1987 wurde der Hübelitunnel in der Schublade versenkt

Die Geschichte des Hübelitunnels reicht bis in die Sechzigerjahre zurück. Damals wurde die Verbindung als Autobahnzubringer für das rechte Seeufer planerisch gesichert.

Blick von der Hofstettenstrasse Richtung Parklpatz und Marienkirche – hier würde der Hübelitunnel durchführen.

Blick von der Hofstettenstrasse Richtung Parklpatz und Marienkirche – hier würde der Hübelitunnel durchführen.

1971 wurde in der Region mit der Eröffnung des Abschnitts Kiesen–Spiez das Autobahnzeitalter eingeläutet. Bereits 1964 hatten sich die Behörden die Linien­führung für den Autobahnzubringer rechtes Seeufer durch das Glockental planerisch gesichert. Der Verkehr sollte durch einen Tunnel von der Hofstettenstrasse zum Glockental geführt werden. Im Hübeli (Nähe Spital-Kreisel) sollte für den Stadtverkehr ein Abzweiger entstehen, weshalb sich der Name «Hübelitunnel» einbürgerte.

Kanton ging Planung an

Thun und zunächst auch Steffisburg nahmen diese Vorgabe zu Beginn der Siebzigerjahre in ihre Verkehrsrichtpläne auf. Der Kanton ging die Planung an, bis in Steffisburg mit den Arbeiten an der Ortsplanungsrevision Op­position gegen das Vorhaben wach wurde: Die Leute waren nicht damit einverstanden, dass mit dem Anschluss Hübeli die Thuner Verkehrsprobleme auf Steffisburger Boden gelöst werden sollten.

Der Anschluss be­anspruchte viel Terrain, die Zufahrt führte durch ein dichtes Wohnquartier, und der Anschluss liess die Chancen auf die Verlängerung des Hübelitunnels bis an die Bernstrasse deutlich schwinden. Stattdessen wollte der Kanton die neue Strasse lediglich in einen rund 30 Meter breiten «Graben» versenken. Thun befürwortete diese Lösung und pochte auf die regionale Bedeutung des Anschlusses samt neuer Kyburgbrücke.

Petition in Steffisburg

1978 reichten Steffisburger eine Petition mit 5500 Unterschriften ein, um dem Gemeinderat den Rücken zu stärken. Ein Baugesuch beim Thunerhof zwang den Kanton, den Strassenplan aufzulegen. Die Antwort: rund 120 Einsprachen. Die Zeit der Strassenbau- und Autoeuphorie ging zu Ende, und der Verkehrslärm war ein Thema, wie 1978 die Volksinitiative für zwölf autofreie Sonntage zeigte.

Nach dem Streit gaben Thun und Steffisburg den Ball an den Kanton zurück. Zugleich ging ein munteres Planen los mit Lösungsvorschlägen und Untervarianten interessierter Bürger. Bald merkten die Gemeinden Thun und Steffisburg, dass sie nur ge­meinsam weiterkommen würden.

1979 gaben sie zwei Ingenieur­büros den Auftrag, Alternativvorschläge zu erarbeiten. Die Lösung 1980 bestand aus einem durch­gehenden Tunnel von der Bernstrasse bis zum Thunerhof mit einem unterirdischen Hübeli-Anschluss, der aus Raumgründen auf die Verkehrsachse Thun–rechtes Thunerseeufer reduziert wurde.

Streit um Finanzierung

Immerhin beeilte sich der Kanton mit einer Beurteilung und präsentierte 1981 seine Lösung: ein bis ins Günzenengebiet verlängerter Hübelitunnel mit un­terirdischem Hübeli-Anschluss. Der Kanton stellte aber klar, dass die Mehrkosten von 5 bis 6 Millionen Franken von den Gemeinden zu finanzieren seien. Es sollte kein Präjudiz im Hinblick auf weitere Umfahrungsprojekte in Wabern, Zollikofen oder Worb geschaffen werden.

Rückzug der Seegemeinden

Nach zwei Jahren waren sich Thun und Steffisburg 1983 einig, dass sich auch die Gemeinden am rechten Seeufer beteiligen sollten. Diese wiederum lehnten nun den Autobahnzubringer rechtes Thunerseeufer, den sie Jahre zuvor noch vehement gefordert hatten, in der Vernehmlassung zum regionalen Verkehrsrichtplan ab. Man wolle keinen Mehrverkehr. Der Zubringer zum rechten Seeufer wurde aus dem Richtplan ausgeklammert.

Auch die Thuner hielten den Zubringer samt Hübeli-Anschluss inzwischen nicht mehr für dringend: 1983 wurden Varianten für die Kyburgbrücke mit Anschluss an die Allmend- und die Jungfraustrasse geprüft. Aber diese hätten sich nur gerechnet, wenn Thun den Hübeli-Anschluss zum Nulltarif bekommen hätte.

1987 teilten die Thuner den Steffis­burgern mit, dass Thun auf den Autobahnzubringer zum rechten Seeufer verzichte. Fast zwanzig Jahre nachdem der Kanton dessen Linienführung auf den Plan gesetzt hatte, war das Projekt gestorben.

Mitte der Neunzigerjahre begann dann die Planung einer ­neuen Aarequerung. Von den diversen Varianten setzte sich der Bypass Thun-Nord durch. Dieser wird 2018 eingeweiht. Das Projekt Aarequerung Süd wurde hingegen bis jetzt nicht mehr weiterverfolgt.

Thuner Tagblatt

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