Spiez: Viel Neues im alten Gemäuer

Spiez

Der Schlossstiftung Spiez ist es gelungen, mit Spitzenkoch Torsten Götz aus Unterseen einen neuen Gastroanbieter in das historische Gemäuer zu verpflichten. Im Sommer sind Werke von Picasso zu sehen.

Bewährt und neu: Schlossleiterin Cornelia Juchli und Meisterkoch Torsten Götz mit Adrian von Bubenberg vor dessen Spiezer Wohnsitz.

Bewährt und neu: Schlossleiterin Cornelia Juchli und Meisterkoch Torsten Götz mit Adrian von Bubenberg vor dessen Spiezer Wohnsitz.

(Bild: Jürg Spielmann)

Jürg Spielmann

Kaum so deftig wie einst die alten Rittersleut’ werden die Gäste diese Saison in der Bubenberghalle auf Schloss Spiez tafeln. Wo Bruno Wüthrich bis letzten Herbst neun Jahre lang das Restaurant im Schloss betrieben hat, ist neu Torsten Götz der (Schloss-)Herr am Herd.

Der deutsch-schweizerische Doppelbürger – er arbeitete als Küchenchef in Tophäusern auf dem ganzen Globus und war Küchendirektor im Hotel Victoria-Jungfrau Interlaken – ist mit seiner Unterseener Genusswerkstatt um künftige Gaumenfreuden besorgt. «Kulinarik im Schloss by TG» nennt sich das, wie Götz erklärt. Mit jedem Tag verliebe er sich mehr ins wunderbare Anwesen, frohlockt der 47-Jährige, der auch schon als TV-Koch auf SRF1 zu sehen war.

Die Meldung, dass Zunftkollege Wüthrich seine Kochschürze aus gesundheitlichen Gründen an den Nagel hängen musste, war auch an ihn gelangt. Und weckte sein Interesse. Mit den Spiezer Schlossverantwortlichen habe es im Januar ein erstes Gespräch gegeben, erzählt Torsten Götz. Beim zweiten erfolgte schon der Handschlag. Der Vertrag läuft vorerst eine Saison. «Im Herbst wird Bilanz gezogen, Ziel ist aber ein mehrjähriges Engagement.»

Tafeln nach Vereinbarung

«Es ist wichtig, wird der Gastrobereich weitergeführt», sagt Cornelia Juchli – und auch, dass es kein Lokal mit den üblichen Öffnungszeiten geben werde. Die Schlossleiterin spricht damit an, was von Anfang Mai bis Ende Oktober anders sein wird: Götz tischt in der Bubenberghalle aus dem 15. Jahrhundert auf Anfrage respektive Bestellung auf – für Bankette, Gruppen, private oder andere Anlässe.

Das Credo lautet: feiern im Schloss. Manches werde dafür in der Genusswerkstatt in Unterseen vorbereitet und die Küche im Schloss Spiez weniger benutzt als zu Bruno Wüthrichs Zeiten. Sein Konzept umschreibt Torsten Götz als «modern-kulinarisch». Anfragen könnten an ihn oder auch an das Schloss erfolgen. Letzteres wird während seiner regulären Öffnungszeiten weiterhin das Café betreiben und auch Apéros, beispielsweise für Hochzeitsfeiern, anbieten.

Modern wird im Angesicht des historischen Bergfrieds nicht nur das Aufgetischte, sondern auch manch anderes sein. In der kalten Jahreszeit verfiel das Schloss nicht etwa in einen Winterschlaf, sondern wurde dessen Angebot erneuert. Hervorzuheben ist die Umgestaltung des Eingangsbereichs, in den die neuen Medien Einzug halten. «In den Vorjahren wurde die Dauerausstellung auf einen aktuellen Stand gebracht, nun der Empfang», fasst Cornelia Juchli zusammen.

Der sei eine Visitenkarte. Laut der Schloss- und Museumsleiterin sind in der Winterpause rund 100'000 Franken investiert worden. Ergänzend wird zudem der Auftritt in den virtuellen Medien den heutigen Bedürfnissen angepasst und ist ein neuer Prospekt in Arbeit.

Picasso kommt ins Schloss

Im Jahresprogramm ist ersichtlich, was auch in der kommenden Saison an grosser Vielfalt geboten wird: Nebst den bewährten Führungen sind es Vorträge (zusammen mit der Volkshochschule), die Schlosskonzerte, zwei Buchvernissagen sowie, als unbestrittener Höhepunkt, die Sonderausstellung «Pablo Picasso – von Gauklern, Frauen und Stierkämpfen». Vom 5. Juli bis 27. September sind fünfzig Werke der Druckkunst aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld, Bern, zu sehen.

Übrigens: Der spanische Künstler (1881–1973) ist auch am östlichen Ende des Thunersees Thema. Das Kunsthaus Interlaken zeigt vom 31.Mai bis 30.August in der Ausstellung «Les Caran d‘Ache de Picasso» über fünfzig Zeichnungen, Gravuren und Lithografien, erschaffen mit den berühmten Schweizer Farbstiften und Pastellfarben.

Einer Tradition folgend, öffnet das Schloss Spiez seine Türen am Karfreitag – heuer am 3.April. «Bis dann bleibt noch einiges zu tun», weiss Cornelia Juchli. Bereits am Ostermontag steigt das erste Fest. Am Eröffnungsanlass vom 6.April werden zum Gesang von Sound Agreement der neue Spiezer Wein sowie Käse- und Zwiebelkuchen gereicht. Fast so deftig also wie einst bei den alten Rittersleut’.

Öffnungszeiten: 3. April bis 18. Oktober; Montag 14 bis 17 Uhr, Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr. Juli und August bis 18 Uhr. Infos im Internet unter www.schloss-spiez.ch und www.torsten-goetz.ch

Berner Oberländer

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt