Der Wirtschaftsmotor brummt leiser

Thun

Die regionalen Unternehmen erwarten künftig ein verlangsamtes Wachstum. Dies zeigt die Umfrage des Verbandes Wirtschaft Thun-Oberland. Eine Lohnrunde dürfte nicht überall zum Thema werden.

Reto Heiz, Präsident des Verbandes Wirtschaft Thun Oberland, präsentierte die Ergebnisse derWirtschaftsumfrage2019.

Reto Heiz, Präsident des Verbandes Wirtschaft Thun Oberland, präsentierte die Ergebnisse derWirtschaftsumfrage2019.

(Bild: Stefan Kammermann)

«Das Wachstum in der Schweiz wird sich verlangsamen», sagte Reto Heiz, Präsident des Verbandes Wirtschaft Thun-Oberland. Der Präsident präsentierte am Dienstagabend in Thun den über hundert anwesenden Vertreterinnen und Vertretern aus der regionalen Wirtschaft die Resultate der Wirtschaftsumfrage 2019.

Die Ergebnisse basieren auf Angaben von achtzig Unternehmen aus den unterschiedlichen Branchen der Region, welche gegen 7100 Arbeitsplätze anbieten. Und er nahm es gleich vorweg: «Über 50 Prozent der befragten Betriebe glauben, dass die Schweiz innerhalb der nächsten zwei Jahre in eine Rezessionsphase fallen wird.» Gründe seien die «nicht wirklich tolle» Konsumentenstimmung, die Unsicherheit in Sachen Altersvorsorge und die Negativzinsen.

Steigende Umsätze

Schwarzmalen wollte Reto Heiz indessen nicht. So würde rund ein Drittel der befragten Betriebe für das kommende Halbjahr steigende Umsätze erwarten. Während etwas über 45 Prozent mit einem unveränderten Geschäftsgang rechnen, sagen knapp 25 Prozent rückläufige Umsatzzahlen voraus. «Dies sind Anzeichen von Stagnation», hielt der Verbandspräsident fest. 

Ein ähnliches Bild zeigte die Frage nach der Entwicklung der Aufträge. Knapp 25 Prozent rechnen in den nächsten sechs Monaten mit einem Rückgang, während über 50 Prozent von keinen Veränderungen ausgehen. Mehrheitlich als genügend bis gut beurteilen die achtzig befragten Unternehmen die Entwicklung der Ertragslage. Lediglich 10 Prozent bezeichnen diese als ungenügend.

Wie der Umfrage weiter zu entnehmen ist, dürfte sich die aktuelle Stimmung auch auf die Löhne auswirken. «Es wird bestimmt keine generelle Lohnerhöhung geben», meinte Reto Heiz. So rechnen über alle Branchen gesehen 40 Prozent der Unternehmen mit einer Nullrunde. In der Industrie sind es gar 62 Prozent der Firmen, die ohne Lohnerhöhung auskommen wollen.

Leicht anders präsentiert sich das Umfrageergebnis in der Baubranche. Dort gehen 60 Prozent der Unternehmen von einer Lohnerhöhung von bis zu einem Prozent aus. Im Handels- und Dienstleistungssektor dürften die Löhne bei 41 Prozent der Firmen leicht steigen. Allerdings geben gut 85 Prozent der Unternehmen an, keine automatischen Lohnerhöhungskomponenten zu haben.

Arbeitsplatzzahl stagniert

Eine gewisse Stagnation ist auch in Sachen Arbeitsplätze auszumachen. So vermelden die Umfrageteilnehmer insgesamt zwar eine Zunahmen von 69 Arbeitsplätzen. Abgebaut wurden in diesem Jahr indes 52 Stellen.

«Wir dürfen nicht erwarten, dass im grossen Stil Arbeitsplätze geschaffen werden.»Reto Heiz, Präsident Wirtschaft Thun-Oberland

Ähnlich sehen die Prognosen für das kommende Jahr aus. Es wird insgesamt mit einem Plus von rund 51 neuen Stellen und einem Abbau von 44 Arbeitsplätzen gerechnet. «Wir dürfen nicht erwarten, dass im grossen Stil Arbeitsplätze geschaffen werden», resümierte Reto Heinz.

Die Präsentation der Umfrage zeigte ebenfalls die Situation rund um die Lehrstellen in der Region auf. Zwar bilden die befragten Unternehmen 2019 insgesamt 423 Lernende aus. «23 Lehrstellen konnten allerdings nicht besetzt werden», so Reto Heiz weiter. Die Unternehmen äusserten sich auch über die für sie wichtigsten Standortfaktoren. Dabei stellte sich heraus, dass die Steuerbelastung einen Sprung an die Spitze gemacht hat, vor Erreichbarkeit und ­Verkehr.

Talk zu Zusammenarbeit

Der Anlass wurde von einer Talkrunde umrahmt. Jungunternehmer diskutierten zum Thema «Zusammenarbeit mit den Behörden». Um die Region weiter zu stärken, sei es wichtig, dass Behörden und Unternehmen stärker zusammenarbeiten und am gleichen Strick ziehen, so das Credo.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt