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«Mokka-Täter» war doch zurechnungsfähig

Der Täter im Fall «Mokka» versuchte, als unzurechnungsfähig erklärt zu werden. Das Bundesgericht verneinte das Begehren.

Vor drei Jahren kam es im Thuner Nachtlokal «Mokka» zu einem verhängnisvollen Streit. Dem Vorfall gingen zwischen einem 22-jährigen Serben und einem Einheimischen eine verbale Auseinandersetzung und gegenseitige Provokationen voraus. Dann stach der Ausländer A. auf den andern mit einer abgebrochenen Bierflasche ein und verletzte ihn am Hals. Die grosse Halsschlagader wurde nur knapp verfehlt; der Attackierte überlebte.

Die Frage stellte sich, ob A. mit seinem Angriff lediglich verletzen wollte. Oder musste er mit der Möglichkeit (Eventualität) der Tötung rechnen; in einem solchen Fall liegt eventualvorsätzliche Tötung vor, das heisst versuchte vorsätzliche Tötung; die weniger streng geahndet wird als beim direkten Vorsatz: Wegen Eventualvorsatz hatte das Kreisgericht Thun A. zuvor zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Opfer nicht unschuldig

Auf Appellation des Angeklagten bestätigte das Berner Obergericht den Befund der Vorinstanz, wonach A., dem Eventualvorsatz entsprechend, den Tod des anderen in Kauf genommen habe. Erwiesen war andererseits, dass das Tatopfer durch seine Beleidigungen und Beschimpfungen am Ganzen nicht unschuldig war. Das Obergericht reduzierte deshalb die Sanktion um drei Jahre, nicht zuletzt auch wegen zwei ähnlich gelagerter Fälle, die weniger strenge Strafen ergaben

A. erhob Beschwerde beim Bundesgericht. Er verlangte die Einholung eines psychiatrischen Gutachtens, mit dem Ziel, ihn für unzurechnungsfähig zu erklären, was Straflosigkeit bewirken würde. Wenn eine schwere Störung des Bewusstseins vorliegt, kann auf Unzurechnungsfähigkeit erkannt werden. In ihrem Urteil weist die strafrechtliche Abteilung in Lausanne nun darauf hin, dass die Geistesverfassung des Täters in hohem Masse in den Bereich des Abnormen fallen müsse, um eine Zurechnungsunfähigkeit zu bejahen. Das Bundesgericht kam im Fall «Mokka» aber zum Schluss, es gebe keine konkreten Anhaltspunkte von Zweifeln an der Schuldfähigkeit von A. Auch aus den Vorstrafen (Verstoss gegen das Waffengesetz, Drogendelikte) liess sich keine Unzurechnungsfähigkeit ableiten. Auf die Einholung eines psychiatrischen Gutachtens wurde verzichtet, was schliesslich zur Abweisung der Beschwerde führte.

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