Teurer Raser-Ritt nach Thun

Thun

Der Fahrer, der im Januar mit 239 km/h von Spiez nach Thun raste, ist verurteilt und seinen Ausweis los. Aber wohl nicht für immer.

Zu schnell: Es braucht viel, damit Raser für eine lange Zeit nicht zurück ans Steuer dürfen. Entscheidend sind meist die Psychologen.

Zu schnell: Es braucht viel, damit Raser für eine lange Zeit nicht zurück ans Steuer dürfen. Entscheidend sind meist die Psychologen.

(Bild: colourbox)

Marco Zysset@zyssetli

Am Nachmittag des 27.Januars ging ein Raser zwischen Spiez und Thun der Polizei mit sagenhaften 239 km/h in die Radarfalle. Die Wahnsinnsfahrt auf der A6 kommt den Fahrer teuer zu stehen. Wie Recherchen dieser Zeitung ergeben haben, wurde der Mann vom zuständigen Strafeinzelrichter zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt. Die Strafe wurde bedingt auf die maximal mögliche Dauer von fünf Jahren ausgesprochen, was vermuten lässt, dass der Raser bereits früher wegen Verstössen gegen das Strassenverkehrsgesetz verurteilt wurde. Zusätzlich zur bedingten Freiheitsstrafe heisst es für den Raser: 6000 Franken Busse hinblättern. Leistet er diesem Bussbescheid keine Folge, gibts 60 Tage hinter Gittern – ohne Bewährung.Bringen Strafen nichts?Uwe Ewert von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) befasst sich intensiv mit Strafen nach kriminellen Vergehen und ihrer Wirkung. «Es gibt Studien, die aufzeigen, dass verschiedene Arten von Strafen kaum einen Effekt auf die Rückfallquote von Delinquenten haben», sagt Ewert. «Im Gegenteil: Gerade bei Gefängnisstrafen gibt es Tendenzen, die zeigen, dass eher rückfällig wird, wer länger inhaftiert ist und sich damit in einem gewissen Sinn an ein kriminelles Umfeld gewöhnt.»Ausweisentzug hilftSein Ansatz – und auch jener der BfU – ist deshalb das rigorose Entziehen des Fahrausweises. «Ein Ausweisentzug schmerzt die Täter in der Regel am meisten und ist auch im Sinne der Verkehrssicherheit wirksam», sagt Ewert, der derzeit an einen Bericht arbeitet, der sich genau mit dieser Thematik befasst. Sein «Billett» hat auch der Raser, der im Januar zwischen Spiez und Thun geblitzt wurde, weg. «Derart krasse Tempoüberschreitungen werden mit dem sofortigen vorsorglichen Führerausweisentzug sanktioniert. Zudem wird der Täter einer verkehrspsychologischen Fahreignungsabklärung zugewiesen», sagt Thomas Baumgartner von der Abteilung für administrative Verkehrssicherheit beim kantonalen Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt – ohne sich allerdings auf den konkreten Fall beziehen zu wollen. «Im Gegensatz zum Strafverfahren ist das Administrativverfahren, das wir führen, nicht öffentlich.» Aus Gründen des Datenschutzes könne er deshalb keine Auskünfte zu einem bestimmten Dossier geben.Ausweis bald zurück? Trotzdem: Der Raser, der sich offensichtlich schon vor dem Januar 2009 im Strassenverkehr etwas hatte zu Schulden kommen lassen, wird wohl nicht für immer ohne Führerausweis bleiben. «Selbst wenn eine verkehrspsychologische Fahreignungsabklärung ergibt, dass jemand seinen Ausweis wegen Unverbesserlichkeit ‹für immer› abgeben muss, hat der Betroffene nach fünf Jahren die gesetzlich vorgegebene Möglichkeit, eine Überprüfung der Massnahme zu beantragen.» Wird die Fahreignung so anlässlich einer neuen verkehrspsychologischen Untersuchung bestätigt, so Baumgartner weiter, müsse der Ausweisentzug aufgehoben werden, sofern der Antragsteller eine neue Führerprüfung besteht. So will es das Schweizerische Strassenverkehrsgesetz.

Thuner Tagblatt

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