsse von Juni bis September anfallen, erläutert Ernst Baumberger von den KWO. «Die Stromproduktion muss übers Jahr aber ausgeglichen sein. Dazu braucht es Stauseen als Zwischenspeicher.»

Wie Funk macht auch Baumberger auf die langfristig negativen Auswirkungen des Gletscherschwunds auf Kraftwerke aufmerksam. Gletscher hätten bei starkem Niederschlag eine spezielle Rolle, weil sie sich wie ein Schwamm verhalten. Sie dienen als Puffer und geben das Wasser nur verzögert wieder her, können also ein Hochwasser verhindern oder mildern.

Investitionen anpassen

«Die Kraftwerke müssen die Investitionen den zu erwartenden Veränderungen anpassen», sagt Martin Funk. Er rät, die Veränderungen frühzeitig zu berücksichtigen. Dessen ist sich Ernst Baumberger von den KWO bewusst: «Zu unseren Aufgaben werden künftig nebst der Stromproduktion vermehrt Aufgaben des Wassermanagements gehören.»

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