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Kaum Interessenten für das Projekt Kander 2050

Eine Infoveranstaltung zum Projekt Kander 2050 in Reichenbach stiess auf wenig Interesse. Ist das Hochwasser 2005 schon vergessen? Laut Experten könnten sich aber solche Ereignisse künftig häufen. Was ist also zu tun?

«Zoubere chöi mir nid», gestand Willy Müller, Leiter des Projekts Kander 2050 ein. Verblüffende Zauberkünste bewies im Kirchgemeindehaus Reichenbach aber Siderato (Peter Mürner aus Gunten), der am Infoanlass als Moderator fungierte. Geschickt brachte dieser die Problematik um die geplanten Massnahmen an der Kander und die betroffenen Gremien und Anwohner mit seinen Tricks in Verbindung. Mürner beeindruckte mit seiner Schau vor allem die hochkarätigen Referenten und die anwesenden Projekt-Mitarbeiter. Das eigentlich angesprochene Publikum aus dem Kandertal blieb nämlich – bis auf vielleicht ein halbes Dutzend Leute – aus.

Warum das Desinteresse?

SVP-Grossrat Hans Rösti meinte denn auch gegenüber dieser Zeitung: «Es ist erschreckend. Entweder haben die Leute das Hochwasser 2005 schon vergessen, oder sie verdrängen dessen Folgen.» Projekt-Mitarbeiter Melchior Buchs hielt fest: «Die Massnahmen am gesamten Kanderlauf scheinen kaum jemanden zu interessieren. Reagiert und kritisiert wird erst, wenn vor der eigenen Haustüre etwas passiert.» Und Willy Müller betonte: «Wir haben den öffentlichen Infoanlass in Reichenbach organisiert, weil sich gerade hier mehrere Exponenten sehr kritisch zu den vorgesehenen Massnahmen geäussert haben. Aus diesen Kreisen ist aber jetzt überhaupt niemand erschienen.»

Die Ziele des Projekts

Mit dem Projekt Kander 2050 (seit 2006 operativ tätig) werden in einem Gewässerentwicklungskonzept (Geka) die Leitplanken für künftige Wasserbauprojekte an der Kander erarbeitet. Und zwar auf der gesamten Länge der 44 Kilometer, vom Gasteretal bis zur Einmündung des Flusses in den Thunersee. Federführend sind das Tiefbauamt sowie das Amt für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern. Die drei Hauptziele sind:

- Ausreichender Hochwasserschutz nach den heutigen Normen und Kenntnissen.

- Naturnahe Aufwertung des Flussraums und Beseitigung von ökologischen Defiziten.

- Gestaltung eines gesellschaftlich und wirtschaftlich attraktiven Lebensraums.

Als Gegenstück und Ergänzung zum Fachleitbild, welches die Umwelt-Optik der beteiligten Fachbereiche zur künftigen Entwicklung der Kander wiedergibt, ist ein Bürgerleitbild entwickelt worden.

Nicht als Schreckgespenst

Oberingenieur Markus Wyss betonte: «Es passiert gar nicht so viel. Wir greifen nur punktuell ein.» Die Flussaufwertung dürfe nicht weiter als Schreckgespenst aufgefasst werden. Wyss hielt fest: «Die Flussbett-Aufweitungen Schwandi-Ey und Augand sind doch überaus positiv ausgefallene Beispiele.»

Michael Schilling äusserte sich in Reichenbach zu den Themen Flussbau und Ökologie: «Die Kiesentnahme soll leicht reduziert werden. Teilweise wird der Kander sogar Geschiebe aus Sammlern wieder zugeführt.» Schutzbauten müssten unterhalten und angepasst werden, wobei man Bewährtes bestehen lassen wolle. Diverse Restwasserstrecken seien aber zu verbessern, Hindernisse bezüglich der Fischwanderung abzubauen. Ein weiteres Ziel sei auch die spätere Unterschutzstellung weiterer Kanderauen.

Geschichte und Zukunft

Christian Pfister vom historischen Institut der Uni Bern bot am Infoanlass einen geschichtlichen Überblick. Er zeigte auf, weshalb und wie der Kanderlauf bisher beeinflusst worden ist. Rolf Weingartner vom geografischen Institut der Uni Bern informierte über die Wassermengen und deren Spitzen im Sommer. «Dem Fluss werden jährlich 3600 Lastwagenladungen Geschiebe und Kies entnommen, zudem wird Strom für 50000 Haushaltungen produziert.» Unter Einbezug der Bevölkerung gehe es darum, die Einmaligkeit der Kander (wertvolle Landschaften/Erholungsräume) zu erhalten. Die Klimaveränderung müsse aber in die Überlegungen mit einbezogen werden: «Ab 1999 stellen wir eine starke Zunahme der Hochwasser fest. Wann folgt wohl das nächste?»

Wer ist zuständig?

Für den Hochwasserschutz und die Raumsicherung seien primär die jeweiligen Gemeinden und Schwellenkorporationen zuständig. Sie seien denn auch Ansprechpartner für die Grundeigentümer, beantwortete Oberingenieur Markus Wyss eine entsprechende Frage. «Der Kanton erarbeitet aber die Grundlagen und kämpft auch um Bundesgelder. Derzeit stehen nur für dringende Problemlösungen – wenn Menschenleben gefährdet sind – genügend Geldmittel zur Verfügung.»

Aber Vorprojekte bestünden teilweise bereits und alle betroffenen Gemeinden seien in die Erabeitung des Gewässerentwicklungskonzepts involviert worden. Auf Grund der Gefahrenkarten könne vermehrt Einfluss genommen werden. OberingenieurWyss sagte dazu: «Restriktiv allerdings nur in roten Zonen. Bei der Kander geht es in blauen Zonen hauptsächlich um Objektschutz.»

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