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Nach 15 Jahren schliesst «Chuchilade»

Nach 15 Jahren schliesst der «Chuchilade», nach 2 Jahren Babys-Kids-Fashion: In der Altstadt gehen Geschäfte zu, teils wegen mangelnden Umsatzes. Zudem wird die «Metzgern» verkauft und das «Schwert» erweitert.

Susi Käser in ihrem «Chuchilade»: Am 24. April schliesst sie nach 15 Jahren ihr Geschäft in der Oberen Hauptgasse – aus finanziellen Gründen.
Susi Käser in ihrem «Chuchilade»: Am 24. April schliesst sie nach 15 Jahren ihr Geschäft in der Oberen Hauptgasse – aus finanziellen Gründen.
Franziska Streun

In der Unteren und Oberen Hauptgasse in Thun öffnen, schliessen und wechseln regelmässig Geschäfte und Betriebe: Zurzeit schliessen mehrere Läden, darunter der «Chuchilade» an der Oberen Hauptgasse 42. Die Inhaberin, Susi Käser, gibt ihren Laden nach 15 Jahren auf: «Es läuft einfach zu wenig und immer weniger», begründet die 62-Jährige ihren Entscheid und fügt an: «Zwar kann ich knapp alle Rechnungen und Fixkosten von rund 3000 Franken bezahlen, doch für meinen eigenen Lohn bin ich längst als Nachtwache tätig.»

Susi Käser schliesst den «Chuchilade» mit einem Abschiedsfest und einer Finissage ihrer Bilder am 24.April von 10 bis 16 Uhr. «Bis dahin stelle ich im hinteren Raum noch meine Kreationen aus», wirbt die Künstlerin für die letzten Tage und Wochen ihrer Zeit an der Hauptgasse.

Konkurrenz Grossverteiler

Die Konkurrenz mit den Grossverteilern und anderen Läden ist laut Käser für den «Chuchilade» zu gross: «Zudem werden immer wieder spezielle Küchen- und Geschenkartikel, die oft von Künstlerinnen und Künstlern kreiert werden, kopiert und billig verkauft.» Doch auch die Kundschaft habe sich verändert: «Die Jungen wollen heute alle drei Jahre etwas Neues kaufen und deshalb weniger für die Waren bezahlen.» Schade sei, dass nun, wo sie die Preise wegen der Schliessung um 50 Prozent heruntergesetzt habe, viele Leute kämen.

«Wenn uns die Kundschaft immer so unterstützen würde, wäre das Überleben von kleineren Geschäften in der Altstadt gewährleistet», ist Käser überzeugt.

Keine Markenkleider für Kids

Bereits geschlossen wurde der Secondhand-Kleiderladen an der Unteren Hauptgasse 14, in welchem heute im Schaufenster ein Motorrad ausgestellt ist und Gebrauchtwaren verschiedener Art verkauft werden. Ebenfalls zu ist seit Ende März das Geschäft Babys-Kids-Fashion an der Oberen Hauptgasse 44. «Nach knapp 2 Jahren mussten wir den Verkauf von Markenkleidern für Kinder aufgeben. Unser Umsatz ist zu tief und reicht nicht aus, um alle Kosten zu zahlen», sagt Marie-Louise Beetschen, die gemeinsam mit ihrer Tochter Natalie den Laden in einer Liegenschaft der Familie Wandfluh in Reichenbach ins Leben gerufen und ihn mit ihr bis jetzt betreut hat.

Ein alternierender Markt?

Ebenfalls schliessen wird ein weiterer Secondhand-Kleiderladen, der gegenüberliegende Estilo Seguro an der Oberen Hauptgasse 45. Die Inhaberin, Ursula Meerle Gehret, gibt ihn nach 4 Jahren zugunsten ihrer Arbeit in der eigenen Gesundheitspraxis auf. «Ich habe das Geschäft noch bis am 23.April geöffnet und betone, dass ich es nicht schliesse, weil es nicht gut läuft», erklärt sie. Die Frequenz ihrer Kundschaft und ihr Umsatz seien gut, auch der Mietzins in der Liegenschaft von Ludo van der Hejden empfinde sie als perfekt. «Was jedoch der Oberen Hauptgasse fehlt, ist ein Lockvogel», findet sie und hat einen Vorschlag: «Der Wochenmarkt könnte zum Beispiel abwechslungsweise in der Altstadt und im Bälliz stattfinden.»

In einem samstäglichen Non-Food-Markt in der Hauptgasse sähe sie eine ideale Lösung. «Denn die Gesellschaft will sich heutzutage ablenken, etwas sehen und etwas erleben», ist Ursula Meerle Gehret überzeugt. Sie könne das Gejammere der Geschäftsleute eigentlich nicht mehr hören.

Zu hohe Mietzinse?

Während sich Beetschens und Ursula Meerle Gehret nicht über die Höhe der Mietzinse beklagen wollen, bedauert Susi Käser, dass die Vermieter und Eigentümer, die Gebrüder Müller (Müller Immobilien Belp), nicht bereit seien, den Mietzins einem für sie finanzierbaren Rahmen anzupassen. «Ich bezahle für die knapp 100 Quadratmeter im Erdgeschoss im Monat 1634 Franken plus 150 Franken Nebenkosten», erklärt Susi Käser.

Auf Anfrage erläutert Christian Müller: «Wir besitzen und vermieten in Thun mehrere Ladengeschäfte, legen Wert auf faire Mietzinse und sind Frau Käser bereits einmal entgegengekommen.» Ausserdem sei es so, dass der Mietzins für das Geschäft vollumfänglich dem Marktwert entspreche und er nicht überrissen sei.

Wer sind die Nachfolger?

Wer in den ehemaligen «Chuchilade»-Räumen und den Estilo-Seguro-Laden einziehen wird, ist bislang laut Susi Käser und Ursula Meerle Gehret noch offen. Hingegen ist klar, wer dort einzieht, wo bis Ende März Kinder-Markenkleider verkauft wurden: das Büro Etcetera Oberland, ein Angebot des Schweizerischen Arbeiterhilfswerk (SAH) für Langzeitzeitarbeitslose, welches neu ebenso in Spiez ansässig sein wird.

IGT setzt aufs Parkhaus

Für die Innenstadt-Genossenschaft Thun (IGT) sind die zeitweise häufigen Geschäftswechsel in der Altstadt eine bekannte und sich wiederholende Erscheinung: «Obwohl die Aktivitäten des Altstadt-Stammes wie auch der Stadt die Frequenzen langsam verbessern, schliessen immer wieder Geschäfte und werden durch neue ersetzt», weiss IGT-Präsident Patrick Aeschbacher, der selber ein Bijouterie-geschäft in der Unteren Hauptgasse führt. Erst das Parkhaus Schlossberg werde wohl die erhoffte Kehrtwende und Stabilität bringen. Das Verhältnis Umsatz und Mietzins sei ohnehin individuell zu regeln und könne nicht als generelles Problem bezeichnet werden.

«Letztlich hängt der Erfolg eines Geschäftes von den Aktivitäten und dem Angebot ab», ist Patrick Aeschbacher überzeugt. «Wenn dies stimmt, sind die Leute bereit, die Altstadt gezielt aufzusuchen.»

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