Thun

Aussageverhalten führt zu Freispruch

ThunEs war zu erwarten: Das Kollegialgericht sprach einen Mann frei, der angeklagt war, ein Mädchen vergewaltigt zu haben.

Das Regionalgericht in Thun verfügte in einen Fall von mutmasslichen sexuellen Handlungen mit Kindern einen Freispruch. (Symbolbild)

Das Regionalgericht in Thun verfügte in einen Fall von mutmasslichen sexuellen Handlungen mit Kindern einen Freispruch. (Symbolbild) Bild: Fotolia

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«Die Tatsache, dass der Staatsanwalt auf Freispruch plädiert hatte, war nicht der Hauptgrund für unseren Freispruch, wir sahen gute Gründe dafür», sagte Gerichtspräsidentin Eveline Salzmann vorgestern in Thun, nachdem sie sich mit den zwei Lai­enrichterinnen beraten hatte. Trotzdem wandte sie sich am Schluss der Urteilseröffnung direkt an Staatsanwalt Thomas Wyser und dankte ihm für seine Offenheit, in diesem Fall auf Freispruch plädiert zu haben.

Angeklagt war ein gut 50-jähriger Mann. Es ging um die Vergewaltigung einer Tochter seines Freundes im Jahr 2012, als diese 12 Jahre alt war. Als einzige Zeugin stand die heute 17 Jahre alte junge Frau vor Gericht, ihre Mutter blieb eng an ihrer Seite. Erzählt von der Vergewaltigung hat die Sonderschülerin ihrem 25 Jahre älteren Freund erstmals Ende 2015. Sie sagte aus, dass es mit dem gewünschten Geschlechtsverkehr nicht geklappt habe. Im Januar 2016 fiel bei der Erziehungsberatung dann erstmals der Name des Angeklagten.

Nichts Konkretes

Objektive Beweismittel gabs in diesem Verfahren nicht. Indirekte Zeugen hatten nichts gesehen und nichts gehört. Das Gericht beurteilte die Aussagen nach definierten Regeln. Auch das Aus­sageverhalten des Beschuldigten war im Verlauf des Verfahrens nicht immer ganz gleich. «Er wollte einfach kein Gstürm», sagte die Richterin.

Bei der Zeugin hingegen gabs wenig Konkretes zum Sachverhalt der Vergewaltigung, auch als bei der Videobefragung immer wieder nach Details und Emotionen gefragt wurde. Es gab auch Widersprüche: Zum Beispiel, dass es dunkel im Zimmer war und der Mann trotzdem ein Klebeband fand, um dem Mädchen den Mund zu verkleben.

Schwieriges Umfeld

Die Gerichtspräsidentin wies auf das schwierige Umfeld der jungen Frau hin und sagte: «Wir werden das Gefühl nicht los, dass sie so etwas erlebt hat.» Die Kosten des Verfahrens und der Pflichtverteidigung (zusammen 16'335 Franken) übernimmt der Kanton Bern, der Freigesprochene bekommt 400 Franken für seinen Lohnausfall und 100 Franken als Entschädigung für fünfeinhalb Stunden Polizeihaft. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 19.05.2017, 19:36 Uhr

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