Wenn Totgeglaubte länger leben

Spiez

Die Rettung in der Nachspielzeit scheint in Sicht: Das 58. Kostüm-Grümpelturnier des FC Spiez soll nicht das letzte gewesen sein.

Unheiliger Bund: Bauer Sepp Blatter geht unter den Augen Putins (l.) einen Pakt mit dem Teufel ein. Es gelte nur, das Geld am richtigen Ort hineinzustecken, erklärte diese «Grümpu»-Mannschaft in ihrer Show auf der Moosmatte. Man rate mal, wohin genau sie meinte...

Unheiliger Bund: Bauer Sepp Blatter geht unter den Augen Putins (l.) einen Pakt mit dem Teufel ein. Es gelte nur, das Geld am richtigen Ort hineinzustecken, erklärte diese «Grümpu»-Mannschaft in ihrer Show auf der Moosmatte. Man rate mal, wohin genau sie meinte...

Jürg Spielmann

Man lebt nur zweimal. Das wusste schon Doppelnullagent 007 anno 1967 im gleichnamigen Kultstreifen. James Bond zeigte sich auch am Sonntag in Spiez putzpurlimunter. Dort, wo heftig gemunkelt worden war, dass das 58. das letzte Grümpelturnier des FC Spiez werden würde. «Tscheims Bond, Nou-Nou-Sibe, het mänge ids Gfängnis tribe», reimte das Schülerteam «Tröimli» in der Kurzshow.

Der Auftritt sollte kein Albtraum sein; die Kids holten sich, als einziges junges Kostümteam, den Sieg. Für grosses Theater auf dem Naturparkett sorgten auch ein gewisser Sepp Blatter (der für ein bitzeli Geld einen Pakt mit Mephisto einging), ein Länderspiel Schweiz - Mexiko am Grill (das von Othmar Hitzfeld fachmännisch analysiert wurde), oder der «hässlichste Kreisel Europas» (der in Spiezwiler mit einem vergoldeten Adonis aufgemotzt wurde).

Farbenpracht, gepaart mit bierseliger Heiterkeit: Die dem Grümpu Spiez eigene Symbiose aus Fussball und Kostümklamauk funktionierte am Wochenende abermals. In Strömen pilgerten Gwundrige und Grümpelturniergänger, aktuelle wie ehemalige, auf die klubeigene Moosmatte. «Vom Zuschaueraufmarsch war ich positiv überrascht», bilanzierte Daniel Moser. «Es war ein gutes, sehr ruhiges Fest.»

Keinerlei Reklamation habe es gegeben –weder bei der Polizei noch von den Nachbarn. Moser hatte im Vorfeld angekündigt, die Organisation nach einem Dutzend Jahren abzugeben. Damit schien der Fortbestand der Traditionsveranstaltung, die jedoch längst keine Milchkuh mehr ist, akut gefährdet. Aber: Totgeglaubte leben länger. «Ich habe von verschiedenen Leuten gehört, die den Anlass weiterführen wollen.» Einer der Besagten fand, das älteste Turnier seiner Art im Berner Oberland dürfe nicht sterben. Diese Woche bereits sollen erste Gespräche geführt werden. «Wir werden die Leute sicher anhören und die Situation dann analysieren», befand Daniel Moser. Sein Wort hat im Vereinsvorstand als Chef Anlässe Gewicht.

Eitel Sonnenschein also? Beinahe. Denn übers Wochenende war die Verletzungshexe den Feierabendfussballern aus 32 Grümpu- sowie 12 Vereins- und Firmenteams nicht nur gnädig: ein Schien- und Wadenbeinbruch, eine Schulterverletzung , ein mutmasslicher Bänderriss sowie Zerrungen und Prellungen zeigten, dass die Hobbykickerei kaum die schonendste Form körperlicher Ertüchtigung ist.

Trotzdem: «Ich habe es sportlich als überaus fair empfunden, es ist kein Knochenbrecherturnier!», betonte Moser. Das soll, so alle Beteiligten wollen, 2016 nicht anders sein. Lebt dieser James Bond zwei-, so tut es das Spiezer Grümpu locker 59-mal...

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt