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Ist gut versichert gratis gerettet?

Nicht nur, aber vor allem an Schönwetter-Wochenenden sind häufig Rettungshelikopter zu hören und sehen, die in den Bergen herumfliegen. Doch wer eigentlich bezahlt ihre Einsätze – die Unfallopfer selber oder sogar wir alle?

Teure Bergrettungen: Für die Kosten von Luftrettungsorganisationen, Bergrettern und Armee – wie hier in Grindelwald anlässlich des letzten Eigerdramas vor Jahresfrist mit zwei Toten – kommen die Unfallversicherungen auf.
Teure Bergrettungen: Für die Kosten von Luftrettungsorganisationen, Bergrettern und Armee – wie hier in Grindelwald anlässlich des letzten Eigerdramas vor Jahresfrist mit zwei Toten – kommen die Unfallversicherungen auf.
Bruno Petroni

In einem Brief an die Redaktion fragt sich BO-Leser Hans-Rudolf Gerber aus Heimberg: «Wer zahlt eigentlich die Bergrettungseinsätze? An schönen Wochenendtagen sieht man den Rega-Helikopter manchmal pausenlos in der Luft. Und in der Presse liest man immer wieder von Rettungseinsätzen, oft auch mit Suchhunden.» Gerber hält fest, dass «diese Frage schon öfters in Dorfgesprächen debattiert wurde, und niemand weiss, wie das läuft, ob wir, die Steuerzahler, schlussendlich diese Rettungen bezahlen müssen». Tatsächlich: Im vergangenen Winter rückte alleine die Schweizerische Rettungsgesellschaft (Rega) über 70 Mal zu Lawinenrettungen und -bergungen aus.

Eigene Versicherung zahlt

Andres Bardill (Bild) ist Geschäftsleiter der Alpinen Rettung Schweiz (ARS). Er unterscheidet Rettungseinsätze bei Bergunfällen von sogenannten Präventiveinsätzen: «Nach dem Schweizerischen Unfallversicherungsgesetz ist in erster Linie der Verunfallte beziehungsweise seine eigene Unfallversicherung nach dem Verursacherprinzip zur Kostendeckung verpflichtet. In der Regel läuft die Verrechnung in solchen Fällen problemlos ab.»

Wenn kein Unfall, sondern nur eine Notsituation vorliege, bei der zum Beispiel ein Alpinist wegen eines verlorenen Steigeisens oder wegen eines plötzlichen Wetterumschlags blockiert sei, handle es sich um einen Präventiveinsatz. «Wenn der Gerettete dann den Nachweis erbringen kann, dass er sich in einer Notlage befand, wird auch diese Bergung normalerweise von seiner Unfallversicherung bezahlt», sagt Andres Bardill.

Bei Leichenbergungen werden jeweils vorgängig mit den zuständigen Versicherungen, der öffentlichen Hand, der Polizei und den Angehörigen der Opfer Kostengutsprachen vereinbart.

Dank Rega-Gönnerschaft

Komplizierter wird es, wenn eine gross angelegte Suchaktion, vielleicht sogar unter Beizug der Armee, ergebnislos verläuft, die gesuchte Person also nicht gefunden wird. Bardill: «Wenn in diesem Fall die Kostenfolge mit den Angehörigen der vermissten Person nicht geregelt werden kann, kommt bei Gönnern der Luftrettungsorganisationen Rega, Air-Glaciers und Air-Zermatt die jeweilige Gönnerorganisation für die Kostenübernahme zum Tragen.»

Grundsätzlich funktioniert die Kostenabrechnung bei der ARS nicht anders als bei der Schweizerischen Rettungsflugwacht (Rega). ARS-Geschäftsleiter Bardill: «Bei jedem Alarm, der über die Nummer 1414 ausgelöst wird, erfolgt das Inkasso über die Bestimmungen und das Verrechnungsbüro der Rega – und zwar unabhängig davon, ob die Rettung durch die Rega selber, durch die Air-Zermatt, Air-Glaciers oder eine andere private Unternehmung durchgeführt wird.» Bardill verweist dazu auf die Gönnerbestimmungen der Rega, die auf deren Website www.rega.ch aufgeführt sind.

Kein Geld für die Polizei

Seitens Kantonspolizei entstehen für den Verunfallten keine Kosten. Die Suche nach vermissten Personen ist immer Sache der Polizei. Werden diese im Gebirge gesucht oder gefunden, kann die zuständige Alpine Rettungsstation des SAC aufgeboten werden. Diese verrechnet ihren Ansatz nach den Bestimmungen der Rega. Die Polizei erhält auch keine zusätzliche Entschädigung, denn das Ausrücken zur Vermisstensuche gehört zu ihren eigentlichen Aufgaben. Adrian Deuschle ist Kantonspolizist und gleichzeitig Chef der SAC-Rettungsstation Interlaken): «Der Verunfallte oder aufgefundene Vermisste muss erst bezahlen, wenn zivile Rettungstrupps, also der SAC, Ambulanz, Rega, Air-Glaciers und so weiter zum Einsatz kommen.»

Otto von Allmen, Chef der Regionalpolizei Berner Oberland und in dieser Funktion Delegierter der Kantonspolizei Bern der Kantonalbernischen Bergrettungskommission (KBBK), ergänzt seinen Kollegen: «Die Kantonspolizei hat einen gesetzlichen Grundauftrag und ist gerichtspolizeilich auch im Gebirge zuständig. Die eigentlichen Einsätze werden durch die örtlich zuständige SAC-Rettungsstation und die Rega oder Air-Glaciers geleistet. Zwischen der Polizei und der KBBK besteht eine entsprechende Leistungsvereinbarung.» Die Einsätze der Kapo werden also nicht verrechnet.»

Selber versichern

Jeder Arbeitnehmer in der Schweiz ist aufgrund des Unfallversicherungsgesetzes von 1981 automatisch gegen Nichtbetriebsunfall versichert. Diese übernimmt die Kosten für Rettungen und Bergungen, sofern diese von den Rettungskräften als angebracht und sinnvoll betrachtet werden. Studenten, Hausfrauen oder Selbstständigerwerbende müssen sich selber gegen Unfall versichern.

Robert Grau, Generalagent der Zürich Versicherung in Interlaken: «Die Grundversicherung bei Unfall deckt in der Regel Kosten im Bereich von 500 Franken ab – viel zu wenig für eine umfangreiche Rettung.» Die Versicherungen empfehlen deshalb aktiven Bergsteigern, Freeridern und anderen Outdoorsportlern, den Deckungsumfang ihrer persönlichen Versicherung genau zu prüfen und nötigenfalls eine Zusatzversicherung abzuschliessen.

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