Bereit für den Schlussspurt

Kiesen

Weil der letzte Sommer so warm war wie keiner zuvor, ist der angehende Weintechnologe Thierry Hess dieser Tage bereits mit dem Abfüllen von 2015er-Weinen beschäftigt. Dabei würde derzeit eigentlich die Schule im Fokus stehen.

Marco Zysset@zyssetli

Weil die Trauben im langen und heissen Sommer 2015 wunderbar gereift sind, geht auch der Gärprozess im Weinkeller zügig vonstatten; so zügig, dass in der Kellerei Riem Daepp & Co. in Kiesen dieser Tage schon eifrig der ­2015er-Weine abgefüllt wird.

Dabei würde bei Thierry Hess (21), dem angehenden Weintechnologen, jetzt die Schule im Mittelpunkt stehen. Anfang Jahr hat er den zweiten Unterrichtsblock des Abschlussjahres hinter sich gebracht; noch zwei weitere Kurse stehen vor den Abschlussprüfungen an, die Ende Mai beginnen.

Geografie als Trumpf

Noch im vergangenen August strahlte Thierry Hess nicht so viel Zuversicht aus mit Blick auf den Abschluss seiner Lehre: «Im Abschlussjahr muss ich noch zulegen», sagte er im August 2015. Mittlerweile hat sich der Druck etwas gelegt – unter anderem, weil er in seinem aktuellen Lieblingsfach Weingeografie auftrumpfen konnte. Eine 5,6 für seine Präsentation über den Weinbau in Griechenland und eine 5,4 für eine Gruppenarbeit bescherten ihm insgesamt eine 5,6 im Notenheft.

«Solche Noten tun halt schon gut», sagt Hess mit einem Lächeln – wohl wissend, dass die Anschlussfrage auf das Fach abzielen wird, wo das mit den Noten denn weniger rosig aussieht: «Das Fach Qualitätsmanagement hat im letzten Kurs vielen zu schaffen gemacht», sagt er, «auch mir.»

Video: Martin Burkhalter

Breites Spektrum

In der Schule – sie findet jeweils blockweise auf dem Strickhof in Wädenswil statt, direkt neben der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften – sind Hess und seine Berufskollegen mit einem breiten Fächerspek­trum konfrontiert. «Von Chemie bis zum Weinmarketing müssen wir wirklich alles wissen, was es bei der Herstellung von Wein zu beachten gibt.»

Eine Lehre, die er im Januar aus aus Weinmarketing gezogen habe, sei beispielsweise die, dass es sich kaum lohnen dürfte, den Thuner ausserhalb der Region verkaufen zu wollen. «Aber hier in der Gegend kann es für Wirte durchaus attraktiv sein, einen ­guten Wein zu führen, dessen Weinberg die Gäste während des Trinkens sehen können», erklärt Thierry Hess – und fügt an: «Mit Peter Rahm von der Rimuss- und Weinkellerei Rahm haben wir ­natürlich auch einen Lehrer, von dem wir enorm profitieren können.» Gefragt nach dem aktuell grössten Trend in der Branche, antwortet der angehende Weintechnologe: «Süssweine. Alles, was irgendwie restsüss ist, geht weg wie warme Semmeln.»

Lernen und Zusammensein

Video: Martin Burkhalter

Die Schulblöcke in Wädenswil seien jeweils intensiv, sagt Hess. «Vor allem wegen der Schule. Aber gerade jetzt, wenn es auf die Prüfungen zugeht, sitzen wir auch ausserhalb des Unterrichts jeden Tag noch ein, zwei Stunden zusammen und lernen gemeinsam.»

Thierry Hess betont aber auch, dass das gesellige Zusammensein nicht zu kurz kommen dürfe. «Nach dem Abendessen trifft man uns schon auch mal im Wädi-Bräu, dem Brauhaus der Wädenswiler Biere, wo wir den Tag bei einem Umtrunk ausklingen lassen.»

Thuner Tagblatt

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