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Haslital schliesst sich der JRM an

Meiringen 82 zu 52: Die Mitglieder von Haslital Tourismus stimmten dem Anschluss an die Jungfrau Region Marketing AG zu. Die Verantwortlichen konnten die Versammlung trotz kritischer Stimmen überzeugen, dass dies der einzig gangbare Weg sei.

Andreas Michel, Präsident Haslital Tourismus
Andreas Michel, Präsident Haslital Tourismus
Samuel Günter
Die Mitglieder von Haslital Tourismus haben sich am Donnerstagabend (20. November) für eine Beteiligung von 22 Prozent an der Jungfrau Region Marketing AG ausgesprochen.
Die Mitglieder von Haslital Tourismus haben sich am Donnerstagabend (20. November) für eine Beteiligung von 22 Prozent an der Jungfrau Region Marketing AG ausgesprochen.
zvg
Philippe Sproll Jungfrau Region Marketing: «Wir setzen bei uns 1:1 um, was der Kanton für die Grossdestination fordert.»
Philippe Sproll Jungfrau Region Marketing: «Wir setzen bei uns 1:1 um, was der Kanton für die Grossdestination fordert.»
Fritz Lehmann
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Haslital Tourismus schliesst sich der Jungfrau Region Marketing AG (JRM) an. Bis es so weit war, dauerte es aber lange. Das vorerst letzte Kapitel in einer achtjährigen Geschichte schrieben die Mitglieder von Haslital Tourismus vorgestern an der Hauptversammlung im Parkhotel du Sauvage.

Sie stimmten dem Kauf von 22 Prozent der Aktien der JRM für 132'000 Franken zu. Damit wird Haslital zweitgrösster Partner hinter Grindelwald. Die Versammlung ermächtigte den Vorstand, die entsprechenden Verträge mit der JRM, Grindelwald Tourismus und Wengen Mürren Lauterbrunnental Tourismus abzuschliessen.

Gewisse Bedingungen sind gesetzt: Haslital wird vollwertig in die Kooperation zwischen der JRM und Interlaken Tourismus eingebunden, der Kanton sichert den maximalen Rückfluss der Beherbergungsabgaben zu, der Kanton beteiligt sich an den Projekt- und Integrationskosten, der Brand Haslital. Berner Oberland wird in die Mehrmarkenstrategie der JRM integriert, und die bestehenden Mitarbeiter- und Standortverträge und Leistungsvereinbarungen werden durch die JRM übernommen.

Viele Freiheiten bei der JRM

Es war dem Vorstand um Präsident Andreas Michel ein offensichtliches Anliegen, möglichst umfassend zu informieren. Erst führte Michel aus, weshalb man sich für die JRM als Partner entschieden hatte und nicht für Interlaken Tourismus. «Auf operativer Ebene arbeiten wir heute schon eng mit der JRM zusammen.» Die JRM habe in den letzten Monaten ihre Strukturen bereinigt und bilde nun eine Destinationsmanagementorganisation» oder kurz eine DMO.

In dieser verfügten Ortsmarken über viel Selbstständigkeit. «Administration, Verkauf und Destinationsmarketing werden zentralisiert, die Marken bleiben jedoch eigenständig, haben ein eigenes Budget und bewirtschaften ihre Zielgruppen selbst.» Schon heute habe Haslital eine sehr schlanke Struktur, man müsse also in absehbarer Zeit nicht mit einem Stellenabbau rechnen.

Ein Zusammenschluss sei unumgänglich, erklärte Geschäftsführer Nils Glatthard. Haslital allein sei zu klein, um auf internationalen Märkten präsent zu sein. Dazu komme der Druck des Kantons. Dieser spricht dem Haslital den Rang einer Destination ab. Dies könnte sich finanziell auswirken, indem die Beherbergungsabgabe nicht mehr zurückflösse. Diese wird vom Kanton kassiert. Einer Destination zahlt er bis zu 95 Prozent zurück. «Es gibt im Oberland weisse Flecken auf der Destinationskarte», erinnerte Glatthard. «Orte, die ihr Geld abliefern und nichts zurückbekommen. Das wollen wir nicht.» Mit dem Anschluss an die JRM sei der Rückfluss von jährlich 360'000 Franken gesichert. «Ohne diese können wir den Laden gleich schliessen.»

Kritische Stimmen

Andreas Rohrbach vom Camping Grund und Andreas Kehrli vom Hotel Rosenlaui widersprachen. Er glaube nicht, dass der Kanton nicht mit sich reden lasse, meinte Rohrbach. «Der Kanton kann uns unser Geld nicht wegnehmen. Geld, das wir mit eigenen Händen, den eigenen Innovationen und dem eigenen Einsatz erarbeitet haben», hielt Kehrli fest und erntete Applaus. Das Gesetz sei klar und lasse keinen Interpretationsspielraum zu, erwiderte Michel.

Kehrli plädierte für den Alleingang. Ein grosses Gebilde sei zu weit weg vom Gast und werde träge. «Wir sollten mit einer kleinen, schlanken und fitten Organisation und frischen Ideen in die Zukunft gehen.» Weiter sprach sich Kehrli für eine stärkere Zusammenarbeit mit der Innerschweiz aus, wie sie auch die Bergbahnen Meiringen Hasliberg vorlebten.

Geheime Abstimmung

Glatthard bemühte Bilder aus dem Sport, um die Vorteile der Zusammenarbeit zu verdeutlichen. Aus mehreren Vereinen der Super League würde so eine Champions-League-Mannschaft, die Tourismusbranche sei in gefährlichem Gebiet mit steilen Wänden und tiefen Gletscherspalten unterwegs, am besten gehe dies in einer starken Seilschaft. «Die Mehrmarkenstrategie garantiert auch in Zukunft die umfassende Mitwirkung und die bestmögliche Sichtbarkeit des Haslitals und seiner Tourismusangebote, dies auf gleicher Stufe mit weltbekannten Orten wie Grindelwald, Wengen, Mürren und Lauterbrunnen.»

Der Antrag Rohrbachs, die Entscheidung zu vertagen, «bis genaue Zahlen vorliegen und alle Fragen geklärt sind», lehnten die Mitglieder mit 49 zu 41 ab und befürworteten anschliessend in einer geheimen Abstimmung den Anschluss an die JRM mit 82 zu 52.

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