Thun

Die Autodrehleiter im Hundegang

ThunDie städtische Feuerwehr besitzt seit kurzem die modernste Drehleiter des Landes. Eine Gelenkleiter mit Teleskop sowie ein etwas anderes Getriebe erleichtern fortan die Rettungen.

<b>Das neue Fahrzeug mit Autodrehleiter</b> wurde der Thuner Feuerwehr am Freitag übergeben.

Das neue Fahrzeug mit Autodrehleiter wurde der Thuner Feuerwehr am Freitag übergeben. Bild: Patric Spahni

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«Das ist die mit Abstand modernste Drehleiter der Schweiz», sagte Urs Isenschmid am Freitagabend nicht ohne Stolz über das neuste Einsatzmittel der Feuerwehr Thun (Schutz und Rettung).

Während drei Jahren hat Isenschmid zusammen mit seiner Beschaffungskommission verschiedenste Autodrehleitern auf Herz und Nieren geprüft – gewonnen hat die 32 Meter lange M32L-AT-Gelenkdrehleiter von Magirus mit 320 PS.

Diese wurde am Freitagabend auf dem Thuner Rathausplatz zusammen mit den beiden ebenfalls neuen Einsatzleiterfahrzeugen vorgeführt. «Im Ernstfall braucht es neben gutem Personal vor allem auch die richtigen Einsatzmittel», bemerkte der Gemeinderat Peter Siegen­thaler (SP).

Seitwärtsfahren möglich

Genau richtig ist die 16 Tonnen schwere Autodrehleiter: «Sie ermöglicht uns zielgerichtete, erfolgreiche und vor allem sichere Einsätze», ist sich Feuerwehrkommandant Roland Gfeller sicher. Besonders das Teleskopteil, das sich bis zu 1,2 Meter ausfahren lässt, sowie die Hinterachs­zusatzlenkung erleichterten die Arbeit in engen Gassen erheblich, erläuterte er.

Dies ermöglicht dem Fahrer, sehr nahe an ein ­Gebäude zu gelangen, ohne gross manövrieren zu müssen. Jenes Seitwärtsfahren nenne man Hundegang. So kann der Rettungskorb auch in verwinkelten Bereichen problemlos eingesetzt werden.

Vor dem neuen Fahrzeug (v.l.): Feuerwehrkommandant Roland Gfeller, Gemeinderat und Sicherheitsvorsteher Peter Siegenthaler und Löschzugkommandant Reto Frei. Bild: Patric Spahni

Die zahlreich erschienenen Feuerwehrmänner freuten sich über ihre ebenfalls neue Brandschutzausrüstung, waren aber vor allem vom neuen Fahrzeug fasziniert. «Das ist wirklich genial», raunten sie einander zu, als die Leiter zu Demonstrationszwecken innert kürzester Zeit auf ihre Maximallänge ausgefahren wurde und sie den Knickmechanismus mit eigenen Augen be­obachten konnten. Schlichter «Wahnsinn» sei das, befand gar jemand.

Dieser Wahnsinn hat aber auch seinen Preis: Die Autodrehleiter kostete die Stadt 1,05 Millionen Franken, sagte Feuerwehrmann Martin Schluchter auf Anfrage. Da die Autodrehleiter im Konzept grosse Rettungsge­räte der Gebäudeversicherung Bern (GVB) integriert ist, beteiligt sich die GVB mit einem Betriebsertrag über 20 Jahre mit 50 Prozent an den Kosten. «Das ist genau das, was wir brauchen», meinte der Hauptkommandant Gfeller, «das ermöglicht uns, auch weiterhin Einsätze zu bestreiten.»

Sirenenpflicht auch nachts

Was ist aber mit den Menschen, die neben dem Feuerwehrmagazin wohnen und nachts nur eines brauchen, nämlich ungestörten Schlaf? Die in den drei neuen Fahrzeugen eingebauten Sirenen sind nicht gerade leise – aus offensichtlichen Gründen.

Die Sirenenpflicht gelte auch in der Nacht, erklärt Feuerwehrkommandant Gfeller: «Wenn wir Sonderrechte nutzen wollen, dann müssen wir mit Blaulicht und Sirene zu einem Einsatz fahren.»

So werden die Anwohner des Feuerwehrmagazins am Frohsinnweg nur im absoluten Notfall aus dem Schlaf gerissen. «Wir versuchen, so gut wie möglich Rücksicht zu nehmen», meint Gfeller und ergänzt, dass etwa die Hälfte der Einsätze in der Nacht ohne Signal vonstattengehen würde.

Da nur etwa ein Drittel aller Einsätze der Feuerwehr Thun in der Nacht passieren, ist die Lärmbelastung relativ klein. «Das ist eigentlich kein Problem», so der Kommandant.

Neben den Überlegungen zu der Situation im Wohnquartier bringt die Beschaffung neuer Fahrzeuge Gedanken zu einem weiteren heiklen Thema mit sich: Haben alle diese grossen Kraftwagen überhaupt im Feuerwehrmagazin Platz? «Die drei neuen Fahrzeuge sind Ersatzbeschaffungen», winkt Roland Gfeller ab.

Trotzdem sucht die Feuerwehr in Zusammenarbeit mit der Stadt Thun weiter nach einer zufriedenstellenden Lösung für das ­diskussionslos bestehende Platzproblem im Feuerwehrmagazin.

Und dann bleibt noch die Angst, dass die Fahrzeuge oft ­benutzt werden müssen. Das wünscht sich trotz aller Begeisterung für die technischen Finessen der Fahrzeuge niemand. «Hoffentlich braucht ihr diese Drehleiter so wenig wie möglich», schloss Peter Siegenthaler seine kurze Rede auf dem Rathausplatz. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 19.02.2018, 12:34 Uhr

Zentraler Rettungsstützpunkt weiterhin ein Thema

Bereits seit dem Jahr 2003 sucht die Stadt Thun nach einem geeigneten Standort für einen zentralen Rettungsstützpunkt, wo die Rettungsdienste der Spital Simmental-Thun-Saanenland (STS) AG, die Feuerwehr Thun und der Zivilschutz gemeinsam untergebracht werden könnten.

Ursprünglich sollte das Projekt bis spätestens 2019 zum Abschluss gebracht werden, da der Rettungsdienst wegen der Umnutzung der Zentrale in Gesigen einen neuen Stützpunkt benötigt. Da aber vor drei Jahren das Projekt an der Weststrasse aufgrund nicht idealer Zufahrtssituation nicht weiterverfolgt wurde, ist die Planung jetzt wieder auf Feld eins zurückgefallen.

«Ein neuer Rettungsstützpunkt ist bei uns laufend ein Thema», sagte Roland Gfeller auf Anfrage, «mittelfristig bleibt das ein Ziel.» Momentan würde man die Situation evaluieren, um einen neuen Standort zu finden und ein konkretes Projekt zu starten. Dabei achte man auch auf die Ortsplanungsrevision der Stadt. Die Feuerwehr stehe bei diesem Thema aber nicht unter Zeitdruck: «Es pressiert nicht extrem», betont Gfeller.

Auch sei das bestehende Platzproblem für die Arbeit keine Behinderung und alles andere als akut problematisch. «Wir müssen nicht in den nächsten zwei Jahren umziehen», bilanziert Roland Gfeller.

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