Der Knorz mit den Kunstrasen

Viele Fussballvereine kommen an ihre Grenzen, wenn es darum geht, die Trainings bei schlechtem Wetter zu organisieren. Abhilfe könnten Kunstrasen schaffen. Doch die Finanzierung ist nicht immer ganz einfach, wie das Beispiel in Heimberg zeigt.

<b>Der Rasenplatz bei der Schule Untere Au:</b> Das wäre ein möglicher Ort für den Kunstrasenplatz in Heimberg gewesen. Diese Idee wird aber vorderhand nicht realisiert.

Der Rasenplatz bei der Schule Untere Au: Das wäre ein möglicher Ort für den Kunstrasenplatz in Heimberg gewesen. Diese Idee wird aber vorderhand nicht realisiert. Bild: Patric Spahni

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Dürrenast, Lerchenfeld, Hünibach, Oberdiessbach, Gerzensee, Interlaken, EDO Simme, Münsingen: Nein, das ist nicht die Gruppeneinteilung einer Amateurliga für die kommende Saison.

Das ist eine Liste von Fussballvereinen, die in der komfortablen Lage sind, über einen Kunstrasen zu verfügen. Insbesondere zwischen Herbst und Frühling sind diese Plätze aus Plastik Gold wert. Sie können bei jeder Witterung praktisch uneingeschränkt genutzt werden.

Ohne die öffentliche Handist es nicht möglich

Der Bedarf an Fussballplätzen in der Region Thun übersteigt das Angebot. Es sind deshalb diverse Projekte geplant – insbesondere mit Kunstrasen. Am weitesten fortgeschritten ist jenes neben der Stockhorn-Arena. Dort sollen zwei neue Kunstrasenfelder entstehen.

Geht alles glatt, fahren die Baumaschinen bereits im August auf. Das Vorhaben ist eine Co-Produktion der Burgergemeinde als Grundbesitzerin, der Stadt Thun sowie einer Interessensgemeinschaft mit acht Thuner Sportvereinen (wir berichteten).

Ohne eine Unterstützung der öffentlichen Hand ginge es nicht. Die Vereine könnten die Kosten nicht allein stemmen. Für das Bauvorhaben in Thun-Süd stehen Kosten von 2,8 Millionen Franken im Raum.

Im Moment könne er dazu keine weiteren Angaben machen, sagt der Thuner Gemeinderat Konrad Hädener (CVP), der das Dossier betreut. «Die Abklärungen laufen.» Das Geschäft werde unter Hochdruck vorangetrieben, damit der Stadtrat noch vor den Sommerferien über den Kredit befinden könne.

Thun-Süd ist keine Ausnahme, sondern der Regelfall: Bei den anderen Kunstrasenprojekten in der Region standen die Gemeinden ebenfalls Pate. In Dürrenast und Lerchenfeld wurden be­stehende Naturrasenplätze in Kunstrasenfelder umgewandelt. Finanziert mehrheitlich durch die Stadt Thun.

Mit Geld, dass der Stadtrat im Nachgang an die erste Stadionabstimmung, die bachab ging, für Sofortmassnahmen gesprochen hatte. Auch in Hünibach oder Oberdiessbach wäre es ohne die Hilfe der Gemeinden nicht gegangen.

In Steffisburg und Heimberg mahlen die Mühlen langsam

Während sich in der Stadt Thun etwas tut, geht es bei den beiden grossen Nachbargemeinden Steffisburg und Heimberg zähflüssiger voran. Seit Jahren sind Kunstrasenprojekte auf dem Tapet. In Steffisburg geht es unterdessen in kleinen Schritten vorwärts.

Dort soll im Bereich Schönau eine Dreifachhalle sowie ein Natur­rasenfeld und ein Allwetterplatz gebaut werden. Vor allem letzterer ist ein langgehegter Traum beim FC Steffisburg. Es würde die Organisation des Trainings- und Spielbetriebs für die 24 Mannschaften vereinfachen.

Im Spätherbst hatten die Steffisburger Stimmbürger an der Urne die Änderung der baurecht­lichen Grundordnung genehmigt und damit den Weg für die nötige Umzonung frei gemacht. Aktuell wird das detaillierte Projekt ausgearbeitet, inklusive Kostenvoranschlag. Es soll dem Souverän 2019 vorgelegt werden.

In Heimberg dagegen tut sich vorderhand in dieser Thematik nichts mehr. Und dies, obwohl es lange Zeit gut ausgesehen hatte. Im Finanzplan waren 2,1 Millionen Franken für ein polysportives Kunstrasenfeld aufgeführt.

Ein möglicher Standort wäre im Bereich der Primarschule Untere Au, wo sich derzeit ein Rasenfeld befindet, gewesen. Unterdessen hat der Gemeinderat den Posten aber gestrichen. «Das Projekt ist vorderhand vom Tisch», sagt Gemeindepräsident Niklaus Röthlisberger (SVP).

Es gebe noch zu viele Unsicherheiten im Zusammenhang mit der geplanten Mehrfachhalle. So sei noch nicht restlos geklärt, wohin die Halle zu stehen ­komme. «Wir wollen nicht Gefahr ­laufen, dass wir einen Kunstrasenplatz am falschen Ort bauen.» Die Gemeinde hätte sich zudem bei der Sanierung des Hauptplatzes des FC Heimberg, die derzeit noch läuft, mit 300'000 Franken beteiligt.

Ihm sei klar, dass dies kein Ersatz für einen Kunstrasen sei, sagt Röthlisberger. «Es bringt aber dem Verein eine gewisse Entlastung, weil die Plätze besser genutzt werden können.» Es sei ­zudem denkbar, dass die Idee ­Kunstrasenplatz zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgegriffen werde. «Die Türe ist nicht einfach zu», sagt Röthlisberger.

Beim FC Heimberg bleibtder Kunstrasen ein Thema

Es liegt in der Natur der Sache, dass der Präsident des FC Heimberg, Bruno Leu, wenig erfreut über den Strategiewechsel des Gemeinderates ist. «Uns würde ein Kunstrasen enorm viel bringen.» Vor allem die Organisation des Trainingsbetriebes erfordere grossen Aufwand, schliesslich führe man 15 Mannschaften.

«Wir müssen uns nach Möglichkeiten in den Nachbargemeinden umsehen.» Der Entscheid, vorderhand auf den Bau eines Kunstrasens zu verzichten, sei ein Rückschlag, sagt Leu. Aufgeben werde der FC Heimberg aber nicht. «Manchmal braucht es eben etwas länger.»

Vorderhand kümmert sich Leu mit seiner Crew aber um die ­Sanierung des Hauptplatzes. Die Arbeiten sind weitgehend abgeschlossen. Jetzt geht es noch darum, das Geld für die Beleuchtungsanlage aufzutreiben. «Ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen», sagt Leu.

Wieso hat denn der FC Heimberg nicht die Gunst der Stunde genutzt und den Hauptplatz mit einem Kunstrasen bestückt? «Das war nicht möglich», sagt Leu. Das Areal gehöre der Burgergemeinde. «Sie hat uns bei der Sanierung, Be­wässerung und Beleuchtung voll unterstützt, steht einem Kunstrasen aber eher skeptisch gegenüber.» (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 01.03.2018, 13:21 Uhr

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