Steffisburg

100 Jahre Freude an der Natur

SteffisburgDie Sektion der Naturfreunde Schweiz wird 100 Jahre alt. Trotz ihrer langen Geschichte wird es für den Verein aber immer schwieriger, am Leben zu bleiben.

<b>Bau der Vereinshütte Stampf (1945).</b> Sie ist heute die Haupteinnahmequelle der Steffisburger Sektion der Naturfreunde.

Bau der Vereinshütte Stampf (1945). Sie ist heute die Haupteinnahmequelle der Steffisburger Sektion der Naturfreunde. Bild: zvg

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Vor 100 Jahren kam eine Gruppe Gleichgesinnter im Restaurant Linde zusammen und gründete die Steffisburger Sektion der Naturfreunde. Ziel des Vereins, der 23 Jahre zuvor in Wien gegründet wurde, war es, die Angehörigen der Arbeiterklasse ins Freie zu führen und mit ihnen die Herrlichkeit der Natur zu entdecken.

«Der Verein ist nicht direkt für den Naturschutz verantwortlich, wir möchten aber Sorge zur Natur tragen, damit wir sie auch weiterhin geniessen können. Die Naturfreunde sind eine Organisation, die sich hauptsächlich für soziale, gerechte und öko­nomisch vertretbare Freizeit-, Tourismus- und Bergsportaktivitäten einsetzt», erklärt Markus Würsten, Vizepräsident der Naturfreunde Steffisburg.

Auch heute geht es dem Verein darum, seine 90 Mitglieder dazu zu bewegen in die Natur zu gehen und diese zu geniessen, es werde aber immer schwieriger, aktive Mitglieder zu finden und damit auch die Exkursionen mit genügend Teilnehmern durchzuführen.

«Wir finden ausserdem nicht mehr genug Leute, die Verantwortung übernehmen. Wir haben deshalb auch keinen Prä­sidenten und keinen Protokollführer», sagt Würsten.

«Wir finden ausserdem nicht mehr genug Leute, die Verantwortung übernehmen.»Markus Würsten

«Die Naturfreunde Schweiz sind offiziell dazu ermächtigt, Aus- und Fortbildungskurse für Leiter sowohl im Programm von Jugend und Sport wie auch im Erwachsenensport anzubieten. Sie umfassen die Bereiche Wandern, Bergsteigen, Klettern, Schneeschuhwandern und Skifahren.

Leider ist in unserem Verein zu wenig Interesse an ­diesen Kursen da und wir haben zu wenig interessierte sowie qualifizierte Personen die diese Kurse besuchen würden», fügt er hinzu.

Den Grund dafür sieht Würsten in der grösseren, finanziellen Freiheit in allen Bevölkerungsschichten. «Die Gründer wollten die Arbeiterschaft aus dem Sumpf holen und aktiv mit ihr Sport treiben. Heute können sich das viele Leute auch ohne den Verein leisten», erklärt er.

Heimat auf der Alp

Nach der Gründung 1918 erfreute sich der Verein grosser Beliebtheit und schon bald suchte er nach einer geeigneten Skihütte. «Die Naturfreunde haben dann eine Alphütte auf der Oberen Matte am Sigriswilergrat ge­funden und bestiegen von da aus alle möglichen Berge», sagt Würsten. Mit ihren geselligen Anlässen und den beliebten Ausflügen, wurde die Hütte für den Verein aber schon nach einigen Jahren zu klein und es wurde zusätzlich die Alphütte Stampf gemietet.

Weil der Wunsch nach einer eigenen Hütte immer grösser wurde, beschloss man Geld zu sammeln und eine eigene Hütte zu bauen. «Ein Teil des Geldes war eigentlich schon gesammelt, aber dann kam der Zweite Weltkrieg dazwischen und es standen nicht mehr genug Mitglieder und Materialien für den Hüttenbau zur Verfügung», erklärt der Vizepräsident. «Seit ihrem Bau 1945 ist die Hütte so etwas wie unsere Heimat.»

Einnahmequelle

Auch heute ist die Vereinshütte Stampf auf der unteren Matte des Sigriswilergrates immer noch ein wichtiger Bestandteil des Vereins, denn sie ist die Haupteinnahmequelle. «Wir vermieten die Hütte regelmässig, denn von den Mitgliederbeiträgen allein könnten wir die Kosten nicht tragen», sagt Markus Würsten. «Viele Schweizer Sektionen müssen ihre Hütten jedoch verkaufen, weil die Vereine altern und die Hütten nicht mehr unterhalten werden können.»

«Seit ihrem Bau 1945 ist die Hütte so etwas wie unsere Heimat.»Markus Würsten

Aus diesem Grund wünscht sich Markus Würsten, dass vermehrt auch wieder junge Leute und Familien dem Verein beitreten. «Viele unserer Aktivitäten hängen im Moment mit der Hütte zusammen. Wenn wir aber wieder mehr aktive Mitglieder hätten, könnten wir auch wieder ein vielfältigeres Programm anbieten.»

Um dies zu schaffen, ­versucht der Verein nun wieder vermehrt positiv von sich reden zu machen. «Die Naturfreunde Schweiz haben mit der Hilfe von weiteren Vereinen und Verbänden die Petition ‹Insektensterben aufklären› lanciert, denn ohne Insekten gehen ganze Öko­systeme ein», sagt Markus Würsten. «Dies ist ein Thema, das uns alle betrifft. Deshalb möchten wir uns auch dafür einsetzen.» (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 13.09.2018, 10:34 Uhr

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