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Ohne ein Wort mit den Kindern verschwunden

Seit bald vier Jahren sind Max, Lorena und Till Hämmerle spurlos verschwunden. Ihre Mutter entführte die drei Kinder an einen unbekannten Ort. Zurück blieb auch Grossmutter Marta Hämmerle (87) in Forst.

Marta Hämmerle-Graf an ihrem Wohnzimmertisch. Ein Stapel Bilder und ihre Erinnerungen sind alles, was ihr von den Enkeln, Max, Lorena und Till geblieben ist.
Marta Hämmerle-Graf an ihrem Wohnzimmertisch. Ein Stapel Bilder und ihre Erinnerungen sind alles, was ihr von den Enkeln, Max, Lorena und Till geblieben ist.
Markus Grunder

«Es war einmal eine Familie. Vater, Mutter und drei Kinder», beginnt Marta Hämmerle-Graf. Sie sitzt im Wohnzimmer ihres Hauses in Forst bei Längenbühl. Die Geschichte, die sie erzählt, handelt von ihren drei Enkelkindern Max, Lorena und Till. Sie hat die Kinder im Alter von 12, 10 und 9 Jahren seit fast 4 Jahren nicht mehr gesehen. «Ich habe keine Ahnung, wo sie sind», sagt sie und geht in die Küche, wo Kaffee und Güezi bereitstehen.

Zurück am Tisch, zeigt Marta Hämmerle Bilder: ein Babyfoto von Till, der am 27.Dezember Geburtstag hat; die drei Kinder mit ihrem Vater, Martin Hämmerle; die drei mit ihrer Mutter Ruperta Hämmerle-Prestol Sánchez. «Ihre Mutter, die Ruperta, ist damals einfach auf und davon mit den Kindern, ohne ein Wort, ohne eine Nachricht», sagt Marta Hämmerle und schaut zum Fenster hinaus. Draussen auf der Terrasse liegt schwer und feucht der erste Schnee.

Die drei Kleinsten

Drinnen ist es warm, heimelig und ruhig. Das Pendel der alten Wanduhr steht still. «Ich zog hierher, als ich 70 Jahre alt wurde», sagt Marta Hämmerle. Das war vor 17 Jahren. Damals verkaufte sie das Haus in Steffisburg und zog in ihr Elternhaus nach Forst. Seither lebt sie hier allein. Dennoch, einsam war sie nie. Mit ihrem früh verstorbenen Mann, Zahnarzt von Beruf und Pilot aus Leidenschaft, hat sie eine Tochter und drei Söhne. Später kamen elf Enkelkinder dazu. Ausser den drei verschwundenen sind heute alle volljährig. «Vier von ihnen leben mit meiner Tochter und ihrem Mann in den USA», sagt Marta Hämmerle. Max, Lorena und Till waren die Nesthäkchen im Haus der Grossmutter. «Ich hatte viel Freude an ihnen», sagt Marta Hämmerle. Sie und die Kinder machten mit der Eisenbahn Ausflüge zusammen, gingen in den Wald oder auf den Spielplatz.

Kein Anhaltspunkt

Damit ist es seit dem 9.März 2006 vorbei. Aus heiterem Himmel sei die Sache nicht gekommen, sagt Marta Hämmerle. Ruperta Hämmerle-Prestol lebte schon seit einiger Zeit nicht mehr bei ihrem Mann Martin Hämmerle in seinem neuen Haus im Aargau. Sie hatte für sich und die Kinder eine Wohnung im luzernischen Emmenbrücke gemietet. «Ich dachte immer, es laufe auf eine Scheidung hinaus», sagt Marta Hämmerle. Mit einem plötzlichen Verschwinden hatte weder sie noch ihr Sohn Martin gerechnet. «Ich fiel aus allen Wolken, als mich Martin anrief und sagte, Ruperta und die Kinder seien weg.»

Damals gab es einen ersten Anhaltspunkt. Die Polizei teilte mit, dass Ruperta und die Kinder am 9.März 2006 in Boston (USA) eingereist seien. Doch die erste Hoffnung verflog bald. Seither gibt es von Ruperta, Max, Lorena und Till keine weitere Meldung, keinen Brief, keinen Anruf, kein Lebenszeichen. Auch die Kantonspolizei Luzern, die Ruperta Hämmerle-Prestol mit einem internationalem Haftbefehl wegen Verdachts auf Entziehung von Unmündigen sucht, tappt absolut im Dunkeln. Alle Anstrengungen, die Vater Martin Hämmerle mit Hilfe von offiziellen und privaten Hilfsorganisationen unternommen hat, sind bis jetzt ohne Erfolg geblieben.

«Wie geht es ihnen wohl?»

So bleiben Marta Hämmerle von Max, Lorena und Till nur viele Erinnerungen, die Fotos auf dem Ofensims und ein paar Kisten mit Spielsachen, Buntstiften und Kinderbüchern. Und die Hoffnung. «Der Max ist ja schon 12 Jahre alt. Ich hoffe, dass er sich meldet, sobald er reif genug ist, sich selbst zu entscheiden.»

Doch die Zeit drängt, sagt die 87-Jährige: «Ich möchte die drei Kinder doch nur noch einmal in meine Arme schliessen oder wenigstens wissen, wo sie sind. Und ob es ihnen gut geht.» Marta Hämmerle wendet den Blick ab, schaut zum Fenster hinaus in die Winterlandschaft. Draussen rennen ein paar Kinder durch den Schnee den nahen Hügel hinauf. «Das war schon immer ein beliebter Schlittelhang», sagt sie und schluckt leer.

Hinweise zum Fall Hämmerle nimmt die Polizei Luzern unter der Telefonnummer 041 2488117 entgegen.

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